Angeln bei Potsdam

AW: Angeln bei Potsdam

Hallo,

wie ihr ja wisst, beschäftigt mich das Thema Dreikantmuscheln (Dreissena polymorpha) und die Wassertrübung und die Auswirkung auf die gesamte Nahrungskette in den Gewässern bis hinzu den Zanderbeständen.

Eine Untersuchung aus den USA am Erie Lake zeigt deutlich die Situation vor den Dreikantmuscheln, die Zeit während der Dreikantmuscheln und die Zeit der Dreikantmuscheln mit den Schwarzmundgrundeln.
Die Ergebnisse passen gut zu unseren Gewässern. Vor den Dreikantmuscheln hatten wir sehr gute Nahrungsverhältnisse für alle Fischearten, mit dem Aufkommen der Dreikantmuscheln ein Zusammenbruch der Nahrungskette und klarer werdendes Wasser durch die Filterfunktion der Dreikantmuscheln und schließlich die Reduktion der Zanderbestände.
Mit dem Aufkommen der Schwarzmundgrundeln, wo wir uns gerade befinden, zeigt die Untersuchung eine Zunahme der Zander-und Barschbestände und wieder eine Zunahme der Wassertrübung.
Hier mal zwei Bilder aus der Untersuchung:


Wassertrübung vor der Invasion der Dreikankmuscheln, während der Invasion der Dreikantmuscheln und während der Schwarzmundrundeln und Dreikantmuscheln

Schön zu sehen ist der absolute Klarwasserpeak zur Hochzeit der Invasion der Dreikantmuscheln der mit der Invasion der Schwarzmundgrundeln endet.


Zander-und Barschbestände vor der Dreikantmuschel-Invasion, während der Dreikantmuschel-Invasion und während der Dreikant-Schwarzmundgrundel-Zeit

Schön zu sehen auf dem Bild ist der Bestandseinbruch von Barsch und Zander während der Dreikantmuschel-Invasion und vor allem die Bestandserholung mit der Invasion des ökologischen Gegenspielers der Dreikantmuschel, sprich der Schwarzmundgrundel.
Wer kennt nicht die extremen Klarwasserzeiten der letzten Jahre bei uns in der Havel. Da wir uns nun so langsam aber sicher in die Zeit der Invasion der Schwarzmundgrundeln begeben, bleibt zu hoffen, dass die negativen Folgen der Dreikantmuscheln auf die Zanderbestände so langsam ein Ende haben und die Schwarzmundgrundel damit wieder etwas Gleichgewicht in die Nahrungskette bringt.

Hier kommt der Link zur Untersuchung: https://www.youtube.com/watch?v=3x5oKyFn3CA

Eine sehr spannende Zeit steht bevor. Zumal ich Havelabschnitte mit enormen Grundeldichten kenne, die früher zur alleinigen Dreikantmuschelinvasionszeit ganzjährig klar waren und mittlerweile wieder etwas trüber geworden sind. Und auf diesen Abschnitten habe ich im letzten Herbst sogar vermehrt kleine Zander gefangen, was wiederum die Studie aus den USA bestätigen würde.
Naja, mal sehen wie es sich so weiter entwickelt und was das Jahr 2018 so an Erkenntnisse bringt.

Viele Grüße,

Mario





 

Minimax

Well-Known Member
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Sehr interessant, vielen Dank.
Wie würdest Du die aktuelle Grundelsituation in der Havel beurteilen, vor allem wie schätzt Du ihr weiteres "Durchseuchungs" Potential für Brandenburger Flüsse und Kanäle ein?
 

geomujo

Well-Known Member
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Der Eriesee (einer der 5 großen Seen) ist sicher ein anderes Kaliber als die Havel.
Es mag von Grundsatz her sicherlich schon so sein, dass die DKM einen gewissen Einfluss auf das hiesige Habitatsystem hat. Aber, es liegen gegenüber dem Eriesee meiner Meinung nach doch ganz andere Vorraussetzungen vor, als da wären:
- Stillwassersee gegenüber Flusssystem
- um Größenordnungen andere Tiefen
- morphologisch wie auch die Art des Bodensubstrates könnten die Gewässer unterschiedlicher nicht sein

Und wie es so oft bei invasiven Arten ist. Platzen sie wie von Geisterhand ins System übernehmen die Kontrolle, aber nur für kurze Zeit. Irgendwann haben sich die heimischen Arten angepasst und dann dreht sich der Spieß wieder um. Ich denke, auch in Anbetracht dass die Fischarten allgemein schon etwas länger auf dem Planeten sind als wir Menschen, sie auch mit Fremden Arten (solange es nicht der Mensch ist) auf lange Sicht gut zurecht kommen und mitnichten einen desktuktiven Charakter haben.
Das passiert nur rel. selten - in abgeschlossenen (isolierten) Systemen
sicher häufiger als in einer so heterogenen kontinentalen Welt wie Mitteleuropa.
Der Artenreichtum kann schon ausreichen, damit ein Fremdling abgewehrt wird. Und wenn nur eine der 7 Hechtarten die Grundel effektiv bekämpft hätte sich der Aufwand für den Artenschutz gelohnt - mal als Bsp.

PS: es ist übrigens nicht der Hecht, sondern eine bestimmte Quappenart, die der Grundel gehörig Paroli bietet. Und wo sind die Havel-Quappen?!
 
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Hallo Geo,

als Gewässerökologe habe ich mich in den letzten Jahren mit allen deutsch- und englischsprachigen Studien die es zu Dreikantmuscheln gibt, beschäftigt. Und es zeigen sich immer wieder dieselben Folgen: Extreme Filtrierung und Unterbrechung der Nahrungskette und Bindung der Nährstoffe am Gewässerboden durch Dreissena polymorpha. Mittlerweile zeigen mehrere Studien, dass dieser gehemmte Nährstoffkreislauf durch die Schwarzmundgrundeln wieder aufgebrochen wird und damit das System wieder etwas ins Gleichgewicht kommt. Es spielt keine Rolle ob die Gewässer vergleichbar sind oder nicht, denn die Folgen von Dreissena polymorpha (Dreikantmuschel) sind überall dieselben. Und nur der ökologische Gegenspieler einer invasiven Art kann einen gewissen Ausgleich bringen.

Viele Grüße,

Mario
 

geomujo

Well-Known Member
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Der Gegenspieler sollte aber wenns geht ebenfalls nicht Gebietsfremd sein. Sonst geht das wieder von vorne los.

Wie schauts denn mit den angepriesenen Karpfen als Gegenmittel aus? Ja, auch der ist anfürsich gebietsfremd - aber es gibt ja auch wildlebende Karpfen, die das Klima hier überstehen und sich vermehren. - erstrecht in Zeiten globaler Erwärmung. Und wenns nicht die Karpfen sind - dann vielleicht die Schleien und Bleie? Sollte man da nicht vielleicht über Verordnungen den Schutz der Karpfenartigen fördern? Kann mit bestimmten Besatz dem entgegengewirkt werden?

Fressen nicht Störe auch größere Muscheln, bzw. ist das nicht eigentlich sogar deren Spezialität?!

Klares Wasser hat es solange gegeben, bis der Mensch eingriff - darüber besteht denke ich Konsens. Ist die Hinkehr zum ursprünglichen nicht durch Menschenhand beeinflussten System nicht letztendlich doch die bessere Wahl, auch wenn es über die DMK nicht der gewollte Weg war?
 
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Hallo Geo,

nur ganz kurz wegen wenig zeit:

Klares Wasser zu allen Jahreszeiten ist in natürlichen eutrophen Gewässern nicht natürlich. Da gibt es immer Zeiten mit mehr und weniger Phytoplakton. Lies dich mal ein, wenn Zeit ist, in Phytoplakton / Filtration / food web / dreissena

Viele Grüße
 

esox02

Well-Known Member
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Und jetzt mal was evtl. NEUES die EU hat per Verfügung die Havel zur Barbenregion im Jahr ca 2025 erklärt deswegen wird darauf hingearbeitet das wir als Brassenregion nicht mehr das trübe Wasser bekommen werden. UND SOMIT AUCH KEINE ZANDER der wird dann aussterben in unser Region
 

Norge_Fan

Pure Passion
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Hallo,

wie ihr ja wisst, beschäftigt mich das Thema Dreikantmuscheln (Dreissena polymorpha) und die Wassertrübung und die Auswirkung auf die gesamte Nahrungskette in den Gewässern bis hinzu den Zanderbeständen ...
Schöner Beitrag, gern mehr dazu und allgemein gern mehr Beiträge dieser Art ...

Ich finde auch, dass das Wasser streckenweise trüber geworden ist. Es ist natürlich offen, ob das etwas mit den Grundeln zu tun hat. Wir hatten ja reichlich Niederschläge und Temperaturschwankungen, die Wassertrübungen verursachen. Im Caputher Gemünde am Ausgang zum Schwielowsee konnte ich tatsächlich einen überraschend starken Rückgang der Muscheln beobachten. Im letzten Frühjahr waren dort riesige Muschelfelder. Nunmehr ist dort bis auf einige Schalenreste nichts mehr zu sehen, die Muscheln scheinen verschwunden. Es ist unklar, ob das ein jahreszeitlicher Effekt ist, ob die vielen Vögel dort über den Winter am Werk waren oder ob hier tatsächlich Grundeln eingegriffen haben. Vermutlich von allem etwas.

Mich würde auch mal interessieren, wie die kleinen Grundeln die harten Muscheln eigentlich fressen. Irgendwie müssen die die ja vom Boden lösen und knacken.
 

geomujo

Well-Known Member
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... wofür doch der Zander eigentlich prädestiniert ist ...
 

DrDosenbier

Gumminovize
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Wenn ich jetzt für den Havelkanal spreche, kann ich das mit dem klaren Wasser bestätigen. Sowohl die Grundel, als auch die Dreikantmuschel ist hier vorhanden. Letztere findet man in den Bäuchen der Plötzen, welche wiederum, nach meinem Dafürhalten, gute Größen erreicht haben. Auch die Barsche sind überdurchschnittlich was sicher an den Grundelbeständen, aber auch an den Massen an Ukeleien liegt. Ich konnte am Wochenende Schwärme von mehreren tausend Individuen durch die Polbrille beobachten. Offenbar haben diese wiederum von den Massen an Mücken(Larven) im letzten Jahr profitiert.

Was wiederum auffällig war im letzten Jahr; kein Brassen über 30 cm und keinen einzigen Giebel beim Feedern.

Ich geh davon aus, dass Hecht und Barsch von der Entwicklung profitieren werden. Große Welse, die (noch klein) auch langsam den Kanal Richtung Schönwalde hochkommen, dürfte es auch in ein paar Jahren hier geben.

Gruß

Dose
 

geomujo

Well-Known Member
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Na rein physiologisch dürfte es dem Zander doch nicht allzuschwer fallen Lebewesen mit Exoskelett zu verspeisen?! Soweit ich informiert bin ist der Zander ein Krebsliebhaber. Da ist der Schritt zu den Mollusken vielleicht nicht allzugroß - oder doch?

Die Grundel wird sich sicherlich nicht direkt an der Muschel vergreifen - wie soll das auch gehen. Die werden sich doch eher an dem Laich vergreifen wie bei den Fischen vermut ich mal ganz stark.
 
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Die Grundel wird sich sicherlich nicht direkt an der Muschel vergreifen
Hallo Geo,

oh doch, die Schwarzmundgrundeln ernähren sich sogar sehr stark von den Dreikantmuscheln. Hier mal ein Link zu einer Studie und ein Abstract:

Link: https://link.springer.com/article/10.1023/A:1007379220052

Abstract:

Predation of zebra mussels by round gobies, Neogobius melanostomus

Preliminary gut analysis of a recent Great Lakes invader, the round goby, Neogobius melanostomus (7.0–8.4 cm), collected from the Detroit River, showed that they ate zebra mussels (58%), snails (6%), and other invertebrates (36%), including aquatic insects (Hexagenia), softshelled crayfish, and zooplankton. Because zebra mussels, Dreissena polymorpha, predominated as prey, we investigated the ability of round gobies to consume different size classes of zebra mussels. In laboratory experiments, we examined feeding preferences of three size classes of round gobies (5.5–6.9 cm; 7.0–8.4 cm; 8.5–10.3 cm standard length) on four different size classes of zebra mussels (6.0–9.9 mm, 10.0–12.9 mm, 13.0–15.9 mm, 16.0–18.9 mm). All sizes of round gobies ate zebra mussels < 10.0 mm. Only the largest size class of round gobies ate larger zebra mussels (10.0–12.9 mm) when all prey sizes were presented. The association between the total mass of zebra mussels available and the amount consumed by round gobies increased positively up to about 6.5 g of available mussels and then levelled off. Round gobies consumed an average of 1.0 g of mussels in 24 h. There was a significant positive relationship between gape size and standard length of round gobies. Although larger round gobies (over the size range of fish in our study) are able to consume larger zebra mussels, small mussels were preferred. Our findings suggest that the preference of small zebra mussels by round gobies has the potential to alter the size structure of zebra mussel populations.
 

Fishmap

Member
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Moin Moin in die Runde.

Da ich seit einigen Jahre neben dem Fischen auch regelmäßig in der Havel tauchen bin, kann ich euch nur feststellen dass ich bisher noch keine Änderung der Sichtigkiet, zumindest für die Jahreszeit Nov. -April feststellen konnt. Einzig eine trübung kurz nachdem das Eis taut und nach heftigen Wetterumschwung lässt sich das feststellen. Im Normalfall bewegt sich die Sichtweite immer zwischen 6-8m horizontal. Schwarzmundgundel konnte ich im Bereich Zern-, Schwielow und Glindower- See trotz sehr große Dreikantmuschelbänken nicht sichten. Wollhandkrabben aber sehr wohl.

Gruß Ronny
 

geomujo

Well-Known Member
AW: Angeln bei Potsdam

Noch mehr Zanderfutter :) In der Elbe, wo sie ja tw. zur Plage wurden haben sich die Welse sehr gut draufeingestellt. Wie zu lesen war stopfen die sich den Bauch voll bis sie nicht mehr können.

Invasive Arten hin oder her - ob das wirklich nachhaltig ist - da hat unsere heimische Fauna durchaus ein Wörtchen mitzureden mein ich.
 

Windelwilli

Schönwetterangler
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Vorhin beim Lidl gesehen.
Was nicht alles in unserer Gegend rum schwimmt......


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geomujo

Well-Known Member
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Die eigentliche Schweinerei liegt eine Packung drunter:
"ohne Haut - aufgetaut" - also nix mit einfrieren! Das machen die aber auch mit Grillfleisch vom Paarhufer.
Die geografische Herkunft hinter einem Barcode zu verstecken, bei dem das Produkt eine geografische Zuordnung im Produktnamen suggeriert dürfte die Verbraucherschutzbehörde auf den Plan rufen. Das ist bewusste Irreführung, wenn nicht gar Täuschung.
 
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