Neue Kormoranverordnung: Keine Gnade für die Äsche

Pressemitteilung des Angelverband Niedersachsen

Neue Kormoranverordnung: Keine Gnade für die Äsche - Anglerverband fordert klares Bekenntnis zum Fischartenschutz

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Scharfe Kritik üben die Fischexperten vom Anglerverband Niedersachsen e.V. (AVN) an der Verkürzung der Jagdzeit für den Kormoran und fordern Ausnahmegenehmigungen für die Bejagung auch in Schutzgebieten. Nur, wenn eine Bejagung im März weiterhin möglich sei, könne man die stark gefährdete Äsche vor dem Aussterben schützen. Monatelang hatte der Verband für einen besseren Schutz bedrohter Fischarten beim Ministerium für Umwelt geworben - jetzt stößt dem AVN die Neufassung der Kormoranverordnung in Niedersachsen sehr bitter auf.

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Sie ist wunderschön, in Niedersachsen aber stark gefährdet: Rote Liste 2, Bestandstrend: negativ - die Äsche.
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Kaum jemand kennt die elegante Lachsverwandte mit der prächtigen Rückenflosse, die einst so häufig war, dass eine ganze Fließgewässerregion nach ihr benannt wurde. In der "Äschenregion" liegen Mittelgebirgsflüsse wie Rhume, Oker, Leine und Ilme im Süden Niedersachsens oder die Heidegewässer Seeve, Ilmenau, Böhme und Örtze - sie gehörten zu den besten Äschengewässern des Landes. Nicht umsonst wurden sie als "höchst prioritäre Gewässer" eingestuft. Noch heute sind sie in vielen Abschnitten strukturreich und ökologisch weitgehend intakt. Trotzdem sind ihre einstmals berühmten Äschenpopulationen um bis zu 95% eingebrochen.
"Wir können in Niedersachsen einen unmittelbaren Zusammenhang herstellen zwischen der europaweiten Zunahme der Kormoranpopulation und dem kurz darauf folgenden Rückgang unserer Äschenbestände", erläutert Dr. Matthias Emmrich vom Anglerverband Niedersachsen (AVN). Genauso sei es den Beständen in Bayern, Hessen, Thüringen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen ergangen: Der wachsende Fraßdruck einer wachsenden Kormoranpopulation habe die Äschenbestände nahezu überall bis auf ein Minimum dezimiert.

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Kormoran nicht mehr bedroht, aber massiv geschützt

Mehr als 1,1 Millionen Kormorane gibt es in Europa - die Art ist nicht mehr bedroht, wird aber trotzdem seit 1979 über die EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt. Eine Aufnahme in die Liste der jagdbaren Wildtiere wurde verhindert, ein effizienter Schutz von bedrohten Fischarten damit ebenfalls.
Gut 7.000 Kormorane halten sich im Winter in Niedersachsen auf. Jeder frisst pro Tag etwa 400-500g Fisch. In Dänemark erbeuteten Kormorane innerhalb von drei Wochen im Januar / Februar 75% der von Wissenschaftlern markierten Äschen eines mittelgroßen Fließgewässers. Die Forscher fanden die Marker unter Schlaf- und Ruhebäumen der Vögel.

"Der Spätwinter ist die kritische Zeit für den Schutz unserer Äschenbestände", weiß auch Dr. Matthias Emmrich. "Wenn Stillgewässer in der Umgebung im Winter zufrieren, weichen Kormorane zur Jagd auf Fließgewässer aus." Äschen seien dann eine leichte Beute: In Schwärmen sammeln sie sich vor Beginn der Laichzeit im Februar und März im flachen Wasser. Anders als Bachforellen und andere Fischarten suchen sie den Schutz des Schwarms und weichen so gut wie nie in Verstecke aus.

Genau in dieser kritischen Zeit hat das Umweltministerium auf Empfehlung seiner Fachbehörde, der Staatlichen Vogelschutzwarte, in der Neufassung der Kormoranverordnung jetzt die Bejagung untersagt. Aufgrund klimatischer Veränderungen beobachte man, dass in Niedersachsen mehr Kormorane früher mit der Brut begönnen, so die Staatliche Vogelschutzwarte. Eine Bejagung ist ab 2020 nur noch bis zum 28.02. möglich. Dabei hatten die Abschüsse in der Vergangenheit nachweislich keinen negativen Effekt auf den Brutbestand in Niedersachsen oder deutschlandweit. Man hätte also ohne Gefährdung des Kormorans an der bestehenden Jagdzeit festhalten können.

Vogelschutz vor Fischschutz!

"Wieder einmal geht Vogelschutz vor Fischschutz - und das 2019, das kann doch nicht sein!" beschwert sich Werner Klasing, Präsident des AVN, und erläutert die Misere: "Um Wiesenvögel in Schutzgebieten angemessen zu schützen, sanktioniert und finanziert (!) der NLWKN die Jagd auf Beutegreifer wie Fuchs, Wiesel, Marder & Co, und zwar ganzjährig, ohne Rücksicht auf deren Trag-, Wurf- und Aufzuchtzeiten. Und mit dem nächsten Atemzug verwehrt die Oberste Naturschutzbehörde bedrohten Fischarten diesen Schutz - von den finanziellen Mitteln gar nicht zu reden. Sind unsere heimischen Fische der Landesregierung wirklich so wenig wert?"

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Anglerverband fordert Ministerialerlass und Schutzkulisse


Jetzt brauche es vor Jahresende einen Ministerialerlass, der das Erteilen von Ausnahmegenehmigungen für die Bejagung in Schutzgebieten empfehle und erleichtere, so Klasing: "Hier kann der Umweltminister endlich beweisen, dass ihm Fische nicht egal sind!"
Bislang verweigerten die meisten Unteren Naturschutzbehörden diese Genehmigungen auf Anfrage von Angelvereinen oder stellten hohe Geldbeträge und lange Bearbeitungszeiten für die Bearbeitung in Aussicht, die viele Vereine abgeschreckt haben.

Dr. Matthias Emmrich: "Niedersachsen trägt für den Erhalt und den Schutz der Äsche eine bundesweite Verantwortung - genauso wie für den Rotmilan. Wenn es der Landesregierung damit ernst ist, brauchen wir zwingend diesen Erlass - zumindest für die Bejagung an den "höchst prioritären" Äschengewässern des Landes. Denn die liegen alle in Schutzgebieten."

Außerdem wirbt der Biologe für eine Schutzkulisse für die Äsche. Die würde die bedrohte Schönheit endlich auf das Silbertablett der Naturschutzbemühungen des Landes hieven - und genau da gehöre sie hin, so Emmrich. Sonst verliere Niedersachsen dank einer allzu einseitigen Naturschutzpolitik bald ein echtes Juwel seiner heimischen Gewässer.

Info: Kormoranverordnung

Die Kormoranverordnungen der Länder (KVO) regeln die Bejagung - letale Vergrämung - des Kormorans im Einzugsbereich fischereilich bewirtschafteter Gewässern und Fischzuchtanlagen / Teichwirtschaften.
In Niedersachsen dürfen erwachsene Kormorane in einem Radius von 500 m um bewirtschaftete Gewässer ab sofort nur noch im Zeitraum vom 21. August bis 28. Februar, subadulte Vögel (weiße/helle Brust) ganzjährig bejagt werden.


Jagdberechtigte müssen umfangreiche Abschussberichte abliefern.


Die KVO in Niedersachsen galt bislang für jeweils fünf Jahre, lief am 31.12.2016 aus und wurde anschließend zunächst um drei Jahre verlängert mit der Auflage, die Wirksamkeit der darin festgeschriebenen Management-Maßnahmen zu prüfen.
Der AVN hat den Evaulierungsprozess aktiv begleitet und im Rahmen der Verbandsbeteiligung Kritk an der Verkürzung der Jagdzeiten geübt, der nicht stattgegeben wurde. Die Neufassung der KVO tritt am 01.01.2020 in Kraft.


Anmerk. der Redaktion: Im Anhang findet Ihr noch die komplette Stellungnahme des Angelverband Niedersachsen

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Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Hi,
Ich bezeichne mich selber auch als Naturfreund, und mir würde im Traum nicht einfallen irgend eine Tier, egal ob Vogel, Fisch, oder sonst was auszurotten.

Jedoch ist es sehr einleuchtend, dass in der Natur ein ausgewogenes Verhältnis herrschen muss / soll - damit nichts aus den Fugen gerät.
Wenn die natürlichen Feinde nicht da, oder nicht zahlreich genug sind, sollte man von einem intelligenten Individuum meinen, er besitze die Vernunft regulierende Eingriffe zuzulassen - und wenn die Rolle dem Menschen zufällt - warum nicht.

Vielleicht sollte man mit dem Vogelschutz und Politik eine gemeinsame Aktion durchführen, an einem relevanten Vergleichsgewässer.
- Bestandsermittlung durch Elektrobefischung (alle dortigen Fischarten)
- gemeinsamen Fischbesatz
- Kormoranzählung übers Jahr
- Fischentnahme durch Angler unterbinden z.B. einjährige Schonung
- Situationsermittlung durch Elektrobefischung. (alle dortigen Fischarten)

Es wäre sogar einleuchtend, das an manchen Kleingewässern keiner dieser Vögel tragbar ist, an manchen geringe Mengen, und an großen Gewässern mehr.
Aber man kann dem Ergebnis nicht vorneweg greifen. Der Ausgang ist offen.

Man möchte meinen, durch ein freundschaftliches Miteinander sollte man Einsicht erzeugen.

Sehr fraglich, wie beim Artenschutz zwischen Vogel und Fisch unterschieden wird?
Ob nicht der einseitige Schutz ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz ist ,wenn dieser andere Arten gefährdet.

Vergrämen ist nicht zielführend, das Problem wird nur Verlagert.
 
Hi,
Ich bezeichne mich selber auch als Naturfreund, und mir würde im Traum nicht einfallen irgend eine Tier, egal ob Vogel, Fisch, oder sonst was auszurotten.

Jedoch ist es sehr einleuchtend, dass in der Natur ein ausgewogenes Verhältnis herrschen muss / soll - damit nichts aus den Fugen gerät.
Wenn die natürlichen Feinde nicht da, oder nicht zahlreich genug sind, sollte man von einem intelligenten Individuum meinen, er besitze die Vernunft regulierende Eingriffe zuzulassen - und wenn die Rolle dem Menschen zufällt - warum nicht.
Ich zitiere man nur den ersten Teil deines Posts und sage gleich dazu, dass ich den zweiten Teil weitestgehend mitgehe.Nun aber zum letzten Satz des ersten Teils:

Der Versuch den Kormoran auszurotten, hat nicht nur in Deutschland eine Jahrhunderte alte Geschichte. In Mitteleuropa sicherlich ausgelöst durch die Jahre 1618-1648 und deren gebietsweise bis ins 18. Jahrhundert reichende exestenzielle Folgen. Wenn die Lebensumstände dermaßen bedrohlich sind, dass eine Kormoran-Kolonie tatsächlich über Leben und Tod entscheidet, kann ich das auch Nachvollziehen. Im weiteren Verlauf wurde nicht nur an der Praxis festgehalten, sondern diese sogar noch professionalisiert, zunehmend getrieben durch wirtschaftliche Gründe. Anfang des 20. Jahrhunderts hat man es ja quasi auch geschafft die Art zu eleminieren.
Der Kormoran-Bestand wurde also über mindestens 300 Jahre irgendwo zwischen gering und 0 gehalten. Auch dadurch brach natürlich der Teil der Nahrungskette über dem Kormoran weg. Nach mehreren Jahrhunderten stellt sich das einstige Gleichgewicht nun leider nicht mehr von heute auf morgen ein. Glücklicherweise gibt es die großen Raubvögel aber noch, wenn auch nur in geringer Verbreitung in ausgewählten Gebieten.

Ich bin wirklich glücklich darüber, dass der alte Reflex, den Kormoran auszurotten, zumindest bei den politisch handelnden Personen nachlässt. Was das momentan gebietsweise für de Fischpopulation bedeutet, ist nicht schön, ganz aktuell kommen entsprechende Berichte vom Bodensee. Trotzdem muss hier der Mensch endllich mal die Füße still halten und Geduld zeigen. Die Folgen von mehrenen Jahrhunderten gravierendem Fehlverhalten korrigieren sich nicht über Nacht und wahrscheinlich auch nicht innerhalb eines Jahrzehnts.Trotzdem ergibt 2x Falsch nicht 1x Richtig. Allenfalls können die menschgemachten Fehlentwicklungen in der Nahrungskette oberhalb des Kormorans behutsam korrigiert werden.

Berichte über Kormorane und Äschen gehen mindestens bis in die Antike zurück. Es gab beide Arten gut zwei Jahrtausende ohne Kormoran-Management. Nach gut 300 Jahren flächendeckender Bestandsreduktion hat sich eine Situation eingestellt, in der sich das Aussetzen der Reduktion signifikant auf die Fischwelt, u.a. den Äschenbestand auswirkt (es muss aber auch festgehalten werden, dass die Äsche in manchen Gebieten schon vor der Rückkehr der Kormorane auf dem absteigenden Ast war). Hier kann doch die Antwort auf gar keinen Fall heißen, den offensichtlichen Fehler weiter zu begehen. Die Moral der Geschichte kann nur sein, dass die Natur langfristig Lösungen findet. Wenn wir nicht die Geduld haben, diese abzuwarten, ist der einzige sinnvolle Ansatz, die stabile Situation vor dem menschlichen Eingriff zu analysieren und versuchen dieser Situation näher zu kommen. Dazu gehört nicht nur Adler, Uhu und sonstiger Räuber, sondern auch der Blick auf Gewässerstrukturen, Auswirkungen der Optimierungsversuche in der Landwirtschaft auf Insekten, etc.
 
Berichte über Kormorane und Äschen gehen mindestens bis in die Antike zurück. Es gab beide Arten gut zwei Jahrtausende ohne Kormoran-Management. Nach gut 300 Jahren flächendeckender Bestandsreduktion hat sich eine Situation eingestellt, in der sich das Aussetzen der Reduktion signifikant auf die Fischwelt, u.a. den Äschenbestand auswirkt (es muss aber auch festgehalten werden, dass die Äsche in manchen Gebieten schon vor der Rückkehr der Kormorane auf dem absteigenden Ast war). Hier kann doch die Antwort auf gar keinen Fall heißen, den offensichtlichen Fehler weiter zu begehen. Die Moral der Geschichte kann nur sein, dass die Natur langfristig Lösungen findet. Wenn wir nicht die Geduld haben, diese abzuwarten, ist der einzige sinnvolle Ansatz, die stabile Situation vor dem menschlichen Eingriff zu analysieren und versuchen dieser Situation näher zu kommen. Dazu gehört nicht nur Adler, Uhu und sonstiger Räuber, sondern auch der Blick auf Gewässerstrukturen, Auswirkungen der Optimierungsversuche in der Landwirtschaft auf Insekten, etc.
Natürlich kann man die Natur "einfach machen lassen". Am Ende gibt es Gewinner und Verlierer oder irgendwo stellt sich ein Gleichgewicht ein. Die Bestandsexplosionen des Kormorans lassen sich recht einfach erklären: Super Nahrungsangebote durch landwirtschaftliche Fischzucht und fehlende Fressfeinde. Jetzt kann man entweder hergehen und den Fischbauern erklären, dass sie ihre Weiher zuschütten sollen (Unterstände für Fische etc. sind in diesen 0,5m tiefen Tümpeln nämlich nicht umsetzbar) oder man kann einen Kompromiss suchen. Und schon sind wir wieder beim Kormoran-Management. Wir leben nämlich nicht mehr in einem Land mit natürlichem Gleichgewicht, sondern in einem hochindustrialisierten Land mit intensiver Landwirtschaft und dichter Bevölkerung.

Die von den Grünen unterstützte Initiative "Wald vor Wild" (https://www.jagderleben.de/news/gruene-fordern-nachtzieltechnik-reh-rotwild-bayern) geht genau in die gleiche Richtung: Hege, da die natürlichen Mechanismen zur Herstellung eines Gleichgewichts nicht mehr funktionieren.

Es geht nicht um die Ausrottung des Kormorans. Es geht um Bestandsmanagement. Ich habe heute in meinem Angelverein einen großen Weiher mit 1200 gut abgewachsenen Karpfen abgefischt. Besetzt wurde vor 2 Jahren 2000 K1. Noch vor 10 Jahren wäre das Ergebnis des Abfischens nicht über 500 Fische gewesen, eher weniger. Die verbesserte Situation ist einzig und allein auf das Kormoran-Management mit gezieltem Abschuss von 1500 Tieren in Mittelfranken zurückzuführen.

Das Beharren auf Maximalforderungen bringt uns hier nicht weiter, in der einen wie der anderen Richtung. Es gab letztens erst Kritik an der Betriebskantine, in der ich esse, dass die Preise für Karpfenfilets stark gestiegen sind (8,20 € für Betriebsangehörige). Die Begründung war u.a. hohe Nachfrage und hohe Bezugspreise. Die Stimmung wird sich sicherlich nicht pro Kormoran (und entsprechende Parteien) entwickeln, wenn der Einkauf den Kormoran für fehlenden Nachschub und hohe Preise verantwortlich machen würde.

Beim Wolf geht die Entwicklung in eine ähnliche Richtung. Irgendwann ist die Schmerzgrenze des Vertretbaren erreicht und der Mensch greift ein, um seine Interessen zu schützen.
 
Wenn wir nicht die Geduld haben, diese abzuwarten, ist der einzige sinnvolle Ansatz, die stabile Situation vor dem menschlichen Eingriff zu analysieren und versuchen dieser Situation näher zu kommen.
Ja sicher....:D

Wir lassen die ganz Kulturlandschaft, die uns ernährt, verkommen und verwildern, damit der Kormoran es so hat wie früher.

Es wird immer lustiger, was sich "Vogelschützer" so ausdenken.

Man kann keine Situation von vor tausend Jahren wieder herstellen, ohne die Menschen und was sie erbaut und angelegt haben wieder abzuschaffen!

Der Kormoran gehört dezimiert auf ein Maß, welches seiner Art zum Überleben reicht - mehr sind nicht notwendig!

Die unkontrollierte Vermehrung und damit verbundene Vernichtung von schützenswerten, wildlebenden Fischstämmen und anderen,

muss schleunigst beendet werden,

Dass der Naturschutz bei den Vogelfetischisten(der sogenannten Naturschutzverbände) an der Wasseroberfläche aufhört, ist ja inzwischen allseit bekannt!
 
Hallo,

die stabile Situation vor dem menschlichen Eingriff zu analysieren
Wie soll das gehen? Wo sollen da belastbare Quellen z.B. zu Kormoranbeständen und Äschenpopulation herkommen?

Die Nachricht, dass schon Hildegard von Bingen über Kormorankolonien im Rheingau berichtet hätte, ist doch längst als Fake-News entlarvt.
Wird aber natürlich brav weiter verbreitet, auch von staatlichen Stellen.

In Bayern gibt es m.W. keine Nachweise für Kormorankolonien vor Beginn der Industrialisierung.

Es gibt aber z.T. genaue Zahlen über die Entwicklung der Äschenbestände in einigen Gewässerstrecken, z.B. Dorfen, vor Einfall der schwarzen Geschwader und danach. Wenn da übern Winter 60% - 80% der Fischbiomasse verschwindet und sich außer dem Fraßdruck nichts am Habitat verändert hat, kommt man als Laie schon zu dem Schluss, dass die schwarzen Vögel dem Bestand nicht gut tun. Die Äschen dort wurden m.W. auch nicht beangelt, da sie als Reservoir für die Nachzucht dienten.

Natürlich kann man argumentieren, dass es vor dem Kormoraneinfall einfach viel zu viele Äschen gab und jetzt Normalzustand herrscht.

Ich hab aber schon in Nordamerika und Sibirien in abgeschiedener Wildnis gefischt, weitab von den Küsten und Kormoranen, und was sich da an Äschen in den Flüssen tummelte, war kaum zu glauben.

Ich denke auch, wenn die Äschen schon immer dem Fraßdruck der kormorane ausgesetzt gewesen wären, hätten sie ihre lebensweise längst angepasst und würden nicht mehr gruppenweise im Freiwasser stehen, wo sie leichte Beute für die schwarzen Vögel sind.

Dass der Naturschutz bei den Vogelfetischisten(der sogenannten Naturschutzverbände) an der Wasseroberfläche aufhört, ist ja inzwischen allseit bekannt!
Wenn man sich so einige Aktionen, wie z.B. das Ablassen des Schweinsberger Moores um die Fische ersticken zu lassen, Forderungen nach Abschuss von säugenden Füchsinnen in der Schonzeit etc. etc. , anschaut, kann man sich dieses Eindrucks kaum erwehren.

Wobei man da nicht alle Naturschützer über einen Kamm scheren sollte.

Es geht nicht um die Ausrottung des Kormorans. Es geht um Bestandsmanagement.
So ist es. Mir wäre es lieber, wenn es durch Maßnahmen in den Brutkolonien einfach deutlich weniger dieser Vögel gäbe. Denn Abschüsse helfen nur begrenzt und lokal, verlagern dann die Probleme an die Gewässer wo nicht vergrämt werden kann oder man nicht darf.
 

Ich denke auch, wenn die Äschen schon immer dem Fraßdruck der kormorane ausgesetzt gewesen wären, hätten sie ihre lebensweise längst angepasst und würden nicht mehr gruppenweise im Freiwasser stehen, wo sie leichte Beute für die schwarzen Vögel sind.
Und ihr Laichverhalten hätte sich auch völlig anders entwickelt.

Und dass die Jagd nichts oder nur wenig bewirken würde, halte ich für falsch, schließlich wurden die Bestände jahrhunderte lang durch die Jagd klein gehalten.
Allerdings wurde der Kormoran nie, wie häufig behauptet, bis an seine Existenzgrenze bejagt oder gar fast ausgerottet. Sonst wäre seine explosionsartige Vermehrung in den 80gern gar nicht möglich gewesen.
 
Hallo,

Und dass die Jagd nichts oder nur wenig bewirken würde, halte ich für falsch,
Dort wo regelmäßig vergrämt wird, bringt das schon was. Allerdings suchen die schwarzen Geschwader dann halt Gewässer auf, wo eben nicht vergrämt wird. Das hat der LFV Bayern an zwei benachbarten Isarstrecken dokumentiert. An einer durfte nicht vergrämt werden, das Ergebnis kann man sich denken.

Deshalb wäre ein Bestandsmanagement in den Brutkolonien wohl der bessere Weg. Ob und wie das machbar wäre kann ich allerdings nicht beurteilen.
 
Die Nachricht, dass schon Hildegard von Bingen über Kormorankolonien im Rheingau berichtet hätte, ist doch längst als Fake-News entlarvt.
Wird aber natürlich brav weiter verbreitet, auch von staatlichen Stellen.
Es gibt über die fragwürdige Erwähnung der Hildegard v. Bingen zum Kormoran hinaus, noch etliche weitere Beschreibungen des Vogels bezüglich seines Vorkommens in Zentral Europa, auch als Brutvogel im Binnenland.
Dies zu ignorieren ist in der Diskussion nicht zielführend!
Ich habe dies in früheren Zeiten leider auch getan und den Kormoran im Mittelalter, im Binnenland als Brutvogel bestritten, nicht jedoch als Durchzügler/Winterzieher.

Hier sind einige Beobachtungen, Beschreibungen aus früheren Zeiten aufgelistet.

https://www.academia.edu/35106368/_Der_Kormoran_ist_kein_einheimischer_Vogel._

Jürgen
 
Hallo,

Dies zu ignorieren ist in der Diskussion nicht zielführend!
Wer hat das getan?

Nachweise über Brutkolonien in Bayern vor dem 18. jahrhundert sind mit trotzdem nicht bekannt, auch keine Zahlen von mehreren tausend Wintergästen.

Ist außerdem egal, denn offiziell wird der Kormoran als heimische Art betrachtet.

Den Status will ihm keiner nehmen, nur über die Bestandsdichte soll man sich Gedanken machen.

Rehe sind auch eine heimische Art, und da gibt es ja sogar Abschussvorgaben für die Jäger.
 
Hallo,
wie ist jetzt das, wenn der Kormoran Gräben / Bäche / kleine Flüsse leerfischt, dezimiert er dann auch automatisch die großen Flüsse, weil die von dort in die kleinen einziehen?
 


Und dass die Jagd nichts oder nur wenig bewirken würde, halte ich für falsch, schließlich wurden die Bestände jahrhunderte lang durch die Jagd klein gehalten.
Ist vielleicht ne Frage des Begriffs. Jagd (also das Schießen der Vögel) könnte nur dann den Bestand senken, wenn sie sehr intensiv und flächendeckend (also europaweit, da die Kormorane weit ziehen. So, wie es derzeit praktiziert werden darf, sind es lediglich Vergrämungsabschüsse. Wenn z. B. an einer Teichwirtschaft ständig Druck gemacht wird, meiden die Vögel die Gewässer etwas und ziehen halt woanders hin. Am Bestand ändert das so gut wie gar nichts. Das war auch früher nicht anders.

Wie hier schon mehrfach geschrieben, wäre es recht einfach umzusetzen, den Bruterfolg einzuschränken. Das ist dann aber keine Jagd. I
 
Der Kormoran ist ebenso Opportunist wie wir, die am leichtesten abgreifbare Biomasse befindet sich in den Teichwirtschaften, sicherlich haben die derzeitigen Großbestände auch was mit diesem Überangebot zu tun. Dazu kommen die ganzen von Angelfischern bestückten und gehegten Angel- und Vereinsgewässer.
Werden diese leichtzugänglichen Nahrungsquellen verbarrikadiert, es wird verbrämt/bejagt oder der Zugang ist sonstwie erschwert (Eis), erledigen die Jagdabteilungen innerhalb weniger Tage bis dahin (soweit heutzutage möglich) ökologisch ausgeglichene Fischgemeinschaften.
Die Äsche in der Ilmenau (Jasdorf bis Stadt LG) ist bei uns auf minimalem Stand (hoffentlich noch???), Fänge gibt es praktisch nicht mehr, wenn im Rahmen der Reinigungskampagne in der Stadt die Altstadtseite abgelassen wird, hat man ab und zu noch ein paar 1-2 jährige gefunden.
Insgesamt halte ich hier aber weniger die winterlichen Raubzüge für ausschlaggebend als den relativ hohen Dauerfrassdruck durch die Brutkolonien in der Nähe der ökologisch wertvollsten Gewässerstrecken.
Seitdem auch die direkte Nährstoffzufuhr über Landwirtschaft und Kläranlagen spürbar nachgelassen hat, sind ja auch in vielen Flüssen des Flachlands die grossen Bestände an Weißfisch etc. nicht mehr vorhanden, somit plündert an den nicht intensiv bewirtschafteten (naturnahen) Gewässern eine gepäppelte große Räuberschar eine geringer gewordene Basis an verfügbarem Fisch.
An einer Regulierung der Kormoranbestände führt eigentlich kein Weg vorbei, Die Äsche als Vogelfutter zu verheizen, ist eine absolute Schande.
 
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