Der Winter ist eine Top-Zeit für die Gestreiften. Zieht Euch warm an und rückt - wo erlaubt - den Burschen auf die Schuppen. Tipps für kalte Tage packt mein FISCH&FLIEGE-Autor Steffen Schulz aus und beweist mit dicken Räubern, dass sich kalte Finger lohnen!

Ich bekomme von Steffen immer schöne Beiträge und tolles Feedback dazu. Daher möchte ich Euch den Folgenden auch nicht vorenthalten und überlasse dem Raubfisch-Spezi das Wort:

Barschangeln macht richtig Spaß! Und in den sozialen Netzwerken treiben vermehrt Angler mit der Fliegenrute ihr Unwesen am Wasser. So wie mein Kumpel Marc Zitvast (Smartlures), der ein echter Trendsetter in Sachen Fliegenfischen ist und im Bereich Barsch derzeit einiges leistet. Im vergangenen Winter treibt es mich daher zum Smartlures-Barsch-Wochenende mit den bekannten Werfern und Bindern Niklaus Bauer und Paolo Pacchiarini ans eisige Wasser. Auch mich hat das Barschfieber seit Längerem gepackt und ich möchte es mir nicht entgehen lassen, mit den beiden auf die gestreiften Räuber zu fischen. Sie träumen nämlich ebenfalls von einem kapitalen Barsch!


Die besten Ecken

Große Exemplare haben eines gemeinsam und das an fast allen guten Barschgewässern: Sie stehen in der Regel deutlich flacher als ihre kleineren Artgenossen und in Trupps von zwei bis fünf Fischen. In großen Talsperren, Bagger- oder Kiesseen suchen sie sich markante Stellen, die wir sehr oft perfekt vom Ufer aus befischen können. Steil abfallende Scharkanten, überhängende Bäume oder Büsche, Stege, Landnasen oder Muschelbänke sind hervorragende Angelplätze. Wenn Sie Gewässer mit kapitalen Barschen jenseits der 40-Zentimeter-Marke kennen, ist das bereits die halbe Miete. An Steganlagen halten sich die dicken Barsche gerne länger auf. Denn hier wird sowohl geruht als auch gefressen. An Kanten und Landnasen patrouillieren sie in Trupps entlang und es ist in der Regel schwieriger, sie dingfest zu machen.

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Warme Kleidung ist Pflicht. Hier geht es mit der Wathose an eine Kante

Die Taktik

An Stegen müsst Ihr „Sitzfleisch“ mitbringen. Oft ist das Beißfenster sehr kurz und wenn Ihr nicht am Platz seid, fangt Ihr gar nichts. Ich persönlich finde es langweilig, Ansitzfliegenfischen zu betreiben. Doch es kann sich leider wirklich lohnen, einen Platz, an dem man Nachläufer hatte, über den gesamten Tag hinweg auszufischen. An Baggerseen ist es sinnvoll, Strecke zu machen. Hier habt Ihr eher die Chance, einen Barsch auch außerhalb der Beißzeit zum Biss zu überreden. Natürlich gibt es bessere und schlechtere Tageszeiten. Jeder Tag und jede Jahreszeit hat ihre Eigenarten. Ist es besonders kalt, so sind oft die Nachmittagsstunden die besseren. Ansonsten ist morgens und abends mit Aktivität zu rechnen.
Das gilt ebenfalls für unser Wochenende. Als wir Samstagmorgen aufwachen, trifft uns jedoch erst einmal der Schlag, auch wenn kaltes Wetter angesagt wurde: Die Natur liegt unter einem zarten Weiß und es hat ordentlich gefroren. Da wir in einem Hafen mit wärmerem Wasser rechnen, zieht es uns zunächst dorthin. Paolo und Niklaus brennen bereits darauf, ihre ersten Würfe zu machen. Schließlich hat Marc in letzter Zeit oft genug auf Instagram bewiesen, wie effektiv das Fliegenfischen auf Winterbarsche sein kann. Dementsprechend gut sind sie vorbereitet.

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Paolos Taktik ging auf

Tackle-Check

Marc fischt mit einer 6er Sage X in neun Fuß, Niklaus natürlich mit einer Vision-Kombo #7, Paolo schwört ebenfalls auf ein 6er Sage-Set-up, ich auf eine Hardy Sintrix SWS in #6. Bei der Schnur setzen wir alle auf eine Intermediate-Ausführung mit sink3-Spitze. Die Airflo Forty Plus Sniper ist sehr zu empfehlen. Sie ist dünn und unauffällig und lässt sich hervorragend werfen. Als Vorfach dient ein 0,30er bis 0,40er Fluorocarbon- oder Monovorfach.
Bei den Fliegen schwört Marc auf EP Streamer in natürlichen Dekoren sowie in Chartreuse und Weiß zwischen neun und zwölf Zentimeter, Paolo und Niklaus setzen auf Wiggletail Streamer in Brauntönen. Unsere Barsche lieben nämlich Grundeln und Krebse, die mittlerweile in vielen Gewässern beheimatet sind. Ein Schnurkorb ist Pflicht, ebenso eine wintertaugliche Watausrüstung.

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Ein Schnurkorb hilft beim Fischen

Führungsstile

Am ersten Spot präsentieren Niklaus und Paolo ihre Fliegen. Einer fischt zügiger, der andere langsamer. Niklaus bekommt kurz darauf einen Nachläufer. Jetzt beackern wir diese Stelle gründlich gemeinsam, wobei jeder auf andere Führungsstile setzt. Das Wichtigste überhaupt ist es, genau zu wissen, was der Streamer gerade macht und wo er läuft. Klingt leicht, ist aber ungemein schwierig. Vor allem für unerfahrene Angler. Bei Tiefen um fünf Meter in Wurfweite macht es manchmal Sinn, den Streamer 10 bis 20 Sekunden absinken zu lassen. Strip-Stopps, schnelles Strippen mit kurzen und langen Pausen, hart am Grund fischen oder darüber hinweg – alles hat irgendwann seine Berechtigung und der richtige Stil muss jeden Tag neu gefunden werden. Die Fliege einfach mal am Boden liegen lassen, tja, auch das lieben die dicken Barsche manchmal.
An diesem Platz fangen wir leider nichts. Die Sonne zeigt sich nun mehr und am Nachmittag wechseln wir an einen Baggersee. Dort kann ich direkt einen richtig kapitalen Räuber von 2,02 Kilo verhaften. Niklaus ist schnell mit dem Kescher zur Stelle, denn der Fisch ist knapp gehakt. In Schweden ist ein 1,3 bis 1,5 Kilo schwerer Barsch bereits ein richtig kapitaler Fisch, von vier Pfund träumen dort die meisten. Ich weiß diesen Fisch richtig zu schätzen, ist er doch zugleich mein Fliegenrekord! Ist der Bann gebrochen?

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Für solche Barsche bibbert Steffen gerne!

Top-Fische, aber ...

An einem in den See hinauslaufenden Unterwasserberg kann Niklaus nachlegen. Die Freude ist riesig, knackt der Fisch doch die 1,3-Kilo-Marke deutlich. Marc fängt noch einen fetten Winterhecht. Und Paolo? Der schlägt so richtig zu: 1,93 und 1,84 Kilo, zwei wahre Prachtfische, die kurz aufeinander folgen. Da die Räuber in Trupps umherziehen, sollte man einen erfolgreichen Platz weiter ausfischen.
Paolo, Marc, Niklaus und ich feiern diesen Tag so richtig! Wir sind hochzufrieden. Doch sollte eines klar sein: Wir haben fünf Fische zu viert gefangen und viele Kilometer zurückgelegt. Marc, Niklaus und ich hatten jeweils einen Biss bei acht Stunden Angelzeit. Diese Angelei ähnelt der Meerforellenfischerei, wobei mit guter Vorbereitung ein gestreifter Räuber nicht der „Fisch der 1000 Würfe“ werden muss. Jetzt seid Ihr an der Reihe, Euch zum Barsch zu bibbern!

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Paolo mit Muschel am Haken: Hotspot!

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Niklaus mit Zielfisch
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