Claes Claesson im Portrait

Dieses Thema im Forum "Anglerlatein und Sonstiges!" wurde erstellt von Georg Baumann, 5. September 2019.

By Georg Baumann on 5. September 2019 um 11:57 Uhr
  1. Georg Baumann

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    Claes Claesson ist einer berühmtesten Jerkbait Bauer der Welt. Seine Kunstköder -Marke „Svartzonker“ ist in aller Munde. Trotzdem ist der sympathische Schwede auf dem Boden geblieben.
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    An die Bodden kommt Claes schon viele Jahre. Mit dem Team Bodden Angeln organisiert er jedes Jahr ein "Big Bait Treffen"

    Claes Claesson hat die seltene Gabe, seinem Gegenüber das Gefühl zu vermitteln, dass dieser zumindest in diesem Moment der wichtigste Mensch auf Erden ist. Ich treffe den 45 Jahre alten Schweden an einem dunklen, verregneten Novemberabend in einer Gaststätte auf Rügen. Er sieht aus wie einem stylischen Outdoor-Magazin entsprungen und würde auch bestens in ein hippes Café im Prenzlauer Berg passen: groß und schlank mit freundlichen, braunen Augen und einem gewinnenden Lächeln. Natürlich dürfen der obligatorische Dreitagebart und Tätowierungen nicht fehlen. Von letzteren sehe ich zwar nur jeweils ein rundes Tattoo auf den Innenflächen seiner Hände. Doch von Internet-Fotos weiß ich, dass Claes’ Oberkörper reich geschmückt ist. Ein Rockstar der Angelszene, der mit seinem Label „Svartzonker“ zu den berühmtesten Köderbauern weltweit zählt.


    Nicht nur dicke Fische

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    Hoch konzentriert: Bei aller Geschäftstüchtigkeit ist Claes vor allem ein begeisterter Angler

    Auf Rügen betreute er ein mehrtägiges Hechtseminar mit rund 20 Teilnehmern, auf dem seine Svartzonker-Köder vorgestellt und gefischt wurden. Claes war von morgens bis abends auf dem Wasser, hielt Vorträge und stand rund um die Uhr für Fragen zur Verfügung. Jetzt ist er hundemüde und müsste eigentlich die aufgelaufenen Emails mehrerer Tage beantworten. Doch als er mich sieht, klappt er sofort seinen Laptop zu, begrüßt mich, als seien wir alte Bekannte und beginnt ein angeregtes Gespräch. Was mir sofort auffällt: Claes spricht nicht nur übers Angeln. Er erkundigt sich, wie’s mir geht, ob ich Familie habe und was ich sonst noch so treibe. Das ist ungewöhnlich in einer Szene, in der es oft nur darum geht, wer wann welchen Fisch gefangen hat. Claes ist zwar durch und durch angelverrückt, aber die Angelei ist für ihn nicht alles. „Wir heilen keine Krankheiten und wir beenden keine Kriege“, sagt er. „Wir gehen nur leidenschaftlich gerne angeln. Nicht mehr und nicht weniger.“ So spricht jemand, der im Leben mehr gesehen hat als dicke Fische.

    Charmanter Gesprächspartner

    Ich hatte vorab viel über Claes gelesen, Youtube-Filme angeschaut und seine Facebook-Posts verfolgt. Obwohl er auch dort sehr offenherzig über sich und sein Leben Auskunft gibt, konnte ich mir kein rechtes Bild machen. Wann wird die Person zur Marke? Was ist echt, was Inszenierung? Auch an diesem Abend bin ich mir nicht sicher. Im Gespräch wirkt Claes sehr nahbar. So, als unterhalte er sich mit einem Freund, dem er persönliche Dinge anvertraut. Das ist natürlich Quatsch, schließlich sehen wir uns zum ersten Mal. Die meisten seiner Geschichten kenne ich bereits, sie fehlen in keinem Interview mit Claes: Dass er mit dem Fußballidol Zlatan Ibrahimovic befreundet ist und gemeinsam mit ihm angeln geht. Dass er in Schweden eine eigene Fernsehsendung hat und selbst ziemlich berühmt ist. Dass er sich aus schwierigen Verhältnissen hochgearbeitet hat. Trotzdem fühle ich mich geschmeichelt. Claes versteht es, eine vertraute Atmosphäre zu schaffen. Er ist nicht aufdringlich. Ich unterhalte mich gerne mit ihm.

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    Perfekte Inszenierung: In Schweden hat Claes bis heute Kochshows im TV

    Am nächsten Morgen starten wir auf die Bodden. Claes ist immer noch so müde, dass er mit dem Boot direkt vorm Hafen Schaprode auf das ihm eigentlich bestens bekannte Steinfeld rauscht. Am Abend wird sich rausstellen, dass der Propeller getauscht werden muss, aber das Boot fährt und so setzen wir unsere Tour fort. Schnell ist die vertraute Stimmung des Vorabends wieder da. Claes erzählt wie beiläufig die Geschichte von „Svartzonker“, die auch die Geschichte seines Lebens ist.

    Die Svartzonker-Story


    Bevor er professioneller Köderbauer wurde, betrieb er Restaurants in Stockholm. So erfolgreich, dass er sogar eine eigene Kochshow im Fernsehen bekam. Die kam dermaßen gut an, dass Claes bis heute mit eigenen Sendungen im schwedischen TV präsent ist. In seinem Heimatland kennt ihn so gut wie jeder, er ist eine Berühmtheit. „Aber ich kam an einen Punkt, an dem ich nicht mehr so weitermachen konnte“, sagt Claes. „In meiner Familiengeschichte spielt Alkohol eine traurige Rolle. Wegen der enormen Arbeitsbelastung stand auch ich kurz vorm Absturz.“ Also zog Claes die Notbremse und wurde Lehrer. Er unterrichtete benachteiligte Jugendliche im Kochen. „Das war wirklich erfüllend und hat mir mindestens genauso geholfen wie meinen Schülern“.

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    "Alkohol spielt in meiner Familiengeschichte eine traurige Rolle", sagt Claes. Auch er selbst stand kurz vorm Absturz.


    Produktion in Korea


    Während dieser Zeit intensivierte er seine Leidenschaft – den Köderbau. Tagsüber war er Lehrer, abends und nachts baute er Jerkbaits. „Die Nachfrage wurde immer größer“, sagt Claes. „Am Schluss habe ich rund 3.000 Köder im Jahr per Hand gebaut.“ Inzwischen war aus dem Hobby ein zweiter Beruf geworden. Sein Jerkbait „McTail“ gewann mehrere Jahre hintereinander das größte Hechtturnier Schwedens und die Nachfrage ging durch die Decke. Claes arbeitete gefühlte 24 Stunden am Tag. Seinen Lehrerjob und den Köderbau bekam er nicht länger unter eine Decke. Eine Entscheidung musste her. Claes ging ein hohes Risiko ein. Über das Internet fand er eine Firma in Korea, die in der Lage schien, seine Köder in Serie herzustellen. Per Paypal überwies er seine gesamten Ersparnisse und hoffte, nicht betrogen zu werden. „Ich konnte es mir nicht leisten, nach Korea zu fliegen, um mir vor Ort ein Bild der Lage zu machen“, erzählt Claes. „Ich musste einfach Vertrauen haben.“

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    Natürlich sprüht Claes nicht jeden Köder selbst - inzwischen wird in den USA und in Fernost produziert

    Er wurde nicht enttäuscht. Einige Monate später hielt er die ersten Muster in der Hand und kurz darauf lief die Produktion an. Seitdem wächst seine Firma ständig. Weitere Modelle kamen dazu. Neben Jerkbaits stieg er in die Softbait-Produktion ein. Außerdem entwickelte er mit der weltbekannten Firma Abu Garcia einige Köder und Ruten, die ebenfalls unter dem Svartzonker-Label verkauft werden. Es läuft gut.

    Perfekte Selbtsvermarktung

    Doch was treibt ihn an? „Mein Ziel ist es nicht, Millionär zu werden“, sagt Claes. „Aber ich will meinen Kindern eine gut gehende, solide Firma hinterlassen.“ Dafür arbeitet er hart. Als ich ihn treffe, hat er seine Familie bereits mehrere Wochen nicht gesehen. Er war in den USA, hat dort Promotion für seine Köder gemacht. Das nennt er selbst nicht so. Er sagt, er habe Freunde getroffen. Gleichgesinnte, mit denen er angeln gegangen ist. Nebenbei sind dabei Youtube-Filme und Artikel für Zeitschriften entstanden, die dazu beitragen, dass Svartzonker nun auch in Amerika nicht mehr unbekannt ist. In einem Interview mit einer schwedischen Zeitung sagte Claes, dass er der schlechteste Verkäufer sei, den man sich nur vorstellen könne. Ich bin ich mir nicht sicher, ob das die koketteste Untertreibung der Welt ist oder ob er tatsächlich so naiv ist und glaubt, was er da sagt. Ich habe erlebt, wie geschickt er seine Stories platziert und mit wie viel Charme er seine Gesprächspartner für sich gewinnt. Er beherrscht die Klaviatur der Selbstinszenierung perfekt. Besser kann man Marketing in Zeiten von Social Media, in der alle nach Geschichten und nach der so viel beschworenen Authentizität gieren, nicht betreiben. Normalerweise stört mich so etwas, da es schnell aufgesetzt und damit aufdringlich wirkt. Bei Claes ist es mir egal, weil er es mich im Gespräch vergessen lässt. Mit ihm habe ich einen sehr schönen, kurzweiligen Angeltag verbracht. Und das, obwohl wir ausnahmsweise schlecht fingen und insgesamt nur zwei Hechte überlisteten. Claes ist ein sehr angenehmer Mensch, mit dem man gerne Zeit verbringt.

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    Bevor ein Köder die Marktreife erlangt, müssen viele, viele Prototypen gebaut werden

    INFO: Der schwarze Onkel
    „Svartzonker“ bedeutet „Schwarzer Onkel“ und ist ein Fliegenmuster für die Angelei auf Meerforelle. Bevor Claes vollends dem Hecht verfiel, war er fast jeden Tag mit der Fliegenrute unterwegs. Meist fischte er die „Svartzonker“ und schnell hatte er bei seinen Kumpels den Spitznamen weg. 2008 machte er seinen Spitznamen dann auch zum Namen seiner Firma. Das Label „Svartzonker“ war geboren.
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    Der "schwarze Onkel" sieht gar nicht so böse aus, wie der Name klingt. Svartzonker ist ja auch nur sein Spitzname

    INFO: Der Mc Tail


    Die Svartzonker-Geschichte begann Anfang der 2000er Jahre. Claes war davon besessen, den perfekten Jerkbait zu bauen. Täglich übte er Airbrush-Techniken und baute Köder aus Holz. Schließlich hatte einen Glider geschaffen, mit dessen Lauf er zufrieden war. Das wichtigste: Der Köder fing viele, viele Hechte. Das Modell benannte er nach den Anfangsbuchstaben seiner Töchter: Mio, Clary-My und Tin Tin. Der MCT war der erste Glider, den Claes an Angelläden in Schweden verkaufte.
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    Das Bild sagt viel darüber aus, wie Claes sich sieht. Für ihn ist Köderbau Kunst

    Im Laufe der Zeit ergänzte er den Köder um einen Gummischwanz. Was sich einfach anhört, war ein langer Prozess, in dem immer wieder die Form des Gliders angepasst werden musste. Dieser Tailbait gewann 2008 ein wichtiges Turnier in Schweden und die Nachfrage stieg enorm. Ein Freund empfahl Claes, den Namen des Köder zu ändern – der Tailbait war geboren. Heute wird er aus ABS-Kunstoff in den USA hergestellt.
     

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