Ich kann mich noch gut an meine erste Auslandsreise für RUTE&ROLLE erinnern. Als Student absolvierte ich 2012 mein zweites Praktikum in der Redaktion. Damals ging es für Kollege Elmar Elfers und mich für eine Woche nach Schweden. Gleich zwei Ziele standen auf der To-do-Liste. Unser erstes Ziel das Zorbcenter liegt im schwedischen Jämtland. Neben Forelle, Äsche, Barsch und Hecht warteten dort weitere Herausforderungen abseits vom Angeln.

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Das Zorbcenter bietet viele Aktivitäten neben dem Angeln

Eine der beiden Dosen scheint gleich zu explodieren! Mit einem Handtuch in der einen und einem Dosenöffner in der anderen Hand bearbeitet Zorbcenter-Chef Carl Göran Söder die beiden Konserven mit besonderem Inhalt: Surströmming. Der vergammelte Hering ist eine schwedische Spezialität, die für deutsche Gaumen nur bedingt geeignet ist. Als der quälend üble Gestank von verrottendem Fisch in der Luft liegt, nehme ich die Beine in die Hand. Und Elmar?

Auf ins Herz von Schweden
Anfang September 2012 geht’s für Elmar und mich mit SAS von Hamburg über Stockholm nach Östersund. Von dort rund 90 Kilometer durch stark bewaldetes Gebiet bis zum Zorbcenter. Und hier kommen nicht nur Angler voll auf ihre Kosten, auch Nichtangler können richtig viel Spaß haben. Womit? Das erfahrt Ihr am Ende des Artikels. Schnell ist das geräumige Ferienhaus in der typischen Rot-Weiß-Farbkombination bezogen und wir auf dem Weg ans Wasser. Im letzten Tageslicht erreichen wir den Indalsälven. Der durch Kraftwerke regulierte Fluss bahnt sich seinen Weg durch die wunderschöne Landschaft von Jämtland und bietet unendliche Möglichkeiten. Wir belassen es an unserem ersten Abend aber mit Hotspots sichten – die Vorfreude steigt!

Gute Chancen auf ’nen Dicken
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Carl Göran zeigt Elmar Hotspots auf einer Karte

Den bis zu vier Meter tiefen Fluss teilen sich Barsch, Hecht, Forelle und Äsche. Und da sind echte Brummer drunter. Der Rekord-Hecht aus dem Indalsälven brachte 13 Kilo auf die Waage, die schwerste Forelle 7,2 Kilo! Spinn- und Fliegenfischer servieren hier vom Ufer und Boot ihre Köder. Unweit des Zorbcenters mündet der Ammerån in den Indalsälven. Der kleine Fluss ist weit über die Grenzen Schwedens für sein fantastisches Fliegenfischen auf Äsche und Forelle bekannt. Stromschnellen und ruhige Abschnitte wechseln sich ab und bieten Äsche und Forelle einen idealen Lebensraum. Vergesst auch hier nicht Eure Hechtrute. Gerade die langsam fließenden Bereiche sind wahre Räuberburgen.

Entdeckungstour
Der nächste Morgen startet mit einem bunten Sonne-Wolken-Mix und Carl Göran erwartet uns am Bootshaus. Hier liegt eines von zwei Booten für die Gäste des Zorbcenters bereit. Ausgestattet sind sie mit einem Vier- und Fünf-PS-Motor und liegen sehr gut im Wasser. Während der sympathische Anlagenchef viele Informationen über den Indalsälven preisgibt, behält der Fluss vorerst seine geschuppten Schätze für sich. Dann aber kommt Bewegung in die Ruten. Die ersten Barsche landen an Bord. Es sind alles Fische der 30+ Klasse. Ich überliste mit einem rund 2,5 Meter tief laufenden Wobbler im Barsch-Dekor eine wunderhübsche Bachforelle, bei Elmar steigt eine der vielen Äschen ein.

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Eine Äsche schnappte sich Elmar Köder

Ein kupferfarbener Mepps-Spinner Größe 3 brachte den Erfolg. Nur wenige Bootsminuten vom Zorbcenter entfernt warten hechtverdächtige Buchten. Doch leider schnappt nur der Hechtnachwuchs zu und wir widmen uns wieder den Barschen. Die gestreiften Räuber stehen an diesem Tag dichtgedrängt gegenüber des Bootshauses. Wo die Bucht anfängt, kommen Gummifisch in Motoroil-Glitter und Mini-Wobbler im Barsch-Design nicht weit...

Fisch mal anders
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Surströmming ist eine gewöhnungsbedürftige Spezialität aus Schweden

„Heute Abend gibt es ein kulinarisches Highlight“, kündigt Carl Göran an. Wir sind gespannt und brechen wie jeden Abend von unserem Ferienhaus zur rustikalen Hütte mit einladender Terrasse auf. Hier schmeckt das Essen mit Blick auf den Indalsälven doppelt so gut. Kaum haben wir die hübsch hergerichtete Veranda betreten, reiße ich panisch die Augen auf: „Gammel-Hering! Boah, das ist nichts für mich!“ Elmar hingegen läuft das Wasser im Mund zusammen. Er freut sich auf die schwedische Spezialität. Beim Öffnen der beiden Dosen schauen wir Carl Göran interessiert über die Schulter. „Einfach das Fleisch von der Gräte lösen und genießen“, meint der Anlagen-Chef.

Schleppen auf dem Stundenplan
Am nächsten Tag steht Trolling auf dem Programm, es geht zum See Gesunden. Das rund 30 Kilometer lange und bis zu 100 Meter tiefe Gewässer hat richtig was zu bieten. Neben großen Hechten ziehen auch fette Seeforellen durch die Wasserschichten. Beste Zeit für die silbernen Salmoniden ist ab Oktober. Für Hecht plant man besser das Frühjahr und den Spätherbst ein. Zusammen mit Trolling-Experten Mads starten wir bei Sonne und spiegelglatter Wasseroberfläche auf den riesigen See. Kaum sind alle Ruten „scharf“, brist es merklich auf und die Sonne verschwindet hinter dunklen Regenwolken. Nur wenige Augenblicke später rollen dicke Wellen über den Gesunden. „Bei solchen Bedingungen fahre ich normalerweise nicht mehr raus“, erklärt Mads und steuert wieder den sicheren Hafen an. Dieser liegt übrigens direkt an seinem Seegrundstück. Beim Einholen der Ruten kreischt plötzlich eine Bremse los! Wenige Augenblicke später taucht ein schön gefärbter Hecht hinterm Heck auf und rutscht in die Keschermaschen.

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Erfolg beim Schleppen: ein Hecht schnappte sich einen großen Löffelblinker

Barsch auf Barsch
Kaum an Land angekommen, strahlt die Sonne vom Himmel und aus den Böen wird ein Lüftchen. Wir stärken uns am wärmenden Feuer und stechen erneut in See. Die Trolling-Ruten haben wir allerdings gegen Ultra Light-Barsch-Angeln getauscht. Als auf dem Echolot ein Barschberg auftaucht, gehen die Gummis an Zehn-Gramm-Köpfen auf Tauchstation. Die Barsche sind in Beißlaune. Drift für Drift gibt’s Drill auf Drill. Im Durchschnitt bringen die Mini-Räuber 34 Zentimeter aufs Maßband. „Es gibt auch größere Barsche hier im Gesunden. Doch muss man sich erst einmal durch die ganzen Halbstarken durchangeln“, grinst Mads. An den feinen Rütchen machen aber auch die kleineren Exemplare Spaß. Als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, fallen uns in der kleinen Bootshütte zwei Fotos auf. „Die hat meine Frau gefangen. Die Forelle wog über sechs Kilo“, erzählt Mads. Das ist mal ’ne Ansage. Und die heiße Zeit steht ja direkt vor der Tür.

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Große Seeforellen lauern ebenfalls im See Gesunden

Qual der Wahl
Wer im Zorbcenter unterkommt, kann nach Lust und Laune Angeln gehen. Ob direkt vor der Tür im Indalsälven, am See Gesunden oder in einem der vielen kleinen Seen in der näheren Umgebung, Langeweile kennen die Schweden hier nicht. Wir fahren mit unserer Entdeckungstour fort und schlüpfen an einem der vielen Waldseen in die Gummistiefel. Hier lauern Barsch und Hecht. Bei unserer Stippvisite springen Hechte bis rund 60 Zentimeter an die Krautköder und Jerks. Barsche gibt’s bei fast jedem Wurf!

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Eine Auswahl fängiger Ködermodelle

Nach einer Kaffeepause sind wir bereit für Barsch-Total in der Viskeviken, einer Bucht des Sees Gesunden. Zusammen mit Guide Jojo drillen wir um die Wette. Es ist unglaublich, wie viele der gezackten Räuber in der kleinen Bucht stehen. Leider beendet ein heftiges Gewitter mit Starkregen den tollen Tag auf dem Boot.

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Schöne Barsche sorgten für eine kurzweilige Angelei

Abends strahle ich: Das angekündigte „Schweden-Mahl“ entpuppt sich als deftiges Elch-Frikadellen-Essen. „Das ist ein Abschluss nach meinem Geschmack“.

Mehr als nur Angeln
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Die Unterkunft vom Flussufer gesehen

Die Gäste im Zorbcenter finden nicht nur die Entspannung am Wasser, sondern auch den Andrenalin-Kick im Gelände. Das Fahren mit dem Quad ist absolut empfehlenswert. Vorbei an Birken und Kiefern driftet man durch die Weiten des Zorbcenters. Wem der Sinn nach Offroad-Extrem steht, der ist in einem der alten schwedischen Armee-Truck bestens aufgehoben. Die Maschinen wühlen sich durch tiefe Spurrillen, breite Wassergräben, enge Baumgassen und an steilen Hängen hoch. Der Fun-Faktor im Zorbcenter liegt bei 100 Prozent – garantiert!

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Das ideale Angelauto: ein alter schwedischer Armee-Truck [Volvo C303 (TGB11)]. So einen brauche ich auch!

Infokasten
Kontakt: Infos zum Zorbcenter unter: www.zorbsweden.se
Allgemeine Infos zum Angeln in der Region Jämtland gibt’s unter: www.swedenfishing.com
Wenn es ums Reisen nach und in Schweden geht, findet Ihr Infos unter www.visitsweden.com
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