Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

TeeHawk

Active Member
Hallo!

ich habe in den letzten Monaten mit Besorgnis beobachtet, wie sich Politik, Wirtschaft und die Angler-Interessenvertreter bzgl. der Freizeitfischerei verhalten. Meine Erkenntnisse würde ich gerne mit Euch teilen und Eure Meinungen dazu lesen.

Das Angeln auf Seebrücken ist beschränkt oder sogar ganz verboten:

Wie kann es sein, dass man eine Gruppe von Bürgern von der Nutzung der Seebrücken ausschließen oder beschränken kann? Alle Seebrücken in Deutschland wurden mit Fördermitteln erstellt (bis auf die in Heringsdorf) und sind öffentliche Plätze, die die Allgemeinheit nutzen darf. Wenn also jeder Steuerzahler für die Seebrücken bezahlt hat und weiterhin zahlt, dann müsste er doch auch das Recht haben die Brücke jederzeit nutzen zu können. Es ist doch keine private Brücke, sondern gehört letzten Endes dem deutschen Volk. Ob ich von der Brücke aus Fische fange, dort spazieren gehe, auf einer Bank mein Mittagessen verzehre oder fotografiere müsste eigentlich unerheblich sein, solange ich dort nicht Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten begehe.
Denn die Argumente für die Beschränkung oder sogar das Verbot von Anglern ist immer wieder die mögliche Beschädigung/Verschmutzung der Brücke und die mögliche Gefährdung Dritter durch mein Fanggerät.
Aber genau dieses würde doch z.B. innerhalb eines Ortes z.B. auf dem Gehweg von Ordnungsamt/Polizei entsprechend geahndet werden und man würde auch die Beseitigung des Schadens/der Verschmutzung dem Verursacher in Rechnung stellen. Warum also nicht auf Seebrücken?
Auch auf der Straße bin ich mit meinem Auto/Fahrrad doch ein ständiger Gefährder aller anderen Verkehrsteilnehmer. Gilt hier anderes Recht???

Diese Beschränkungen/Verbote sind aus meiner Sicht klare Verstöße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz § 1 Ziel des Gesetzes, Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen. § 2 Anwendungsbereich, 8. den Zugang zu und die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, einschließlich von Wohnraum.
Im weitesten Sinne verstehe ich das so, dass ich mich also als Angler schlichtweg diskriminiert fühlen kann!

Noch schlimmer: Die Fördermittel sind doch gerade daran gebunden, dass sie nicht für Dinge genutzt werden dürfen, die Personengruppen diskriminieren. Gehen die Gemeinden, die die Verbote oder Beschränkungen aussprechen, nicht das Risiko ein, dass sie die Fördermittel wieder zurückzahlen müssen?

Wenn ich auf der Seebrücke das Geländer durch die immer wieder beobachteten eingeschnitzten Kerben beschädige, dann gehöre ich dafür bestraft und muss für die Beseitigung des Schadens aufkommen.
Wenn ich die Seebrücke z.B. durch das Schlachten von Fisch verschmutze, dann gehöre ich dafür bestraft und muss für die Beseitigung der Verschmutzung aufkommen.
Und auch wenn ich auf der Seebrücke jemand anderen mit meinem Fanggerät verletzte, dann gehöre ich dafür bestraft und muss für die beigebrachte Verletzung ein Schmerzensgeld o.ä. zahlen.

Ich frage mich also: Warum hat noch kein Anglerverein oder -verband gegen diese Verbote/Beschränkungen geklagt?


Dorschbestände in der Nord- und Ostsee, Berufsfischer gg. Freizeitfischer:

Seit 2017 gibt es das sogenannte Bag-Limit von 3 bzw. 5 maßigen Fischen pro Tag und Angler. Begründet wurde es durch die Aussagen eines Thünen-Instituts in Rostock, dass vorrechnete, dass die Freizeitangler so viel Dorsche entnehmen, dass sie der Berufsfischer ebenbürtig sind. Durch das Bag-Limit für Freizeitfischer wurde die geplante Fangquote für die Berufsfischerei verdreifacht! Der Leiter genau dieses Thünen-Institut Rostock ist Vorsitzender (2011-2016) des Technischen Beratenden Gremiums des Marine Stewardship Councils (MSC-Siegel) für nachhaltige Fischerei gewesen und Mitglied des Aufsichtsrates. Ich frage mich also, inwiefern profitiert das Thünen-Institut oder sogar dieser Leiter davon, dass mehr Dorsch von der Berufsfischerei in 2017 gefangen werden durfte, als eigentlich geplant. Und das mit dem MSC-Siegel Geld verdient wird, ist wohl unstrittig...

2015 war der Umsatz der Berufsfischerei mit gefangenem Dorsch aus der Nord- und Ostsee auch nicht viel höher als der Umsatz der deutschen Angelkutter. Da die Quote für die Berufsfischerei seitdem nach unten korrigiert wurde, kann man also davon ausgehen, dass ohne Bag-Limit der Umsatz der Angelkutter, den der Berufsfischerei sogar deutlich überholt hätte! In der Berufsfischerei arbeiten deutlich weniger Menschen, als die Anzahl, die von den Kuttertouren lebt oder leider muss man ja inzwischen sagen: lebte.
Die Fangmethoden der Berufsfischerei sind äußerst effektiv, radikal und unterliegen nicht der Auflage den Fisch direkt nach dem Fang waidgerecht zu töten. Fischen mit dem Schleppnetz und das Umrunden eines Schwarms mit einem Netz und absaugen der gefangenen Fische mit einer Art Riesenstaubsauger sind nur zwei Beispiele dafür.
Die Fangmethoden der Freizeitfischer sind dagegen ineffizient, absolut schonend und das waidgerechte Töten der Fische ist Gesetz.
Und ich glaube keiner denkt wirklich, dass die Freizeitangler den Dorschbestand mit Ihren Fangmethoden dezimiert haben, sondern die Vermutung doch sehr nahe liegt, dass einzig und allein die Berufsfischerei dafür verantwortlich ist.

Ich frage mich also: Warum wird diese kostbare natürliche Ressource Dorsch von der Berufsfischerei verramscht und nicht der kommerzielle Fang von Nord- und Ostsee-Dorsch einfach verboten und nur noch der Fang durch Freizeitfischer erlaubt. Alle Berufsfischer könnten ihre Schiffe für Angeltouren umrüsten und es würde aller Wahrscheinlichkeit nach, mehr Umsatz gemacht werden, obwohl viel weniger Dorsch entnommen wird. Schluss mit der Entnahme von nicht-laichfähigen Dorsch.
 

Testudo

Schützer und Nutzer
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Auf welche Seebrücke bezieht sich deine Frage denn? Ich angel öfter auf Seebrücken und immer Regelkonform.
 

TeeHawk

Active Member
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Auf alle Seebrücken auf denen man zeitlich oder örtlich beschränkt oder gar nicht Angeln darf. Z.B. Graal-Müritz, Wustrow, Zingst.
 

Testudo

Schützer und Nutzer
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Es gibt zig Sachen, die mit öffentlichen Geldern gebaut werden und die dennoch nicht jedem Bürger zur Verfügung stehen.

Im Hochsommer möchte ich nicht zwischen den Touristen stehen und auswerfen müssen. Ich vermisse das nicht und freue mich über die Zeiten, zu denen Angeln erlaubt ist.
 

scripophix

Einer vom Team Lübecker Angler
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Alle gefährdenden Tätigkeiten sind dort untersagt, also Fahrrad fahren, skatern, schießen, fechten, Ball spielen, .... und eben auch angeln, da Angler beim Auswerfen die Seebrückennutzer gefährden.

Und das tun sie gehörig, keine Frage. Deshalb finde ich die sommerlichen Angelverbote durchaus gerechtfertigt.
 

TeeHawk

Active Member
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

D.h. der kurze Moment beim Auswerfen der Angel ist für Dich so gefährlich, dass er verboten gehört?
Ich bin da anderer Meinung und komme da auf mein Beispiel mit dem Auto fahren zurück. Ich denke die potentielle Gefahr die ein Auto z.B. für Fußgänger bei erlaubten 50 km/h auf der Straße darstellt, ist deutlich höher, als die, das ich beim Auswerfen einen anderen Menschen verletze.
 

Testudo

Schützer und Nutzer
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Wow ein Jahr hier angemeldet und das sind deine ersten Posts?

Manchmal wüsste ich gern wer hinter solchen Accounts wirklich steckt.
 

Dachfeger

Persona non grata
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

D.h. der kurze Moment beim Auswerfen der Angel ist für Dich so gefährlich, dass er verboten gehört?
Ich bin da anderer Meinung und komme da auf mein Beispiel mit dem Auto fahren zurück. Ich denke die potentielle Gefahr die ein Auto z.B. für Fußgänger bei erlaubten 50 km/h auf der Straße darstellt, ist deutlich höher, als die, das ich beim Auswerfen einen anderen Menschen verletze.
Nicht der kurze Moment ist entscheidend, sonder derjenige welcher der die Rute schwingt.
Nasenbären gibt es überall(siehe Rügendamm).
War doch schon immer so. Einige wenige beratungsresitente sorgen dafür das es alle trifft(Verbote).
 

hans albers

rollin rollin rollin
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

yap,

leider gibt es immer ein paar pappnasen, die sich daneben benehmen,
und das fällt dann auf die anderen zurück.

bei den paar seebrücken , die ich kenne,
ist das angeln meist zur sommerzeit (juni-sept.) eingeschränkt bzw. verboten,
was ich auch verstehen kann, denn brandungszeit ist meist herbst
und und dann wieder im frühjahr,
da hat man denn auch mehr vor "fragenden touris" seine ruhe :)
im sommer ist die brücke meist knallvoll.

bagaluten habe ich dort schon oft getroffen, aber auch das gegenteil mit
ordentlichen angelkollegen und nettem plausch.

im übrigen fangen freizeitangler eben auch ihren teil fisch,
und deswegen ist eine beschränkung bei niedrigen beständen auch sinnvoll.
(berufsfischerqoute wurde letztes jahr auch gesenkt, leider nicht in erforderlichem maße, was mehr als ärgerlich ist.)
 

50er-Jäger

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AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Hallo!

ich habe in den letzten Monaten mit Besorgnis beobachtet, wie sich Politik, Wirtschaft und die Angler-Interessenvertreter bzgl. der Freizeitfischerei verhalten. Meine Erkenntnisse würde ich gerne mit Euch teilen und Eure Meinungen dazu lesen.

Das Angeln auf Seebrücken ist beschränkt oder sogar ganz verboten:

Wie kann es sein, dass man eine Gruppe von Bürgern von der Nutzung der Seebrücken ausschließen oder beschränken kann? .
Das kann zb deswegen sein weil manche meinen mit dem Messer Kerben ins Geländer schnitzen zu müssen damit die Angeln besser stehen, oder die Fische auf den Planken ausnehmen müssen und es danach aussieht als hätte man ein totes Schwein dort liegen lassen....

Es gibt so viele Bereiche wo geangelt werden durfte-an den Verboten sind meist die Angler selbst Schuld.
 

hans albers

rollin rollin rollin
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

kannst dich ja gerne im sommer auf ne volle seebrücke stellen,

viel spass dabei...!

und ja, ich hinterlasse meinen angelplatz nicht wie einen saustall,
aber das nur nebenbei.
 

Grünknochen

Natur schützender Angler
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Ok, von mir aus möge man sich über Angelverbote auf der Brücke X oder Y unterhalten.
Der Rest ( Baglimit etc.) ist für mich völlig unerfindlich. Selbst dem Themenersteller sollte aufgefallen sein, dass diese Dinge im AB seit Jahren unter verschiedenen Überschriften über unendlich viele Beiträge hoch und runter diskutiert wurden und werden. Wäre also irgendwie naheliegend, sich dort zu beteiligen, zumindest aber einzulesen. Im Übrigen glaube ich nicht, dass die diversen einschlägig engagierten User Bock darauf haben, ihre vielfältigen Beiträge wiederkäuend unter diesem Trööt nochmals zum besten zu geben.
Wo also liegt der Sinn (die Brücke mal ausgeschlossen)? Vielleicht gibt's ja ne halbwegs schlüssige Erklärung. Baglimit reloaded. Schon bei Matrix hat das nicht hingehauen...
 
Zuletzt bearbeitet:

rippi

Pokemon-Trainer
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

[...]
Fahrrad fahren, Bogenschießen, Skaten, Kiten und Frisbees werfen auf der Brücke sind natürlich auch verboten, weil es mal jemand übertrieben hat. Immer wieder bestechende Logik.
Das ist der schlechteste Vergleich den ich jemals lesen musste. Welchen Zusammenhang hat das mit Angeln?


P.S: Auch springen von der Brücke ist verboten.:vik:
 

kati48268

nicht mehr heimatlos
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Immer wieder lustig, ein Forum voller ehrenwerter und gänzlich unbescholtener Bürger, die immer unter den Verfehlungen anderer leiden müssen. Selber ist man selbstverständlich nie die Pappnase.
Dieser Reflex ist zwar bei allen Themen zu beobachten,
scheint mir bei Anglern aber besonders ausgeprägt zu sein.

Da gab es doch hier im Board so einen schönen Bericht,
eine Statistik über Vergehen in einem Bundesland,
die pöööhsen Gastangler überraschend gegen null,
aber die Einheimischen machte die Tabelle voll.
Was natürlich auch logisch ist, denn wo bricht man am ehesten die Regeln?
>Da wo man sich auskennt und glaubt nicht erwischt zu werden.
 

Testudo

Schützer und Nutzer
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Ja, man könnte auch darauf hinweisen, das eine Seebrücke in der Regel ein Schiffanleger ist, ein Ort, an dem sich zur Saison hunderte von Leute aufhalten..........das es einen Eigentümer gibt, der über sein Eigentum und dessen Nutzung entscheidet.....

Aber manchmal ist das eben auch zu unnötig, da man davon ausgehen kann, das der TO nur auf Krawall aus ist.

Er sprach von Erkenntnissen, ich finde keine, also können sie mich nicht überzeugen.
 

Grünknochen

Natur schützender Angler
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Ich glaube, Du täuschst Dich.
Auf abstrakterer Ebene geht es im Straßenrecht um die Abgrenzung zwischen Gemeinnutzung (im Rahmen des bestimmungsgemäßen Gebrauchs) und Sondernutzung. Insoweit sind die genannten Fallgruppen unabhängig vom Einzelfall durchaus geeignete Fallbeispiele.
 

rippi

Pokemon-Trainer
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Den Vergleich habe ich mir nicht ausgedacht, der stammt von einem Vorredner aber eine ganzes Thema lesen bevor man sich äußert scheint inzwischen nicht mehr angesagt.
Nichts desto trotz sind so manche Regeln einfach sinnvoll, nicht mehr und nicht weniger.
Hää, der Vergleich stammt von dir? Vorher hatte doch niemand andere Brückenaktivitäten genannt?
 

rippi

Pokemon-Trainer
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Ich beziehe mich nicht auf die Gefährdung, sondern auf die Tatsache, dass du verglichen hast, dass diese Tätigkeiten genauso wie das angeln von vornherein verboten war. Dem ist bei einen Großteil der Seebrücken nicht so, sondern das Angeln wurde aufgrund von Verfehlungen der Angler verboten.

Wir reden aneinander vorbei oder?
 

rippi

Pokemon-Trainer
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Gibt genug Brücken bei denen ganzjähriges Angelverbot besteht.
 

TeeHawk

Active Member
AW: Bag-Limit für Dorsch und Verbote für Angler

Ok, von mir aus möge man sich über Angelverbote auf der Brücke X oder Y unterhalten.
Der Rest ( Baglimit etc.) ist für mich völlig unerfindlich. Selbst dem Themenersteller sollte aufgefallen sein, dass diese Dinge im AB seit Jahren unter verschiedenen Überschriften über unendlich viele Beiträge hoch und runter diskutiert wurden und werden. Wäre also irgendwie naheliegend, sich dort zu beteiligen, zumindest aber einzulesen. Im Übrigen glaube ich nicht, dass die diversen einschlägig engagierten User Bock darauf haben, ihre vielfältigen Beiträge wiederkäuend unter diesem Trööt nochmals zum besten zu geben.
Wo also liegt der Sinn (die Brücke mal ausgeschlossen)? Vielleicht gibt's ja ne halbwegs schlüssige Erklärung. Baglimit reloaded. Schon bei Matrix hat das nicht hingehauen...
Sorry, das dich nicht interessiert, was andere denken oder von den vielen Diskussionen über "Baglimit etc." für sich als Betroffener mitgenommen haben bzw. selbst für eine Meinung gebildet haben.

Ich finde z.B. sehr interessant, wie man durch einfache Recherche im Internet den Zusammenhang zwischen Bag-Limit - Thünen-Institut - MSC - zeitgleichen Leiter des Thünen-Instituts und Vorstand des MSC herstellen kann und dann eins und eins zusammenzählt. Die Presse scheint diese Zusammenhänge jedenfalls nicht zu erkennen...
 
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