Lappland bei -31°C - Eisangeln unter Polarlichtern?!

Tomasz

Well-Known Member
Vielleicht kennen das einige von Euch, diese Sehnsucht nach Ruhe, Weite und nahezu grenzenlos Natur. Das ist es jedenfalls, was ich mit Lappland verbinde und natürlich den Reichtum an Wasser und Angelmöglichkeiten. Bislang bin ich jedoch nur im Sommer und dann auch mehr oder weniger auf der Durchreise nach Lappland gekommen.

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Flug über Schweden im Sommer

Mein Traum ist es, ein ganzes Jahr dort zu verbringen und somit alle Jahreszeiten und Veränderungen von Sonne, Licht und Natur erleben zu können. Den meisten Respekt habe ich aber vor den langen, dunklen und eiskalten Wintern. Würde ich das tatsächlich erleben wollen oder bin ich dann nicht lieber zu Hause im grauen und schmuddeligen Berlin? Mein Traum ist es auch einmal den Samenmarkt im Februar in Jokkmokk zu besuchen. Der größte Wunsch war aber Polarlichter beobachten zu können.
Jedenfalls sollte es erstmal nur ein Traum bleiben, den ich in erster Linie mit den regelmäßigen Besuchen verschiedener Webcams Lappland verband. Insbesondere in Finnisch-Lappland dienen viele diese Kameras der Beobachtung der Straßenabschnitte im Winter.
Aber auch Schwedisch-Lappland hat Webcams deren Sinn sich mir nicht erklärt hat. Drei dieser Kameras stehen z.B. in Porjus und sind einfach nur auf den weiten Horizont gerichtet. Wer soll sich an diesem Szenarium ergötzen?

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Webcam von Porjus im Sommer

Meine Frau kannte meine Sehnsucht nach Lappland und wir haben oft darüber gesprochen. Wie auch immer würde dieser Traum wohl erstmal auch nur ein ferner unerfüllter Traum bleiben und schon gar nicht würde ich Frau und Kind zu einem langen Jahr in der Einsamkeit überreden können. Schon gar nicht, weil unser Kind gerade mal 3 Jahre alt ist.
Im letzten Winter habe ich dann zum Geburtstag eine dicke Mappe von meiner Frau bekommen. Darin lagen Flug- und Zugtickets, gebuchte Unterkünfte, ein Mietauto und noch vieles mehr. Ein Höhepunkt sollte das Eisangeln auf Saiblinge werden, aber dazu später mehr. Für 5 Tage wollten wir uns auf den langen Weg nach Norden machen. Das Kind sollte bei der Oma unterkommen. Aber wir standen auch noch vor einem kleinen Problem. Wir hatten nur wenig Zeit für die Vorbereitungen. Diese bestanden in erster Linie darin uns für Temperaturen jenseits von -25°C auszustatten. Eine Bestellung von Angelklammotten und mehrere Decathlonbesuche später waren wir aus unserer Sicht gut gerüstet. Jedenfalls war eine Angelkombi von Imax mit einer Komfortzone bis – 20°C das Beste was ich für einen vernünftigen Preis bekommen konnte. Unser Gepäck für die 5 Tage bestand somit fast ausschließlich aus einer Vielzahl von Winterklamotten. Aber nicht nur wir mussten uns für die Kälte rüsten, auch unsere Handys und Fotoapparate mussten den Anforderungen genügen. Daher blieb die bessere und leider auch sensiblere Ausrüstung zu Hause und der Rest wurde mit ausreichend Ersatzakkus und Ladegeräten versorgt. Ein Tipp aus dem Internet hat sich vor Ort auch als sehr hilfreich erwiesen. Wegen der starken Temperaturunterschiede haben wir in die Kamera- und Handytaschen diese kleinen Päckchen mit den Silica-Kugeln gelegt, die die Feuchtigkeit gut aufgenommen hat. Ohne diese unscheinbaren Päckchen waren unsere Geräte nach einem kurzen Einsatz sofort mit einem Feuchtigkeitsfilm überzogen.
Der Marktplatz in Jokkmokk sollte im letzten Jahr vom 07.02. bis zum 09.02.2019 gehen. Wir starteten am 06.02.2019 mit dem Flugzeug nach Stockholm und hatten uns dort für eine Nacht in der Altstadt eingebucht. Ich liebe Stockholm und seine Lage am Wasser und ganz besonders liebe ich die Altstadt mit seinen kleinen engen Gassen.
Wir ließen uns einen Tag lang durch die Stadt und hatten Zeit uns etwas zu akklimatisieren.

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Stockholm

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Södermalm

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Gamla Stan (Altstadt)

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Am nächsten Morgen ging es mit einem kleinen Flugzeug der polnischen Fluggesellschaft Lot nach Gällivare. Ich kannte Gällivare von zwei Durchreisen und ich kannte natürlich auch die Webcams. Uns war daher klar, dass wir von dort aus schnell weiter wollten in Richtung Jokkmokk. Wegen des Marktes gab es im Ort selbst keine freie Unterkunft mehr. Unsere ersten beiden Übernachtungen hatten wir daher in Porjus, dessen Webcams sich mir bis zu diesen Nächten nicht entschlossen hatten.
Mit dem Flugzeug ging es erst entlang der vereisten Schärenküste und dann ins verschneite Landesinnere. Hier zeigte sich kurz vor der Landung auch, warum man Gällivare überhaupt mitten in der Wildnis gebaut hatten. Es gab hier mehrerer Erzbergbaugebiete.

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Abflug in Stockholm

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Flug über die schwedische Schärenküste

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schwedisch Lappland

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Erzbergbau bei Gällivare

Im Flugzeug saßen ein paar wenige Geschäftsreisende und wir. Der Flughafen war winzig und es landen nur sehr wenige Flugzeuge dort. Als wir aus dem Flugzeug stiegen, hat uns die Kälte erstmal geschockt, so dass es schwer war zu atmen. Damit hatten wir nicht gerechnet. Das Thermometer zeigte zu diesem Zeitpunkt -31°C. Im Flughafengebäude haben wir uns dann erstmal alles angezogen, was irgendwie übereinander gepasst hat und konnten dann unser Mietauto in Empfang nehmen. Der junge Mann von der Autovermietung war extra wegen uns zum sonst menschenleeren Flughafen gekommen. Er erklärte uns die Besonderheiten des Autos mit eingebauten Spikes in den Reifen und die Motorheizung und die Innenraumheizung, damit der Wagen bei diesen eisigen Temperaturen überhaupt fahrtüchtig ist. Auf allen größeren Parkplätzen gab es Steckdosen, um sein Auto dort ranzuhängen. Wegen der Spikes hatten wir uns erst gewundert aber schnell war klar, dass die meisten Straßen mit eine dichten Decke aus Schnee und Eis belegt waren. Netterweise war das Auto bereits vorgeheizt, so, dass wir uns einfach nur reinsetzten brauchten und das Abenteuer konnte beginnen.
Die Tage waren Anfang Februar noch kurz und die Nächte lang. Für die Temperaturen machte das jedoch kaum einen Unterschied. Wir sind bei -31°C gestartet und fanden gegen Ende der Reise -24°C als recht angenehm.

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Flughafen Gällivare

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angekommen in Lappland bei -31°C

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Verkabeltes Auto

Wird fortgesetzt
 

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Tomasz

Well-Known Member
In Gällivare haben wir noch an einem Supermarkt gehalten und uns mit Lebensmitteln eingedeckt. Wir waren erstaunt wie viele Fahrzeuge dort auf dem Parkplatz mit laufendem Motor standen, ohne dass jemand im Auto saß. Insbesondere große Dieselfahrzeuge brummten vor sich hin, während die Besitzer im Supermarkt einkauften. Offensichtlich machte sich hier niemand Gedanken, dass jemand das Auto klauen würde. Wir hatten einen Benziner und der nette junge Mann von der Autovermietung sagten, dass wir das Fahrzeug nur bei längeren Stehzeiten an den Strom anschließen sollten.
Jetzt ging es auf die Fahrt nach Porjus. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, nahezu alleine auf kerzengeraden Straßen durch die verschneiten Winterlandschaften zu fahren. Auch wenn auf den ersten Blick durch die tief verschneiten Landschaften weiß die dominierende Farbe war, zeigte sich schnell, das die Landschaft je nach Sonnenlicht von reinweiß über blau bis grau veränderte.

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Da diese Region nur sehr dünn besiedelt ist, fährt man ewig ohne ein Haus oder einem anderen Auto zu begegnen. Dazu kommt, dass es so gut wie keine Vögel gibt. Wenn man draußen steht ist es so still, dass man nur seinen eigenen Atem hört. Ich fand dieser Stille und das Farbenspiel der verschneiten Landschaft faszinierend. Das war eindrucksvoller, als ich es mir in meinen Träumen immer wieder vorgestellt hatte. Bereits nach einer knappen Stunde, war ich wirklich angekommen und konnte mich an dieser Stille und den Farben erfreuen. Alleine damit war ein Großteil meiner Träume bereits in Erfüllung gegangen und ich mir war, als würde ich auf einer Wolke schweben. Eine ungeheure Leichtigkeit machte sich breit.

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Unsere erste Unterkunft in Porjus war ein typisches Schwedenhaus mit einem Husky als Hofhund. Am Abend fuhren wir zur Eröffnung des Marktes nach Jokkmokk. Natürlich hatte ich auch hier eine Webcam unter Beobachtung und konnte die Skulptur des Marktes endlich von nahmen betrachten.

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links ist unser Ferienhaus

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Öffentliche Telefonzelle in Porjus

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Skulptur zum Wintermarkt in Jokkmokk

Trotz unserer Winterkleidung wurde uns in Freien relativ schnell kalt, so, dass wir es anfangs nicht lange draußen aushalten konnten. Zurück in der Unterkunft machten wir uns ein warmes Abendbrot und einen heißen Tee.
Unser Vermieter klopfte kurze Zeit später und erklärte uns, wo gerade Polarlichter zu beobachten seien. Es waren nur wenige Hundert Meter bis zum Ufer eines Sees, wo man einen weiten freien Blick auf den Horizont hatte. Und da waren Sie die grün schimmernden Polarlichter. Anfangs nur ganz dünn wurden sie schließlich immer lichtstärker. Es war ein grandioser Anblick, der sich mit meiner Kamera nur sehr schwer einfangen ließ. An dieser Stelle fehlte mir auch ganz klar ein Stativ, so dass ich mir andere Orte wie das Autodach suchen musste damit die Kamera über die lange Belichtungszeit still stand. So richtig hat das zwar nicht funktioniert, aber wir haben sie mit unseren eigenen Augen gesehen und waren überwältigt. Da ich immer wieder die Kamera bedient hatte, fiel mir nicht auf, dass meine Finger ohne die Handschuhe langsam steif wurden. Erst als sie furchtbar weh taten und ich den Auslöser der Kamera nur mit viel Mühe drücken konnte, packten wir zusammen und fuhren zurück in die Unterkunft. Damit hatten wir eigentlich kaum gerechnet und daher hatte ich auch auf ein Stativ verzichtet. Gleich am ersten Abend in Lappland hatten wir das Glück Polarlichter zu sehen. Damit diese überhaupt entstehen müssen verschiedene Faktoren (z.B. hohe Sonnenaktivitäten) und ein freier, d.h. wolkenloser Himmel zusammenkommen. Zu den Polen hin, steigt die Wahrscheinlichkeit Polarlichter zu sehen erheblich. Außerdem treten sie in verschiedenen jährlichen als auch monatlichen Zyklen auf und auch in einer einzelnen Nacht kommen sie irgendwann und verschwinden auch schnell wieder. Aber all das war uns in diesem Augenblick egal, denn wir hatten das Glück sie selbst am Himmel beobachten zu können. Da war es uns auch schnuppe, dass wir nach einer knappen Stunde völlig durchgefroren waren und unsere Hände und Füße kaum noch spürten.
Und jetzt erklärte sich mir auch die Webcam aus Porjus. Sie war weder auf den See, noch auf die Eisenbahnlinie ausgerichtet, sondern sie hatte nachts freien Blick auf den Himmel und damit auch auf mögliche Polarlichter.

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Webcam Porjus im Sommer

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Webcam Porjus während unseres Aufenthalts

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Wir unter dem Polarlicht

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die Kamera steht auf dem Autodach

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Ohne Stativ und Erfahrungen mit den Kameraeinstellungen ist es schwierig gute Bilder hinzubekommen

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Wird morgen fortgesetzt
 

MikeHawk

BigBaitBursche
ganz ganz toller Bericht. Vielen Dank!

Ebenfalls ein großer Traum von mir - Für meine Frau ist er dieses Jahr bereits wahr geworden .
 

zokker

Mecklenburger Seenplatte
Super Bericht thumbsup, toll geschrieben und super Bilder.

Freue mich schon auf die Fortsetzung.
 

Tomasz

Well-Known Member
Vielen Dank für Eure netten Reaktionen.
Am nächsten Tag sollte es endlich zum Vintermarknad nach Jokkmokk gehen. Der Markt lässt sich bis ins Jahr 1605 zurückverfolgen und gehört damit zu den ältesten Märkten der Welt. Wir haben uns gefragt, was die Leute früher bewogen haben Anfang Februar in diese Wildnis zu kommen um Markt zu halten. Die Antwort war, dass man über die vereist- und verschneiten Flüsse schneller vorankam als durch die Tundra und die Wälder.
Der Ort selbst war bereits im 16. Jahrhundert Handelsplatz der Samen, Schweden und Finnen. Der Markt diente letztlich nicht nur dem Handel, sondern auch der Gerichtsbarkeit, dem Einzug von Steuern und der Christianisierung der Samen. Die Samen sind ein indigener Volkstamm, der überwiegend in Lappland beheimatet ist und ursprünglich in Lappland als Nomaden lebten.
Wer mehr über die Geschichte der Samen und über die Natur Lapplands wissen will, ist in diesem Museum von Jokkmokk sehr gut aufgehoben:
http://www.ajtte.com/deutsch/

Heute ist Jokkmokk eine nette, kleine Stadt, mit Supermärkten, verschiedenen Restaurants und Unterkünften. Von hier aus kann man viele Aktivitäten in der Umgebung planen oder auf dem Weg nach Norwegen zwischenstoppen. Diese Webseite über Jokkmokk ist sehr informativ:
http://www.jokkmokk.com/

Und hier findet man all die tollen Webcams, die meine Sehnsucht nach Lappland stillen und uns überhaupt erst auf dem Gedanken dieser Reise gebracht haben:
http://www.jokkmokk.com/lankar-till-webbkameror/

Wer für sich ein Stück Jokkmokk mit nach Hause nehmen will, dem sei diese gleichnamige Tisch- und Stuhlkombination von IKEA empfohlen;)
https://www.ikea.com/de/de/p/jokkmokk-tisch-und-4-stuehle-antikbeize-50211104/

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Auf der offiziellen Seite des Marktes läuft bereits der Countdown für das nächste Jahr: http://www.jokkmokksmarknad.se/

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Im Hintergrund die Touristeninformation von Jokkmokk. Ein Besuch dort ist sehr empfehlenswert

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Traditionelle Kleidung der Samen. Wir waren wesentlich dicker angezogen.

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Die Rentiere als Transportmittel

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Die Kirche von Jokkmok im Winter

Neben vielen Marktständen gibt es auch ein kleines Kulturprogramm wobei darauf geachtet wird, dass die einzelnen Programmpunkte möglichst kurzgehalten werden. Nachdem wir gestern -31°C hatten, war es heute mit -29°C kaum besser. Die tiefen Temperaturen wirken sich auch auf den Umsatz der Marktstände aus. Je kälter es ist, umso weniger Besuchen kommen. Außerdem fallen dann oft auch die Kartenlesegeräte aus und in Schweden wird nur noch selten mit Bargeld bezahlt. Es gibt auf dem Markt Kunsthandwerk, viele Lebensmittelspezialitäten, wie Rentier- oder Elchfleisch, selbstgemachte Marmeladen aus Molte- und Krøkebær, aber auch Kühlschränke und Waschmaschinen. Diese Mischung wirkt schon einigermaßen skurril. Die vielen Lebensmittel waren natürlich allesamt tiefgefroren.

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Markttreiben

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Typische Messer aus Lappland

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Diese stlylische Eisangeln aus Rentiergeweihen erinnerten mich, dass wir auch noch Eisangeln wollten.

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Zwischendurch sind wir immer mal wieder in die Touristeninfo gegangen, um uns dort etwas aufzuwärmen. Und dort habe ich an einem Zimmer Hinweise auf Angelmöglichkeiten gefunden. Leider war zu diesem Zeitpunkt niemand dort. Auf der angegebenen Webseite konnte man sich jedoch ein wenig einlesen:
http://www.fiskenorrbotten.com/

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Dieser Hinweis aufs Angeln führte auf eine finnische Webseite und half an dieser Stelle auch nicht weiter.

Als wir abends wieder in Porjus ankamen, stand dort ein Hubschrauber, der u.a. damit warb Angler an die entlegensten Orte Lapplands zu bringen. Das hört sich auf den ersten Blick gut an, aber passte weder in unsere Zeitplanung noch konnten wir uns irgendwie vorstellen, bei -30°C irgendwo in den Weiten Lapplands abgesetzt zu werden. Beim näheren Hinsehen, werde diese Flüge dann auch eher im Sommer angeboten, was auch viel mehr Sinn machen würde. Der Flug geht zu verschiedenen entlegenen Gewässern die zwischen 15 und 35 km entfernt liegen. Die Gewässer beherbergen in erster Linie Äschen, Bachforellen und Saiblinge. Je Flug können ca. 4 bis 5 Passagiere inkl. Gepäck mitfliegen:

Helikopter | Fiskflyg | Sverige
Since 2015 Fiskflyg AB is operating under Rotor Service Nordens AOC. Rotor Service Norden AB is a co-operation between Fiskflyg AB and Heli i Arjeplog AB.
en.fiskflyg.se


Das Projekt Eisangeln wurde daher auf die nächsten beiden Tage verschoben. Ich war wirklich richtig heiß darauf einmal einen Saibling aus dem Eisloch zu ziehen, wobei ich mich fragte ob das bei dieser Kälte überhaupt realistisch sei. Aber egal, jetzt lassen wir uns erstmal durch Jokkmokk und das Marktleben treiben. Dabei sind wir zwischendurch immer wieder in irgendwelche öffentliche Gebäude gegangen um uns und unsere Telefone und Fotoapparate aufzuwärmen bzw. aufzuladen.
Schließlich strömte ein Teil der Marktbesucher in Richtung Talvatissjön. Auf dem verschneiten See war eine Arena aufgebaut, in der Rentiergespanne gegeneinander antraten.

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Wettkampfarena

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KopfanKopfRennen

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Die Rennschlitten

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Der strahlende Sieger

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Nach dem Rennen konnte man sich diese Gefährte ausleihen, die tatsächlich auf vielen Höfen standen und auch als Transportmittel zum Einkaufen genutzt wurden. Man braucht erst etwas Übung, aber hat dann schnell den Dreh raus und kommt gut vorwärts.

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Diese Gefährte werden tatsächlich noch zum Transport genutzt

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Abends klarte der Himmel auf und wir saßen in unserem warmen Haus, von wo aus wir jede halbe Stunde die nahe gelegene Webcam von Porjus beobachteten. Gegen 21:30 Uhr zeigte sich ein deutlicher grüner Streifen am Horizont. Wer zogen all unsere Sachen an und machten uns auf den Weg zum Seeufer. Das An- und Ausziehen dauerte anfangs ca. 20 Minuten, wobei wir uns gegen Ende der Reise steigern konnten.
Auch an diesem Abend wurden wir mit tollen Polarlichtern belohnt, wobei wir auch diesmal wieder nicht mit der Webcam mithalten konnten. Sollte bei späteren Reisen nochmals die Chance auf Polarlichtern bestehen, nehme ich definitiv ein Stativ mit. Allerdings kann bei diesen Temperaturen auch kein Stativ helfen, wenn nach wenigen Minuten die Kameras aussteigen.

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Auch hier hatten wir mit unserer Technik keine Chance gegen die Webcam.
Wieder stand ich fast zwei Stunden am See und habe dem wunderschönen Spektakel der Nordlichter zugesehen. Manchmal blieben sie lange unverändert am Horizont. Dann wieder fingen sie auf wunderschöne Weise an zu tanzen und sich ineinander zu verwickeln. Es ist wirklich ein grandioses Naturschauspiel und wieder hatte ich mir beim Fotografieren die Finger abgefroren, so dass sie zurück im Warmen furchtbar schmerzten.


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Die Nacht und Tagtemperaturen gingen in den nächsten Tagen geringfügig auf -29° C hoch. Leider sollte es dabei auch stärker bewölkt werden, so dass nicht klar war, ob wir nochmal das Glück haben würden, Polarlichter beobachten zu können.
Am nächsten Morgen haben wir unserer Sachen gepackt und sind ca. 225 km weiter nach Norden in Richtung Kiruna gefahren. Dort wartete das Eishotel Jukkasjärvi und zwei Schlittenfahrten auf uns. Außerdem gab es noch die leise Hoffnung auf einen Saibling aus dem Eisloch.

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Fahrt nach Norden.

Wird fortgesetzt
 
Zuletzt bearbeitet:

Taxidermist

Well-Known Member
Klasse Reisebericht, Danke dafür!
Wenn dann noch die Fische kommen?
Mir wäre das eindeutig zu frostig, aber so ausm heimischen Sessel, schön zu lesen.

Jürgen
 

Andal

Teilzeitketzer
Doubblelike!!!

Alleine die superschönen Handarbeiten, Messer u.s.w., wären schon die Reise wert. Aber -31°C wären mir zum Ansitzen dann doch etwas frisch. ;)
 

ollidi

Fliegenfischeranwärter
Teammitglied
Wunderschöner Bericht und wunderschöne Bilder. thumbsup
Bei den Messer und bei den Eisangeln hätte ich bestimmt zugeschlagen.
Auch, wenn ich mit so einer Eisangel hier nichts anfangen könnte, aber die sehen ja wohl einfach nur schick aus. Also hätte der "habenwollen" Faktor zugeschlagen. ;)
 

Andal

Teilzeitketzer
Auch, wenn ich mit so einer Eisangel hier nichts anfangen könnte, aber die sehen ja wohl einfach nur schick aus. Also hätte der "habenwollen" Faktor zugeschlagen. ;)
Barsche zuppeln vom Boot, Steg, oder Spundwand... das weckt Erinnerungen an die Bubenzeit...!
 

smithie

Well-Known Member
Großartig, dass Du Dir die Zeit nimmst und die "Daheimgebliebenen" ein Stück weit auf eure Tour mitnimmst - Dankeschön!
 

angler1996

35Z Löffelschnitzer
sehr schön , danke , naja mal gucken, wo es uns zunächst im Sommer hinverschlägt.
Man könnte Polarlichter einfrieren und bei plus 10°C gucken;-))
Du hast Mail
 

cocorell

Well-Known Member
Super Bericht, tolle Photos, danke dafür!
Mir persönlich wäre das allerdings viel zu kalt. Ich hatte mal beruflich in Canada, Bathurst New Brunswick, im Winter zu tun. Minus 41 Grad, Nachts, war mir schon damals viel zu kalt!
 

Chief Brolly

Well-Known Member
Hier mal eine besondere Eisangel, aus Metall! War angeblich in Alaska im Einsatz... Interessant der gebogene Abschnitt, als "Federelement"....
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Fischkopp 1961

Well-Known Member
Oh man, wie geil jetzt hätte ich fast die Mittagspause verpasst.
Also, so eine Eisangel wäre jetzt definitiv mein.
Toller Bericht und zwei Stücke daraus haben mich ganz besonders erreicht:

und das Abenteuer konnte beginnen.

als würde ich auf einer Wolke schweben


Bitte mehr davon.thumbsup
 

Tomasz

Well-Known Member
Vielen, vielen Dank für Euer Feedback. Das spornt mich an, weiter zu machen.
Ich hatte tatsächlich überlegt mir auf dem Markt eine Eisangel zu kaufen, aber mir waren die Rillen in den Griffe dann doch etwas zu kitschig. Mit einem durchgängigen Griff hätte ich sofort zugeschlagen.
Bei den Messern wurde mir aber klar, was für Schätze mir mein Vater geschenkt hatte. Er hatte sie vor knapp 60 Jahren in finnisch Lappland geschenkt bekommen und sie tatsächlich auch jahrelang zum Angeln und Pilze suchen eingesetzt. So sehen sie jetzt auch aus, aber es gab vor wenigen Tagen bei uns im AB einen Thread, der gute Tipps zum Aufarbeiten der Messer und der Messerscheide enthält. Das wird mein nächstes Projekt sein, um sie dann irgendwann an meinen Sohn weiterzugeben.

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Diese durchgängigen Griffe gefallen mir viel besser.
Ich hoffe, dass ich heute noch einen weiteren Teil der Reise einstellen kann.

Gruß

Tomasz
 
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