Malta - Der Tourguide

Malta war etliche Jahre sozusagen mein zweites Zuhause und der Ort, an dem vor über 10 Jahren meine Leidenschaft fürs Warmwasser-Angeln geweckt wurde. Alles fing damit an, das ich im Spätwinter das triste Wetter satt hatte und einfach nur irgendwo ans Meer und in die Sonne wollte....und evtl sollte man dort auch ein bisschen angeln können. Malta war damals noch ziemlich unbekannt und ein echtes Schnäppchen....ich glaube nichmal 300€ für eine Woche Halbpension mit Flug!
14 Tage später kam ich abends im Hotel in Marfa, im Norden der Hauptinsel an und musste natürlich noch direkt einen Blick in den kleinen Hafen vor der Haustür riskieren. Dort angelten grade einige Einheimische auf Kalmar....im Winter eine sehr lohnende Sache wie ich später feststellte. In den nächsten Tagen hab ich dann die nördliche Halbinsel mit der Spinnrute erkundet und habe dabei wohl Plätze gesehen, die selbst die meisten Malteser nicht kennen wie mein späterer Angelkumpel Joe mal sagte.
Die ersten Erfolge kamen schnell mit Eidechsenfischen & Schriftbarschen....naja, was mal als ahnungsloser Touri halt so fängt wenn man das erstmal am Mittelmeer angelt.
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Am dritten Tag gings zum Fähranleger in Cirkewwa, wo die Fähre nach Gozo ablegt....viele Angler, tiefes Wasser und eine ordentliche Strömung, das sah gut aus. Die letzten Meter zum Spot stellten sich aber als sehr abenteuerlich heraus. Wie ich noch lernen sollte, ganz normal für Malta denn die Inseln bestehen aus Kalkstein das durch Regen und Brandung zu bizarren, klingenartigen Strukturen erodiert wurde...."Ahrax" sagen die Malteser dazu, was soviel wie "rauer Fels" bedeutet....leicht untertrieben würde ich sagen. Wenn man hier stürzt sind Fleischwunden noch das harmloseste....an manchen Stellen weißt du, hier biste Tot wenn du fällst! Fit sollte man sein und festes Schuhwerk ist Pflicht und ein ordentlicher Muskelkater vom klettern und balancieren ist an den ersten Tagen fast garantiert. So wie ich es auch aus Norwegen kannte hab ich angefangen mit schwerem Mefobesteck zu spinnen und hab auf Makrelen gehofft....irgendwann kam tatsächlich ein Biss nur was dann kam, damit hatte ich nicht gerechnet. Die vermeintliche Makrelen hat den Turbo geschaltet und ich musste sogar über das unwegsame Gelände hinterher weil sie um die nächste Ecke gezogen ist! Nach ein paar Minuten war es dann aber soweit und ich hatte tatsächlich meinen ersten Bonito gelandet....mit vielleicht einem Kilo eher klein aber ich war tief beeindruckt von der Kraft die dieser Fisch hatte.
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Das war wohl der Moment, in dem ich wusste, im warmen geht noch mehr....Norwegen sieht dich so schnell nicht wieder! Leider war der Rest des Urlaubs recht stürmisch und bis zu 5m hohe Wellen machten das angeln am Fähranleger unmöglich....ich hab die Zeit genutzt ein paar Angelläden zu besuchen und im Netz zu recherchieren. Zum Glück gab es damals schon das Malta Fishing Forum und was ich dort sah, machte die Sache erst richtig spannend. Der nächste Trip wurde noch vom Hotel aus für den Herbst gebucht und kaum zuhause, ging auch schon die Vorbereitung los....das Forum war nicht so groß unseres hier und nach ein paar Tagen hatte ich es wohl komplett durchgelesen....scheinbar gab es nur eine Handvoll Spinnfischer dort aber die schienen gut zu fangen....aber immer wenn es spannend wurde wechselte die Sprache von Englisch zu Malti und ich war raus.
Egal, der Herbst kam und die Felsen in Cirkewwa wurden mein neues Zuhause und dank der Vorbereitung stellte sich auch direkt Erfolg ein. Kleine Amberjacks und Barracuda waren die tägliche Beute in diesem Trip.
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Ein Jahr später war ich wieder da und hatte dank Google Maps schon eine genaue Vorstellung welche Spots ich diesmal befischen wollte....ausserdem hatte ich inzwischen übers Forum Joe kennengelernt, ein genauso verrückter Spinnangler wie ich und ein echt feiner Kerl der sich sogar Urlaub nehmen wollte wenn ich da bin. Zusammen haben wir dann am ersten Abend die Nordost-Spitze am Blue Hole befischt....das Gebiet wird auch Ahrax tal-Mellieha genannt und ist der absolut "raueste" Landstrich den ich je gesehen habe. Zwei schöne Bluerunner und noch einen weiteren verloren, war das Ergebnis....unglaublich kräftige Fische die gleichgroße Bonitos wie Schwächlinge wirken lassen und die einzigen Vertreter der Gattung Caranx in Europäischen Gewässern....die Verwandtschaft mit Caranx ignobilis, dem GT, is nicht zu übersehen.
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Am nächsten Tag ging es für mich in die Hauptstadt Valletta, Joe wollte mir einen guten Angelladen zeigen und danach noch zu einer Stelle ganz im Süden der Insel. Das AnglersCenter ist super sortiert und der Chef ein netter Kerl der immer einen Tip hat was grade geht.
Weiter ging es nach Wied iz-Zurriq, eine gut zugängliche Stelle mit Parkplatz und 25m Wassertiefe in Wurfweite.... Es waren schon ein paar Locals am spinnen....bzw Shorejigging mit leichtem Gerät aber gefangen hatte noch keiner was. Wir legten los und plötzlich kam ein ganzer Trupp Baby-AJs hoch, einer biss auch aber stieg recht bald wieder aus....jetzt hieß es dran bleiben und nach ein paar Würfe war bei mir die Rute krumm und die Schnur flog nur so von der Rolle....das hochfrequente Rütteln ließ mich hoffen und kurz darauf wurde es zur Gewissheit, ich hatte meinen ersten Little Tunny gefangen!
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Ich bestaunte den wunderschön schillernden Fische aber Joe sagte nur, keep casting, keep casting und so dauerte es nicht lange und der nächste hing am Haken. Als dann in der Dämmerung noch ein schöner Bluerunner einstieg war der Tag perfekt. Joe wollte mich am nächsten Morgen um 3uhr morgens abholen damit wir einen guten Platz kriegen, denn der Spot an den wir wollten sollte einer der beste der Insel sein und es war Sonntag. Es ging nach Qammieh eine große Bucht an der Westküste, praktisch genau gegenüber der Mellieha Bay....hier sollten gute Tunnies gefangen werden. Der Weg runter zum Spot führt ungefähr 50m einen bröckeligen sandigen Steilhang hinab aber wir waren tatsächlich die ersten 3, Joe's Kumpel Kevin war auch mit dabei....im Dunkeln war die Stelle irgendwie gruselig, man steht fast wie auf einer Spundwand ungefähr 2m über dem Wasser und die Wellen laufen parallel daran vorbei, dazu kein Licht weit und breit und 40-60m Wassertiefe vor den Füßen! Das frühe aufstehen war gut denn innerhalb der nächsten Stunde kamen bestimmt noch 10 andere Locals und so standen wir in der Nacht schön verteilt an der Kante....immer wieder wurden Barracudas gefangen....alles schöne Fische mit 80cm+ und als es langsam hell wurde kamen die Tunnies.
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Jeder fing an dem Tag seine Fische, Joe hatte auch noch einen kleinen Grouper und einen guten Fisch verloren....unglaublicher Platz und eine unglaubliche Landschaft mit vielen kleinen runden Buckeln und riesigen Felsbrocken....nur der Weg den Berg wieder hoch in praller Sonne....das war nich so doll. Klar das ich dort am nächsten Tag wieder hin wollte....
Joe sagte noch, pass gut auf dich auf, es ist Montag und du bist wahrscheinlich ganz allein da unten. So war es dann auch und nachdem ich mich im dunkeln erstmal schön verlaufen habe war ich zum Sonnenaufgang am Spot. Ich wollte noch mehr Tunny....die geben ein tolles Sashimi. Den Jig rausgefeuert und los geht's, gleich beim ersten Wurf kommt der Einschlag im Mittelwasser und ich denke noch, cool...sie sind wieder da, doch im nächsten Moment bricht die Hölle los die 100g Rute biegt sich zum Halbkreis und die Schnur fliegt unter kreischender Bremse von der Rolle! Der Fisch will direkt zum Grund und ich kann nix dagegen tun, mir stehen die Haare zu Berge und Adrenalin schießt mir ins Blut, ich zittere am ganzen Körper, was hab ich da nur gehakt?
 
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Kommentare

Toller Bericht!
Vielen Dank fürs erstellen - hat großen Spaß gemacht, ihn zu lesen!
 
Das ist wieder mal ein spannender und informativer Bericht von Dir. Als Sahnehäubchen gibt es noch Fotos von schönen Fischen obendrauf.
Klasse!

Gruß

Tomasz
 
Ein wirklicher toller Bericht. Vielen Dank dafür.Sehr schöne Bilder hast du gemacht.thumbsup
 
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