Pilker sind ein Garant für gute Fänge. Die Bleifische locken immer wieder große Nordmeerräumer an die Haken. Boardie Robert zeigt Euch in mehreren Teilen, wie Ihr Euren Lieblingspilker nachbauen könnt. Teil 1/3: Bau von Gießformen für Pilker

Viele Meeresangler wollen ihre Pilker selber machen. Dadurch kann man den Lieblingspilker nachbauen, den es nicht mehr im Handel gibt, oder relativ preisgünstig einen Vorrat anfertigen, um Verluste durch Hänger zu ersetzen. Seitdem ich die „Pilkergieß-Treffen“ in Bayern organisiere, bekomme ich immer wieder Anfragen, wie man beim Gießen von Pilkern vorgeht. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, eine kleine Artikelserie zu schreiben, in der die Herstellung einer Form, das Gießen und die Pulverlackierung von Pilkern Schritt für Schritt erklärt werden. Da ich das Ganze nicht professionell betreibe, erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Fehler bitte ich zu verzeihen. Der erste Schritt zum selbst gegossenen Pilker ist der Bau einer Form für den gewünschten Pilker.

Folgende Materialien bieten sich für den Bau der Form an:
Metall: Aluminium oder Stahl
Metallformen haben den Vorteil, dass sie nahezu unbegrenzt haltbar sind, allerdings ist die Herstellung sehr aufwendig und mit den Mitteln, die dem Heimwerker zur Verfügung stehen nicht zu realisieren – außer man besitzt eine CNC-Fräsmaschine. Metallformen kommen daher eher zum Einsatz, wenn man fertige Formen im Handel kauft.

Hitzebeständiges Silikon
Der Formenbau aus Silikon ist mit Hausmitteln recht einfach zu bewerkstelligen. Allerdings ist die Lebensdauer der Ausführungen nicht so hoch wie bei Verwendung von Metall. Bei guter Pflege halten die Formen aber für mehrere hundert Gießvorgänge.
Ein Nachteil ist der relativ hohe Preis des hitzebeständigen Silikons (rund 35 bis 40 Euro pro Liter). Wie Ihr Euch eine Silikonform zum Gießen von Pilkern baut, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Gips
Formen aus Gips sind kostengünstig und einfach zu verarbeiten. Nachteil ist jedoch eine begrenzte Lebensdauer der Form. Außerdem muss beim Guss beachtet werden, dass Gips Feuchtigkeit anzieht. Je nach Feuchtigkeit kann es zur starken Verdampfung oder Mini-Explosion beim Gießvorgang kommen. Vor dem Gießen muss die Gipsform daher komplett trocken sein.

DER BAU EINER SILIKONFORM FÜR PILKER
Materialliste:
• hitzebeständiges Silikon: Gibt’s in gut sortierten Bastelläden (wird auch für Zinnfiguren verwendet) oder im Netz.
• einige Holzbretter aus dem Baumarkt. Am besten verwendet Ihr beschichtete Spanplatten – an der glatten Oberfläche haftet das Silikon nicht. Die benötigten Abmessungen der Platten werden noch erläutert
• Schrauben
• Trennmittel beispielsweise Vaseline
• Knetmasse, zum Beispiel Plastilin
• einen Musterpilker etwa den Originalpilker
• eventuell Nitroverdünnung oder Aceton

Werkzeug:
• Akkuschrauber
• Bastel- oder Teppichmesser
• Stock zum Anrühren des Silikons

Sicherheitshinweise:
Das Silikon ist zwar nicht hochgiftig, zumindest der Härter ist aber als gesundheitsschädlich gekennzeichnet. Es sollten daher die folgenden Sicherheitshinweise berücksichtigt werden:
• nur in gut belüfteten Räumen oder im Freien arbeiten
• beim Umgang mit Chemikalien nicht essen, trinken oder rauchen
• Handschuhe und Schutzbrille tragen

Vorbereitung des Pilkers
Viele professionell hergestellte Pilker sind mit Pulverfarben lackiert oder grundiert. Die Pulverbeschichtung ist aber relativ dick – bis zu einem Millimeter. Würden wir den Pilker jetzt abformen, hätten unsere Abgüsse später ein deutlich höheres Volumen als das Original – das heißt, das Gewicht wäre auch höher.
Um dies zu vermeiden, sollte zuerst die Lackschicht vom Pilker entfernt werden. Dies kann man mit viel Mühe mit Schmirgelpapier bewerkstelligen oder man legt den Pilker ein bis zwei Tage in eine scharfe Verdünnung ein: Nitroverdünnung oder Aceton. Die Verdünnung löst die Pulverschicht an, dass man sie wie eine Orangenschale abziehen kann.

Bau der Form
Im ersten Schritt planen und bauen wir den Aufbau für die Form. Für die richtige Größe legt man das Muster vom Pilker auf ein Blatt und skizziert den Aufbau der Form grob vor.
Folgende Punkte solltet Ihr beachten:
  • Die Pilker sollten leicht schräg stehen, damit beim Guss das Blei sauber einlaufen kann
  • Öffnung für den Anguss berücksichtigen
  • eine Mindestwandstärke von rund einem Zentimeter berücksichtigen
1. Gußform Pilker Norwegen.jpg






A: mindestens ein Zentimeter Pufferrand vorsehen
B: hier kommt später der Anguss in die Form
C: Entlüftungsloch, damit beim Gießen Luftblasen entweichen können








Nun müssen wir einen Kasten anfertigen, in dem die Gussform hergestellt wird. Die Innenabmessungen müssen dabei, den Außenabmaßen der Gießform entsprechen. Zum Bau des Kastens verwende ich beschichtete Spanplatten aus dem Baumarkt. Auf die Grundplatte, die größer sein muss als die Außenabmessungen der Form, werden Leisten angeschraubt. Die Höhe der Leisten muss so gewählt sein, dass der Pilker (Dicke) plus je einen Zentimeter oben und unten der Form Platz hat. Skizze der Form von der Seite:

2. Gußform Pilker Norwegen.jpg

A: Pilker – die Trennlinie zwischen den beiden Formhälften habe ich gestrichelt eingezeichnet.
B: 1. Formhälfte
C: 2. Formhälfte
D: Hier mindestens einen Zentimeter Rand lassen



Vorbereiteter Kasten:
3. Gußform Pilker Norwegen.jpg


Als nächster Schritt folgt das Einbetten des Musters im Kasten. Dazu fixieren wir den Pilker mit Knetmasse am Boden des Kastens. Die Oberfläche der Knetmasse bildet dann später die Oberfläche der ersten Formhälfte.

Dabei folgende Punkte beachten:
  • Pilker bis zur Hälfte in die Knetmasse drücken
  • Knetmasse sauber bis an den Pilker streichen
  • Hinterschnitte produzieren! (siehe Zeichnung) Bei den beiden oberen Darstellungen würde sich der Pilker später beim Gießen nur schwer aus der Form lösen lassen.

4. Gußform Pilker Norwegen.jpg

  • Die Ösen des Pilkers sollten knapp mit Knetmasse bedeckt sein. Der Grund wird im weiteren Verlauf deutlich
  • um den Pilker herum Dellen in die Knetmasse drücken.
  • Durch diese Dellen erhalten wir an der fertigen Form eine Art Passstifte, die dafür sorgen, dass beide Formhälften nicht verrutschen. Die Dellen können mit einem beliebigen stumpfen Gegenstand eingedrückt werden beispielsweise mit einem Pinselstiel oder Bleistift.
5. Gußform Pilker Norwegen.jpg


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SILIKON EINFÜLLEN
Nun sind wir soweit, das Silikon für die erste Formhälfte einfüllen zu können. Dazu das Silikon und den zugehörigen Vernetzer (Härter) gemäß den Herstellerangaben vermischen.
Das flüssige Silikon in die Form geben. Um Luftblasen im Silikon zu vermeiden, ist es sinnvoll, zuerst eine dünne Schicht auf die Pilker zu gießen. Aus dünnen Schichten entweichen Luftblasen wesentlich leichter. Anschließend das Silikon soweit auffüllen, dass die höchste Stelle des Pilkers mit rund ein Zentimeter Silikon bedeckt ist. Hinweis: Dicken Wandstärken erhöhen die Lebensdauer der Form.

Nach dem Auffüllen leicht an den Kasten klopfen, sodass im Silikon gebundene Luftblasen an die Oberfläche steigen.

6. Gußform Pilker Norwegen.jpg

Das Silikon der ersten Formhälfte muss nun aushärten – am besten über Nacht. Anschließend kann die erste Hälfte der Form, der Originalpilker und die Knetmasse aus dem Kasten entfernt werden. Die Formhälfte wird nun um 180 Grad gedreht und wieder in den Kasten gegeben. Jetzt die gesamte Oberfläche der ersten Formhälfte mit einem Trennmittel (Vaseline) einschmieren. Dieser Arbeitsgang muss sehr sorgfältig durchgeführt werden. Wird eine Ecke vergessen, klebt das Silikon der zweiten Formhälfte bombenfest an der ersten – die ganze Arbeit war umsonst.

Anschließend wird der Originalpilker wieder in die Formhälfte gelegt. Im Anschluss wird wieder flüssiges Silikon eingefüllt.

7. Gußform Pilker Norwegen.jpg


Nach dem Aushärten des Silikons wird das Ganze aus dem Kasten entfernt. Die beiden Formhälften werden vorsichtig voneinander getrennt. Der Originalpilker wird nun voraussichtlich in der zweiten Formhälfte festhängen. Wir hatten ja bei der Herstellung der ersten Hälfte die Ösen des Pilkers komplett mit Knetmasse bedeckt, sodass die Ösen nun in der zweiten Formhälfte im Silikon eingebettet sind. Wir müssen nun das Silikon mit dem Bastelmesser vorsichtig aufschneiden, damit die Ösen aus dem Silikon herauskommen. Der Vorteil ist, dass wir in der zweiten Formhälften schöne Taschen haben, in die wir später beim Gießen die Ösen einlegen können.

8. Gußform Pilker Norwegen.jpg


Sollte dies nicht geklappt haben, kann man den Bereich der Ösen mit einem Bastelmesser etwas aufweiten. Beim Gießen verwenden wir zur Fixierung der Ösen Superknete von Hakuma. Im letzten Schritt muss nur noch mit dem Bastelmesser die trichterförmige Gussöffnung geschnitzt werden. Die Öffnung am Pilker sollte gute zwei Millimeter betragen. Wenn das Loch zu klein ist, läuft beim Guss das Blei nicht sauber in die Form. Ist das Loch zu groß, muss am Rohling unnötig viel gefeilt werden.

9. Gußform Pilker Norwegen.jpg


Für das Gießen muss man sich jetzt nur noch zwei Brettchen in der Größe der Form besorgen. Zwischen diese wird die Silikonform mit Schraubzwingen geklemmt. Doch dazu mehr im nächsten Teil dieser Artikelserie: Gießen von Pilkern

Tipps:

Die folgenden Tipps sollen Euch davor bewahren, dieselben Fehler wie ich zu machen:
  • Das Silikon mit dem Härter sehr gründlich verrühren. Es dauert eine Weile, bis sich der dünnflüssige Härter im Silikon auflöst. Wenn man hier nicht gründlich arbeitet, gibt’s in der fertigen Form Stellen, die nicht ausgehärtet sind.
  • Vor dem ersten Guss die Form unbedingt mehrere Tage ruhen lassen. Auch wenn das Material bereits nach einigen Stunden hart ist, sind die chemischen Prozesse im Material noch nicht abgeschlossen. In dieser Phase hat das Silikon bei weitem noch nicht seine Hitzebeständigkeit erreicht. Wer zu schnell gießt, riskiert, dass die Form durchbrennt.
  • Achtet darauf, dass die Wandstärke der Form mindestens ein Zentimeter beträgt. Das Silikon hat eine relativ schlechte Wärmeleitfähigkeit – sprich, die Hitze wird nur langsam an die Umgebung abgegeben. Sind die Wandstärken zu dünn, erfährt das Material an dieser Stelle eine starke Temperaturbelastung. Dadurch hat man eine kürzere Lebensdauer der Form. Bei Formen für schwere Pilker oder Bleie zum Naturköderangeln sollte man eher dicker arbeiten. Viel Blei bedeutet viel Hitze!
  • Das Muster (Originalpilker) nicht mit Vaseline einschmieren – das Silikon haftet auch so nicht am Blei. Da man die Vaseline nie gleichmäßig aufstreichen kann, würde man eher Schlieren in der Form bekommen und damit falsche Abgüsse.
  • Macht die Passstifte nicht zu dünn, sonst brechen sie leicht ab. Fünf Millimeter sollten sie mindestens messen.
  • Sollten sich bei den ersten Güssen immer an derselben Stelle Luftblasen bilden, muss man ein Entlüftungsloch anbringen. Dazu an der höchsten Stelle der Luftblase mit einem feinen Bastelmesser einen dünnen Kanal in die Form schneiden. Dieses Entlüftungsloch sollte nur rund ein Millimeter Durchmesser haben. So kann die Luft entweichen. Das Blei ist aber zu dickflüssig und kann nicht hindurch.
Im nächsten Teil 2/3 werden wir dann die ersten Pilker mit der selbst gebauten Form gießen.

Viel Spaß beim Basteln

Robert