so so, ich lese und staune...
irgendwo oben war von "Hobbypsychologen" die Rede, deshalb mal einen Klassiker zu Rat gezogen:
Psychologie der Massen
Wie lassen sich Menschen von Botschaften beeinflussen? Warum lösen Bilder eine „öffentliche“ Reaktion aus, während nüchterne Zahlen kaum Beachtung finden? Solche Fragen beschäftigten den Arzt und Sozialpsychologen Gustave Le Bon vor mehr als hundert Jahren. Seine Erkenntnisse über das Verhalten der Massen (gegenüber der Menge/Multitude) gehören selbst heute zu den Grundlagen der Massenpsychologie.
Oder auch:
Mit diesen Zitaten lässt sich ein Schlüssel zum Verständnis der heutigen Klimadebatte erkennen. Kaum jemand bildet sich seine Meinung über das Klima aufgrund wissenschaftlicher Originalarbeiten, die meisten orientieren sich an Bildern, Schlagzeilen und emotionalen Botschaften. Das ist kein Vorwurf, sondern eine menschliche Eigenschaft. Niemand kann täglich Hunderte wissenschaftlicher Veröffentlichungen lesen. Also verlassen sich die meisten auf das, was ihnen Medien, Politik oder sogenannte Experten vermitteln. Deshalb prägen sich nicht Diagramme oder Messreihen in unser Gedächtnis ein, sondern Bilder: brennende Wälder, schmelzende Gletscher, ausgetrocknete Flussbetten, überflutete Straßen oder leidende Eisbären. Solche Bilder wirken unmittelbar. Sie lösen Betroffenheit, Angst oder Schuldgefühle aus. Statistische Einordnungen oder wissenschaftliche Unsicherheiten wirken dagegen oft abstrakt und erreichen nur einen kleinen Teil der Öffentlichkeit. Le Bon war das schon vor 130 Jahren klar. Er beschrieb bereits Ende des 19. Jahrhunderts, dass Menschenmengen weniger auf logische Argumente reagieren als auf starke Bilder, einfache Botschaften und wiederholte Erzählungen. Je häufiger eine Aussage wiederholt wird, desto vertrauter erscheint sie – und Vertrautheit wird leicht mit Wahrheit verwechselt. Warum werden einzelne Extremwetterereignisse sofort als Beleg für den Klimawandel interpretiert, während historische Vergleiche oder natürliche Klimaschwankungen in der öffentlichen Debatte häufig weniger Raum einnehmen? Warum erzeugt eine dramatische Schlagzeile mehr Aufmerksamkeit als eine differenzierte wissenschaftliche Einordnung? Le Bon macht noch auf einen weiteren Mechanismus aufmerksam: Die Masse sucht nach einfachen Erklärungen. Komplexität ist anstrengend. Deshalb setzen sich einfache Erzählungen meist leichter durch als differenzierte Analysen.
Auch in der Klimadebatte ist dieser Wunsch nach Einfachheit immer wieder zu sehen: Hier das CO₂ als zentrale Ursache, dort die CO₂-Reduktion als zentrale Lösung. Ob komplexe klimatische Prozesse tatsächlich so einfach erklärt und auch gelöst werden können?? Die Psychologie der Massen gibt keine Antwort auf die Klimadiskussion, liefert jedoch einen Schlüssel zum Verständnis, warum bestimmte Botschaften so große Wirkung entfalten können. Wer verstehen will, wie öffentliche Meinungen entstehen, sollte deshalb nicht nur Klimaforscher lesen, sondern auch Psychologen und Soziologen. Bevor Menschen politische Maßnahmen akzeptieren, müssen sie zunächst überzeugt werden, dass eine bestimmte Wirklichkeit existiert. Die Psychologie beschäftigt sich mit diesem Weg – vom Bild im Kopf bis zur festen Überzeugung, und die Soziologie mit den Mechanismen, die zwischen Menschen ablaufen.
Quelle/kostenloses Hörbuch:
LibriVox recording of Psychologie der Massen by Gustave Le Bon. (Translated by Rudolf Eisler.)Read in German by Yessy.Gustave Le Bon (1841-1931) war ein...
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