Fischsterben im Hellbach

Testudo

Schützer und Nutzer
Eine härtere Bestrafung fände ich auch gut, andererseits kann man den Bauern auch helfen, indem die Entsorgung von überschüssiger Gülle vereinfacht wird oder indem man sicherer gebaute Behälter subventioniert.
Solche Subventionen fände ich nicht gut, sie würden das falsche Verhalten zementiert und nicht das Problem an der Wurzel packen.

Warum überhaupt solche Betriebe in Gewässernähe und warum nicht mit entsprechenden Sicherungen, wie Auffangbecken?

Wenn ich einen Öltank installieren möchte, muss ich dafür auch eine Wanne bauen,und wenn dann was passiert, ziehen sie mich oder meine Versicherung zur Haftung heran und das ohne Rücksicht auf mein wirtschaftliches Überleben.

Sobald es aber um einen Gewerbebetrieb geht, sieht die Sache ganz anders aus. Hier in dem Fall ist wohl ein italienischer Mitarbeiter als Schuldiger ausgemacht worden, und der ist bereits aufür der Flucht und nicht auffindbar.

Das geht aus wie das Hornberger Schießen.

Für jeden Mist zur Steigerung der Produktivität ist Geld da, an deren Ende haben immer weniger Menschen Arbeit und auf die Natur ist geschissen.

Ich hatte dazu in einem anderen Forum etwas geschrieben, das ich hier als Zitat einfüge:

"Es werden Lebensmittel im Überfluss produziert und zu einem beeindruckenden Teil werden diese hochwertigen Erzeugnisse einfach entsorgt. Die Händler verdienen dennoch gut daran, aber die Einaufspreise werden gedrückt.

Das was über bleibt holt Refood samt Plastikverpackung, wird geschreddert und kommt dann samt Kunststoffreste wieder auf die Felder, die nach dieser Düngung optisch kaum noch von einer Müllhalde zu unterscheiden sind.

Das hätte früher ein Bauer kaum gemacht, aber seit die einen Investoren damit gutes Geld verdienen mit Ackerland zu spekulieren und die anderen Investoren ihr Geld in Biogasanlagen stecken fehlt es einfach an dem kritischen Moment. Da zählt nur noch die Rendite."

Ich habe wenig Zutrauen, das diese Ausbeutung der Umwelt sich noch lange fortführen lässt und noch größer sind meine Zweifel, das der Mensch bereit ist sein Verhalten zu ändern.
 

Minimax

Well-Known Member
Eigentlich kommt es ja andauernd zu solchen Vorfällen, wobei der "Schuldige" zumeist auch schnell ermittelt wird.
... es wird der letzte Trottel im Betrieb vor geschickt, der dies dann angeblich verursacht hat.
Hier in dem Fall ist wohl ein italienischer Mitarbeiter als Schuldiger ausgemacht worden, und der ist bereits aufür der Flucht und nicht auffindbar.
Wenns nicht so bitter wär... Manchmal glaube ich, wir leben in South Park.
 

zanderhunter-nz

Active Member
Da ich ursprünglich aus dieser Gegend komme möchte ich dazu noch etwas hinzufügen. Wie hier schon geschrieben mündet der Hellbach in's Salzhaff. Das Salzhaff ist so gesehen eine Bucht in der westlichen Ostsee dazwischen liegt nur die Insel Wustrow. Nun stellt sich natürlich die Frage ob die Verunreinigungen nur den Bach und sein Mündungsgebiet bei Teßmannsdorf und Roggow betrifft, oder vielleicht sogar weiterreichende Folgen bis nach Boinsdorf und die Offene Ostsee hat. In jedem Fall ist das eine Katastrophe die sicher nicht in kurzer Zeit überstanden ist.
 

Rosi

ostseetauglich
Schöne Scheixxe.

Der Hellbach ist ein Referenzgewässer, er wurde Anfang der 90ger bis etwa zum Jahre 2000 mit Meerforellenbrut besetzt. Dann stellte man fest, daß sich der Bach selbst reproduziert, also die Alttiere zum Laichen zurück kehren.

Im Jahre 2003 wurde in Neubukow eine Fischtreppe gebaut, mit Monitoringstation. Das ist ein runder Behälter mit Kamara und Auffanggitter. Hier werden die Aufsteiger gezählt. Es gab Jahre mit über 2000 Aufsteigern. Seit 15 Jahren entnehmen die Biologen Milchner und Rogner um in der Brutstation in Born, für Nachwuchs zu sorgen. Die Mefos aus dem Hellbach versorgen folglich viele andere Bäche weiter östlich mit Brütlingen. In der Station in Neubukow haben sich ganze Schulklassen angesehen wie Meerforelleneier abgestriffen werden.

Eine Zahl ist besonders bitter. 80% der Meerforellen, welche sich in der Wismarbucht aufhalten, stammen aus dem Hellbach.

Diese Unachtsamkeit der Schweinemäster hat die Arbeit vieler Freiwilliger, vieler Wissenschaftler und Biologen zerstört, vielleicht auf Jahre.

Hoffentlich regnet es noch eine Weile, es kann nicht genug Regen fallen, der die Säure aus dem Hellbachwasser spült. Das Haff verkraftet solche Verschmutzungen. Es findet ein ständiger Austausch mit Ostseewasser statt. In Pepelow am Zeltplatz befindet sich ein Rohr, aus dem ich 2 Mal Gülle ins Haff fließen sah. Das wird nicht mehr geschehen, weil die Ställe zwischen Pepelow und Klein Strömkendorf lange leer standen und jetzt abgerissen wurden.

Auch die Ställe in Neubukow standen lange leer. Erst seit etwa einem Jahr werden dort wieder Schweine gemästet, um 8000 Stück. Es ist ein kleiner Betrieb. Die werden schon eine Betriebshaftpflicht haben, welche evtl. Entschädigungen zahlt. Da sieht sich gerade die Staatsanwaltschaft Rostock um. Vielleicht machen sie die Ställe bald wieder dicht. Der Preis für Schweinefleisch ist sowieso im Keller.
 

Silvio.i

Well-Known Member
Beruflich habe ich oft mit der unteren Naturschutzbehörde zu tun. Ein junger Mitarbeiter hat diese Vorfälle mal aufgearbeitet. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Landwirtschaft der mit Abstand größte Verursacher von Umweltschäden. Selbst solche Leute kämpfen da nur mit Holzschwertern gegen Lobbyisten. Die Strafen sind so gering, dass sie nur einen Bruchteil der Subventionen ausmacht, die diese Betriebe bekommen.
 

TeeHawk

Active Member

Testudo

Schützer und Nutzer
Bei der illegalen Einleitung von Alkohol durch eine Zuckerfabrik in die Peene ist ja auch nix wirklich bei raus gekommen https://www.anglerboard.de/index.php?threads/fischsterben-durch-alkohol-werksmitarbeiter-vor-gericht.332798/#post-4850664

Man könnte meinen, alles was unter der Wasseroberfläche ist, ist recht- und wertlos...
Man hat ja, wenn ich mich recht erinnere, einen weiteren , zivilrechtlichen Prozess, in Erwägung gezogen.

Aber was soll denn dabei rum kommen, wenn
a) der Schaden nicht genau zu beziffern ist
b) der mögliche Schadensersatzpflichtige voraussichtlich nicht zahlen kann
c) voraussichtlich schlechtem Geld noch gutes hinterherwirft
......

Rechtsprechung ist nicht gleich schlecht, nur weil es nicht Wunschgemäß urteilt.
 
Zuletzt bearbeitet:

hans albers

rollin rollin rollin
son mist..bin dort auch öfter in gegend unterwegs (rerik/meschendorf)

ein jammer, was alles an arbeit und engagement zerstört wird durch so ein verhalten.

strafen sollten auch mehr als "empfindlich" sein,
allerdings bringt das nichts ohne ein umdenken in der landwirtschaft
 

TeeHawk

Active Member
Man hat ja, wenn ich mich recht erinnere, einen weiteren , zivilrechtlichen Prozess, in Erwägung gezogen.

Aber was soll denn dabei rum kommen, wenn
a) der Schaden nicht genau zu beziffern ist
Also wenn ich einen Autounfall haben, bei dem ein Baum beschädigt wird, dann kann man den Schaden am Baum ziemlich genau beziffern...
b) der mögliche Schadensersatzpflichtige voraussichtlich nicht zahlen kann
Die Fabrik gibt es wohl heute noch und ich denke, dass man sich gegen fahrlässiges Handeln seiner Mitarbeitern versichern kann/muss
c) voraussichtlich schlechtem Geld noch gutes hinterherwirft
Schlechtes Geld???
 

Testudo

Schützer und Nutzer
Hi, vorweg ich bin kein Jurist, aber dennoch ein paar Anmerkungen..

Ein Baum ist relativ einfach zu bewerten, Art, Alter, gesund oder nicht, das macht ein Gutachter mit geringem Aufwand und der Geschädigte kann sicher davon ausgehen, daß deine Versicherung den Schaden und die Schadensermittlung übernimmt.

Hier ein Gewässer, weder der Bestand, noch klare Zahlen über die betroffenen Fische, Altfische, Brut, Eingriff in das Ökosystem, Nährtier usw. Das ist eine riesen Aufgabe und wer soll die beaufragen und vorfinanzieren?

Je nachdem, wie fahrlässig das Verhalten des Mitarbeiters bewertet wird, um so mehr ist er persönlich haftbar.

Und dann wirft man dem 4schlechten Geld, hier der Verlust der Bewirtschaftenden gutes Geld hinter her. Also Verfahrenskosten, Anwalt, Gutachten......da kann man fast nur verlieren.
 
Schön und gut wenn man die Schuldigen für solche Vorfälle findet und vllt. auch bestraft...
Viel vernünftiger wäre es aber besser vorzusorgen. Mehr unangemeldete Kontrollen von Risikobetrieben wären z.B. sinnvoll. Aber wir leben leider in einem Land das viele, viele Gesetze hat, die Einhaltung mangels geeignetem Personal aber nicht ausreichend kontrollieren kann. Und das wird nicht besser, der Staat wird weiter verschlankt, das Einzige das von Wahl zu Wahl wächst ist der Bundestag ...
 

Taxidermist

Well-Known Member
noch klare Zahlen über die betroffenen Fische, Altfische, Brut, Eingriff in das Ökosystem, Nährtier usw. Das ist eine riesen Aufgabe und wer soll die beaufragen und vorfinanzieren?
Als unser Bach, die Elsenz, Anfang der 90er vergiftet wurde, hat den Schaden auch eine Versicherung reguliert.
Verursacht allerdings nicht durch einen Gülle-Bauern, sondern durch einen LKW Unfall auf der Autobahnbrücke, wo dann bei einem gleichzeitig stattfindenden Starkregen ein Konservierungsmittel eingespült wurde.
Der Bach war dann von dort bis zur Mündung in den Neckar auf ca.20Km sowas von tot, also von allem was da ehemals lebte "befreit".
Damals mussten die betroffenen Vereine die Besatz Rechnungen der letzten Jahre vorweisen.
Es wurde dann hoch (eher niedrig!) gerechnet, was denn noch so ungefähr drin war im Bach, wohlgemerkt nur der offizielle Besatz!
Es war keine Rede von den anderen Lebewesen, wie Kleinfische (auch Koppen!), Fischnährtiere, Krebse, Insekten, usw..
Dies war alles nicht berechenbar.
Ich hab mir damals angesehen was da so alles am Wehr angetrieben kam und ich hätte nie geglaubt das wir z.B. so viele Egel in dem Bach hatten?
Soll heißen eine solche Vernichtung eines Gewässers ist nicht berechenbar und soll es wohl auch nicht sein!
Ich hatte damals die Erlaubnis für eine exclusive Privatstrecke und habe darauf hin mein dortiges Bachangeln an den Nagel gehängt.
In Erinnerung ist mir meine größte Bafo mit 58cm geblieben.

Jürgen
 

Taxidermist

Well-Known Member
Da kann man wohl nur auf ein heftiges Frühjahrshochwasser hoffen!

Jürgen
 

Rosi

ostseetauglich
Aktuelle Entwicklung:
http://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Bad-Doberan/Bach-Entgiftung-dauert-Monate

Wer weiss ob der Hellbach jemals wieder Meerforellen beherbergen wird.
Naja, so dramatisch sehe ich das nicht, die Natur ist geduldig. Ich werde in 2019 vom Boot aus keine Meerforellen angeln. Und sollte es doch passieren, dann rutschen die mir aus der Hand.

Irgendwann wird sich der Staatsanwalt mal sicher sein.
Was ich als sehr beruhigend empfinde ist, daß dieser Schacht abgedichtet wurde und der ZVK den Niederschlagswasserkanal seit 10 Tagen reinigt.

Ich überlege wie man einen Bach reinigt. Geht man da mit Wathose rein und sucht nach festen Bestandteilen? Der Hellbach ist gerade gut gefüllt mit Wasser.
Allerdings fließt er auch in einen Teich, den Mühlteich. Dort wird sich einiges von dem Zeug ablagern.
 

Tulpe2

Active Member
Bei der illegalen Einleitung von Alkohol durch eine Zuckerfabrik in die Peene ist ja auch nix wirklich bei raus gekommen https://www.anglerboard.de/index.php?threads/fischsterben-durch-alkohol-werksmitarbeiter-vor-gericht.332798/#post-4850664

Man könnte meinen, alles was unter der Wasseroberfläche ist, ist recht- und wertlos...
Ist dort halt "Schlüsseltechnologie" für Deutschland zur Umsetzung des EEG.
Da wird aus wertlosem Abfall (Zuckerrüben) hochwertiger Biosprit erzeugt zur Beimengung bei E5/E10.
Sonst müsste man ja blankes Benzin tanken. :whistling
 
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