Neues Bag-Limit für Dorsch – ein Kurzinterview mit Olaf Lindner vom DAFV

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Vor ein paar Tagen habe ich, in der Schweriner Volkszeitung gelesen, daß das Baglimit für Dorsch in der westlichen Ostsee auf 7 angehoben wird. Soweit so gut! Allerdings wurden die Quoten für Dorsch für die Berufsfischerei, in der westlichen Ostsee, ebenfalls deutlich erhöht(+70%). Außerdem entfällt die Dorschschonzeit, in den Monaten Februar und März! Die Heringsfangquote wird in der westlichen Ostsee um 48% erneut reduziert.
Meine Befürchtung ist , 2019 wird ein schlechteres Angeljahr, auf Ostseedorsch, vor Allem durch den Wegfall der Schonzeit im Februar und März, aber auch weil übers Jahr verteilt 70% mehr Dorsche rausgefischt werden dürfen.
Was meint Ihr? Gern auch die Meinungen der Kutterkapitäine unter uns!
Petri
thomas19
 
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Kommentare

Ich denke auch, dass es eine Chance wäre, mit der westlichen Ostsee ein Musterprojekt zu starten und zu zeigen, wie sinnvoll mit der Ressource Fisch umgegangen und sogar volkswirtschaftlich größerer Nutzen daraus gezogen werden kann.

Schleppnetze verbieten, nur noch umweltschonende Fangmethoden zulassen, ein Tagesfanglimit für Küstenfischer oder eine Begrenzung der Bootsgröße, so dass sie ihren Fang zu Höchstpreisen direkt an den Endabnehmer verkaufen können und nicht den Überschuss auf Grund der Verderblichkeit verramschen müssen.
Drakonische Strafen gg. alle Berufsfischer die mit Ihrem Trawler ein Schleppnetz hinter sich herziehen, das auf Jahre die Ostsee an dieser Stelle "tötet". Am besten direkt vor Ort versenken (künstliches Riff).

So uninteressant, wie der Dorsch in der westlichen Ostsee angeblich für den Weltmarkt und auch schon für den deutschen Markt sein soll, sollte es doch kein Problem sein, vollständig auf ihn verzichten zu können und ihn nur noch lokal zu handeln, direkt an der Küste.

Macht man aus den Schutzzonen gem. Bundesgesetzblatt N. 63 vom 27. September 2017 Bundesgesetzblatt N. 63 vom 27. September 2017 (ttps://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?start=%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl117s3405.pdf%27%5D#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl117s3395.pdf%27%5D__1540288595086) in denen alles erlaubt ist, selbst die schädlichsten Nutzungsmöglichkeiten, außer eben Freizeitangeln, ein großes "NSG Westliche Ostsee", statt dieser Alibi-Gebiete für den schönen Schein, bin ich mir sicher, dass das bestens funktionieren würde und S-H und M-V davon immens profitieren würden. Nur sollte dann in der Verordnung eben stehen, dass man jeglichen Raubbau an der Natur verbietet und nur die umweltschonensten Bewirtschaftungsformen erlaubt. Das verstehe ich übrigens unter einem "Naturschutzgebiet". Diesen Titel dürften die aktuellen Verordnungen gar nicht tragen, da sie absolut irreführend sind.
 
Umgekehrt sollte ein Schuh daraus werden: Nicht der ungebremste Raubbau zieht höhere Preise nach sich, sondern (zum Nutzen aller) Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit.

Auf die Feststellung, daß Durchschnittsfamilien sich nur noch einmal pro Woche biologisch einwandfrei produziertes Fleisch würden leisten können, antwortete der von mir hochgeschätzte Vincent Klink unlängst mit einem Schulterzucken: "Ja und?"
Sollte! Wird aber nicht, jedenfalls ist mir kein Fall bekannt wo dies jemals funktioniert hätte und schon gar nicht wenn man kurz- und mittelfristig etwas ändern möchte. Wenn Bahnfahren teurer ist als hoch subventioniertes Fliegen interessiert es eben niemanden was das für eine Sauerei ist. Einen persönlichen, sofort erkennbaren Mehrwert gibt es eben nicht, also wird weiter geflogen. Das kann auch der Vincent nicht ändern, denn es wird ja nur etwas bewirkt wenn das billige Fleisch vom Markt verschwindet, ansonsten bleibt es eben bei unter 2% Marktanteil, was wahrscheinlich global betrachtet ungefähr dem Anteil entspricht, die sich das leisten wollen oder können. Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit scheint eben in Masse ein sehr untergeordnetes Kaufargument, dies zieht nur wenn die Entscheidung zwischen 2 ähnlich teure Produkten vergleichbarer Qualität fallen muss. Ganz unproblematisch ist das am Ende natürlich dann nicht, wenn für die meisten Menschen dann aufgrund der Einkommenssituation nur noch die Entscheidung zwischen kaufen und nicht kaufen liegt aber das führt hier jetzt zu weit.
 
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So uninteressant, wie der Dorsch in der westlichen Ostsee angeblich für den Weltmarkt und auch schon für den deutschen Markt sein soll, sollte es doch kein Problem sein, vollständig auf ihn verzichten zu können und ihn nur noch lokal zu handeln, direkt an der Küste.
Das ist begrüßenswert aber eben total idealistisch und abgehoben von der Realität und menschlichen Verhaltensweisen. Parallelmärkte werden nicht funktionieren. Der Gastronom und der Fischhändler denken an ihre Marge und der Verbraucher an seine Geldbörse. Man kann niemanden zwingen diese Produkte zu kaufen. Das mag im Einzelfall anders sein aber nicht en masse. Eine Regulierung wird nur über den Preis funktionieren indem man schlechte Produkte flächendeckend verteuert (Einpreisung aller weichen Faktoren und Folgekosten), um den guten ein Chance am Markt zu geben. Ich sehe keine Möglichkeit dies in globalen Märkten umzusetzen ohne die EU-Fischerei, wie wir sie heute kennen, zu zerstören. Diese Entscheidung kann man treffen oder eben nicht. Im Moment wird alles getan um sie aufrecht zu erhalten mit den bekannten Folgen.
Ich gönne der nachhaltigen Fischerei auch höhere Preise wenn damit weniger Raubbau verbunden ist aber ich sehe keine Lösung die allen gerecht wird.
 
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Du hast mich nicht verstanden Bastido. Aktuell verkaufen die kleinen Küstenfischer nur den Dorsch zu Ramschpreisen an die Industrie, den sie nicht bei Ihren Kleinabnehmern loswerden, z.B. Restaurants, da er schnell verderblich ist. Verbannt man die großen Trawler mit Schleppnetzen, die nur an die Industrie verkaufen zu Niedrigstpreisen, kappt man damit die Quelle für günstigen Westliche Ostsee Dorsch und räumt allein den kleinen Küstenfischern die Möglichkeit ein, diese Ware anzubieten. Da ich davon ausgehe, dass die paar verbliebenen kleinen Küstenfischer mit Ihren Fangmengen unkritisch für einen Dorschbestand wären, der nicht mehr mit Schleppnetzen befischt wird, denke ich dies wäre eine Lösung. Das Problem ist nur, dass diese Trawler offensichtlich die stärksten Lobbyisten beschäftigen...
 
damit käme nur noch der unmittelbare Küstenbewohner oder Urlauber in den Genuss von Dorsch/Fisch.
Oder belieferst Du dann den Rest mit Schleppnetzdorschen aus anderen Regionen?

sorry, etwas Ironie
 
Nachvollziehbar, Deine Ironie. Aber leider ist es so, dass schon jetzt kaum jemand "bewusst" Dorsch aus der westlichen Ostsee kauft. Der Industrie ist es egal, woher sie ihn bezieht, Hauptsache günstig (<= 1€ pro Kilo) und der Kunde kauft außerhalb der Küstenregionen Dorsch ohne sich dessen Herkunft bewusst zu sein. Also ist Deine Aussage schon jetzt zutreffend, ohne dass sie aber den wünschenswerten Vorteil für die Region und die Ostsee hat. Eine Quelle, die ich auch schon einmal in einem meiner Posts genannt hatte, besagt, dass Du Dorsch aus der Westlichen Ostsee gezielt nur bis maximal Hannover beim Fischhändler Deines Vertrauens auf Bestellung kaufen kannst. Die aktuelle Fangmenge an Dorsch aus der westlichen Ostsee ist offenbar so gering, dass sie für den Markt keinerlei Rolle spielt. Es geht darum, dass an dieser Ressource aber Raubbau betrieben wird und auch noch der letzte quotierte Dorsch mitgenommen wird, auch wenn man ihn beinah zum Selbstkostenpreis an die Industrie durchreicht. Das scheint vielen nicht bewusst zu sein.

Fazit: Es ist Wahnsinn die natürliche Ressource Dorsch aus der westlichen Ostsee auch noch gefördert mit Steuergeldern zum Minimalpreis an die Industrie zu verramschen, anstatt Ihren eigentlichen Wert zu schützen und für eine künstliche, per Gesetz verordnete und scharf überwachte Verknappung zu sorgen. Der Mensch ist gierig und solange noch ein Fisch in der Ostsee schwimmt, wird es einen dummen Menschen geben, der auch diesen noch entnimmt, um ihn zu einem TK-Filet (Pfui bah) oder noch schlimmer, Fischmehl als Grundlage für Tierfutter, zu verarbeiten.
 
Und noch eines: Es gibt hier im Raum Berlin inzwischen Läden, die die alten Brötchen und Backwaren anderer Bäcker aufkaufen und dann günstig an Endkunden verkaufen, die kein Problem damit haben, dass das Brötchen, Brot, Kuchen etc. eben schon 2 Tage alt ist.
Einen der Berliner Bäcker kenne ich ziemlich gut und der sagt, er entsorgt die alten Waren lieber oder verarbeitet sie zu Semmelbrösel weiter, als auch nur ein altes Brötchen an diese Läden zu verkaufen. Er will sich doch nicht sein eigenes Grab schaufeln. Leider gibt es andere Bäcker, die anscheinend auf Grund Ihrer wirtschaftlichen Situation sich dazu gezwungen fühlen es zu machen.

Die Berufsfischer machen genau dies, indem sie die Dorsche, die sie nicht an den höherpreisigen Endabnehmer verkaufen können, für 1 €/Kilo verramschen... Erschwerend kommt bei ihnen dazu, dass Ihre tägliche Fangmenge kaum planbar ist... Der Bäcker weiß wie viel Brötchen er backt.
 
@TeeHawk , ich stimme Dir in fast allem zu und ich habe Dich auch verstanden. Ich denke alle hier sind sich einig, dass Trawler in der Ostsee verboten gehören. Wie realistisch dies ist, ist eine andere Frage. Allerdings sehe ich nicht, dass die Konkurrenzsituation sich durch den Wegfall der Trawler verändert, denn der Kleinbetrieb konkurriert nicht mit dem Trawler der westlichen Ostsee sondern mit dem Gesamtmarkt. Auch wird die Gesamtfangmenge nicht automatisch geringer, nur weil die Trawler wegfallen, das regeln immer noch die Quoten. Die Direktvermarktung erhöht sich auch nicht, denn der Markt bleibt begrenzt und wird auch jetzt schon abgedeckt. Schau Dich doch mal an der Küste um wo Du noch Frischfisch kaufen kannst. Ich war gerade auf Bornholm, dort gibt es genau noch einen kleinen Fischladen, danach in Wustro(Darß) auch hier der Fischladen für immer geschlossen. Selbst in den Restaurants an der Küste ist sehr fraglich, ob dort überhaupt Ostseefisch auf dem Teller liegt. Auch die kleinen Betriebe kommen in der Masse nicht am Handel und Vertriebsstruktur vorbei und hier geht es nur über Volumen. Finde ich auch nicht gut aber ist so.
Aus Bestands- und Umweltgesichtspunkten ist eine Verknappung absolut zu begrüßen aber ich habe meine Zweifel ob dies die Einkommenssituation von einzelnen Fischereibetrieben verbessert und was ja noch viel wichtiger ist, die Wertschöpfung der Ressource gesteigert wird, was ja im Interesse aller ist.
 
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Trawler in der Ostsee verbieten? Würde ich begrüßen muss aber sofort an das St Florian Prinzip denken.

Da die nicht nachhaltige Fischerei ein weltweites Problem darstellt, braucht es zeitnah eine weiter reichende Lösung.

Diese würde aber auch weiten Teilen der Interessen der Aquakulturbetreiber und Fischmäster entgegen stehen.

Also sind wir mit Verlaub im Ar... oder die Gesellschaft begreift zeitnah, das Wirtschaft und Wachstum nicht alles sind auf dieser Welt.
 
...Also sind wir mit Verlaub im Ar... oder die Gesellschaft begreift zeitnah, das Wirtschaft und Wachstum nicht alles sind auf dieser Welt.
Wir sind, Frank, wir sind schon lange!
Und selbst, wenn unsere Gesellschaft es begreifen würde - den gerade aufstrebenden "Schwellenländern", die teils Jahrhunderte lang für unseren Wohlstand ausgebeutet wurden, bekommste diese Einsicht nicht verkauft... :please

Laßt uns lieber weiter über Baglimits philosophieren, okay?
 
http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/Atempause-fuer-Fischer-Schleppnetze-weiter-erlaubt

"Gute Nachricht für die Fischer: Deutschland darf nach EU-Recht nicht einseitig die Fischerei mit Schlepp- und Stellnetzen in den Schutzgebieten Sylter Außenriff und Pommersche Bucht verbieten."

Versucht hat man es anscheinend...

Landesverordnung über die Ausübung der Fischerei in den Küstengewässern
(Küstenfischereiverordnung - KüFO -)
Vom 11. November 2008
§ 13 - Verbot der Schleppnetzfischerei
http://www.gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de/jportal/?quelle=jlink&query=KüFischV+SH&psml=bsshoprod.psml&max=true&aiz=true#jlr-KüFischVSH2008pP13

Küstenfischereiverordnung - KüFVO M-V - LAV MV
https://www.lav-mv.de/downloads/KueFVO_2017.pdf
Verordnung zur Ausübung der Fischerei in den Küstengewässern (Küstenfischereiverordnung - KüFVO M-V) vom 28. November 2006 (GVOBl. M-V S. 843), geändert am 22.Oktober 2009 (GVOBl. M-V S. 641), geändert am 14.Mai 2014 (GVOBl. M-V S. 269), geändert am 12.November 2016 (GVOBl. M-V S. 881)

In S-H verboten, in M-V mit Einschränkungen erlaubt...

Wie ist es denn nun die aktuelle Situation? Dürfen große Schleppnetze hinter großen Trawlern, die nichts mehr mit einem kleinen Küstenfischerbetrieb zu tun haben, in der westlichen Ostsee genutzt werden oder nicht? Sind das alles "Schwarz"-Fischer, die z.B. Lars da vor Fehmarn beobachtet hat und keiner unternimmt da was gegen...
 
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G
Das ist in SH auch erlaubt, jedoch mit Einschränkungen (Maschinenleistung, Gebiete)!
 
G
Das kann und will ich nicht beurteilen! In erster Linie gehe ich davon aus, dass sich die deutschen Küstenfischer an geltende Verordnungen halten. Anschuldigungen gegen Fischer bringen uns nicht weiter, denn die machen lediglich ihren Job so wie wir alle.

Ich denke in erster Linie ist die Politik gefordert endlich Lösungen zu schaffen!

Zudem bin ich der Meinung, dass wir einen Ostseedorsch nie als exklusive Gourmetspeise zu deutlich höheren Preisen vermarkten können. Wir sehen es ja beim (Räucher) Lachs. 100g im Supermarkt für unter 1,50 Euro, Wildlachs ist deutlich teurer- aber macht nur einen Bruchteil des Marktes mangels Nachfrage aus. Ähnlich wäre das vermutlich beim Dorsch- dann kaufen die Leute Kabeljau aus dem Atlantik oder meinetwegen auch Seelachs für 1/3 oder 1/4 des Bruttopreises. Die meisten machen da eh Soße zu und schmecken nichts vom Fisch... ;-)

Ein erster Schritt wäre für mich eine deutliche Erhöhung und Veränderung der Kontrollen zur Einhaltung von Quoten und Rückwurfverboten so wie die Politik und die Fischerei es auch für Angler fordert und aktuell umgesetzt wird. Ich bekomme das nicht mehr so genau zusammen, aber ich habe mal den Funkverkehr zwischen Fischereiaufsicht und Schleppnetzkutter mitgehört. Der verlief ca. so (aus der Erinnerung): Aufsicht "Kutter X, wir kommen zur Kontrolle an Bord". Kutter: "Wir sind am fischen und können nicht stoppen". Aufsicht "Wie lange dauert die Fangfahrt" K: "Ca 4 sm" Aufsicht" Ok, dann sind sie aus unserer Zuständigkeit. Gute Fahrt!". Ist jetzt stark abgekürzt, aber im Ergebnis war das so im Fehmarnbelt...

Nein Leute, wir benötigen Unterstützung und Lösungen von der Politik. Will die Politik (richtigerweise!) die Fischerei erhalten, so müssen die Fischer wettbewerbsfähige und moderne Schiffe mit modernsten Fanggeräten haben, ggf. mit finanzieller Unterstützung. Die Quoten müssen nachhaltig festgelegt werden, der wichtigste Punkt ist wie gesagt die Einhaltung der Quoten. Ich denke unsere kleinen Küstenfischer sind auch nicht das Problem und für die größeren Schlepper gibt es Lösungen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Politik hier nur "irgendwie über die Jahre kommen will". Es gibt den EU Map, doch der sah nicht die schlechten Jahrgänge voraus. Spannend wird die Stärke des 2018'er Jahrgang. Der Jahrgang entscheidet eigentlich über alles. Genau da mache ich mir aber die Sorgen, denn (Stichwort Unterfischung) durch den starken 2016'er Jahrgang wurde der 2017'er Jahrgang bereits dezimiert. Wir haben verdammt viele Dorsche gefangen, die die kleinen im Magen hatten und nach dem Fang ausgespuckt haben. Ich denke 85.000 Tonnen Dorsch hauen den Ein oder Anderen vom Nachwuchs bereits zum Frühstück weg.

Wir sollten ein so sensibles Gewässer wie die Ostsee trotz der absolut positiven Bestandsentwicklung nachhaltig befischen- eine Aufgabe für die Politik. Die das aber bisher mit der "Verteilungsgerechtigkeit" noch nicht so richtig verstanden haben...
 
Das mit der Verteilungsgerechtigkeit ist nun aber leider der entscheidende Punkt, nur dass aus meiner Sicht dort meist Dinge hinein interpretiert werden die da nix zu suchen haben. Dies ist auch der Grund warum ich so vehement auf den wirtschaftlichen Kenndaten herumreite, denn da steckt die Verteilungsgerechtigkeit schon drin. Aufgabe der Politik sollte es eben nicht sein die pure Ressource zu verteilen und Pfründe zu schützen sondern die Bereiche zu fördern, die den größten Gemeinnutzen aus der Nutzung der Ressource entfalten. Denn hier wird Verteilungsgerechtigkeit im volkswirtschaftlichen Sinne generiert. Da spielt es erst einmal keine Rolle wer den Dorsch aus der Ostsee fängt, Hauptsache nachhaltig und zum Wohle der Allgemeinheit damit es auch in der Zukunft noch etwas zu verteilen gibt. Wenn man jedoch argumentiert, dass Angler bei der Verteilung benachteiligt werden, springt man zu kurz, denn im ökonomische Sinne sind es nicht Angler die benachteiligt werden sondern die Wirtschaftsleistung der Regionen wird geschwächt. Dies kann, im Lichte der Erkenntnis betrachtet, auch bundespolitisch nicht uninteressant sein, denn die nördlichen Bundesländer sind große Empfänger von Mitteln aus dem Strukturausgleich. Die jetzige Verteilungsautomatik ist eben zum Nachteil aller, dafür sprechen alle wirtschaftlichen Kenndaten. Von ökologischen Schäden und damit Folgekosten haben wir da noch gar nicht geredet.
Für mich bleibt dies der erfolgversprechendste Weg vor allem Regionalpolitiker zu einem Umlenken zu bewegen, denn diese sollten eigentlich das größte Interesse an Veränderungen haben. Ob diese dann im langen Weg der Institutionen durchdringen, steht auf einem anderen Blatt. Im Gegensatz zu den größten, produktivsten und nachhaltigsten Fischereinationen Europas müssen die sich leider mit der EU rumschlagen, wo die Fischereipolitik gebündelt ist. Für die Slowakei oder Ungarn ist es eher nicht so interessant was mit der Ostsee passiert.
 
Aufgabe der Politik sollte es eben nicht sein die pure Ressource zu verteilen und Pfründe zu schützen sondern die Bereiche zu fördern, die den größten Gemeinnutzen aus der Nutzung der Ressource entfalten. Denn hier wird Verteilungsgerechtigkeit im volkswirtschaftlichen Sinne generiert.
Du hast meine vollste Zustimmung.

Ich frage mich in dem speziellen Fall (und anderweitig ebenso) und bei der von Dir genannten Faktenlage deswegen:
- wer hat etwas davon (und was) so zu entscheiden, wie man entscheidet?
- interessiert es den Malteser (?) EU-Kommissar oder die restlichen Entscheidungsträger schlichtweg nicht?
- ist die wirtschaftliche Relevanz zu gering um sich näher damit zu beschäftigen?

Dass ein Hr. Habeck so handelt wie er handelt ist (leider) klar - eigentlich sollte diese meiner Meinung nach widerwärtige Art mit Leuten umzugehen mal an den Grünen Wähler gebracht werden (dort, wo ich das tue, tauchen immer "geschreckte" Gesichter auf...)
Aber es gibt ja auch noch andere.

Ich will gar nicht anfangen, über Implikationen zu sprechen, wie und mit welchem Kenntnisstand bzw. Faktenlage andere Entscheidungen getroffen werden. :surprised
 
Es gibt den EU Map, doch der sah nicht die schlechten Jahrgänge voraus. Spannend wird die Stärke des 2018'er Jahrgang. Der Jahrgang entscheidet eigentlich über alles. Genau da mache ich mir aber die Sorgen, denn (Stichwort Unterfischung) durch den starken 2016'er Jahrgang wurde der 2017'er Jahrgang bereits dezimiert. Wir haben verdammt viele Dorsche gefangen, die die kleinen im Magen hatten und nach dem Fang ausgespuckt haben. Ich denke 85.000 Tonnen Dorsch hauen den Ein oder Anderen vom Nachwuchs bereits zum Frühstück weg.
Ich stimme dir überwiegend zu, aber hier geht es noch um sehr schwache Jahrgänge von schwachen Elterngenerationen. Auf die ist in der Bestandsentwicklung nur sehr wenig Verlass. Wenn sich der starke 2016er an der Fortpflanzung beteiligt, kann man mit viel Nachwuchs rechnen und deshalb hat der Jahrgang Vorrang vor seinen Vorgängern, die schon an sich stark dezimiert sind.
 
G
Basti, für Deine Argumentation benötigt man aber belastbare Zahlen, also einen Vergleich, der alle Faktoren berücksichtigt. Ich denke das ist - auch wenn es die einzigen Zahlen sind und wir diese auch deshalb nutzen - mit den Thünen Zahlen (180 Mio Euro p.a.) nicht ausreichend aussagekräftig, trotzdem sind wir natürlich dankbar für die vorliegenden Zahlen. Für einen Angriff auf die Bundespolitik benötigen wir jedoch belastbares Material!
 
Wir reden hier über Dorsche wie über Rotwein. Guter Jahrgang, schlechter Jahrgang... Aus meiner Sicht würde es sehr viel Sinn machen, Managementpläne längerfristig zu denken.
Davon ab: Die Entscheider wissen ziemlich genau, was sie tun und um was es geht. Und bei der Freizeitfischerei geht es um vieles, nur nicht um materielle Gerechtigkeit. Die Angler sind schlussendlich nichts anderes als eine Verhandlungsmasse innerhalb eines politischen Prozesses. Insoweit hab ich immer Zweifel daran gehabt, ob es so toll ist, dass die Freizeitfischerei bei der GfP gelandet ist. Ich sag's mal so: Die Freizeitfischerei und die diese betreffenden Restriktionen sind das Feigenblatt, mit dem man davon ablenkt, dass man im Bereich der Berufsfischerei über Gebühr draufgesattelt hat. Ich habe deshalb übrigens durchaus auch Zweifel daran, ob Freizeitfischer und Berufsfischer wirklich in einem Boot sitzen...
 
Lars, das ist mir völlig klar, doch auch dafür ist ja eigentlich die Politik verantwortlich solche Studien in Auftrag zu geben, wenn sie den begründeten und offensichtlichen Verdacht hegt, dass hier Wirtschaftsleistung flöten geht. Das ist leider ein grundsätzliches Problem, da ja die Folgen dieser Untätigkeit traditionell der Allgemeinheit übergeholfen werden können. Die Liste der Beispiele ist lang, Diesel, Atomkraft, CumEx etc. und eine Wahlperiode ist kurz.
 
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