Nitrat im Grundwasser- zu viel Gülle auf unseren Feldern

Brillendorsch

Teilzeitangler
Jahrtausende düngten unsere Bauern ihre Felder und Wiesen ürber das ganze Jahr verteilt mit Jauche, was auch ok war.
erst durch extreme Massentierhaltung ohne Stroh fällt Gülle an (nicht Jauche), diese ist nicht vergoren.
Und sie wird kurzfristig in großen Mengen auf den Feldern verklappt.
Dass ist, als würde man versuchen seinen Jahresnahrungsbedarf an einem einzigen Tag zu stillen
 
Eines dürfte zudem klar sein: sowohl Nitrat als auch Phosphat, das einmal in den Boden gelangt ist, findet todsicher über kurz oder lang seinen Weg ins Grundwasser.
 

Brillendorsch

Teilzeitangler
Es ist aber falsch zu sagen, die Bauern seien Schuld.
Es sind die gesetzlichen Rahmenbedinungen , in denen sich die Bauern bewegen.
Es ist politisch so gelenkt worden. Also muss die Politik auch die Weichen stellen, dass es wieder
eine auskömmliche Landwirtschaft ohne diesen Zwang die Umwelt zu vergiften gibt.
Das fängt mit "Bio"gasanlagen an
 

torstenhtr

Active Member
Sowohl die durchschnittliche Phosphor- als auch Nitratbelastung ist rückläufig. In der Tat, ich hatte vergessen entsprechende Aussagen für Nitrat zu zitieren. Hätte man auch feststellen können, indem man selbst in der entsprechenden Quelle nachliest. Siehe S. 7 in [1].
Man kann auch anhand der Entwicklung der Gewässergüteklassen nachvollziehen, dass es einen rückläufigen Trend der Nährstoffkonzentration gibt.
Gut, Glaubenskrieger kann man schlecht mittels Fakten überzeugen. Ich hatte trotzdem einige interessante Quellen angehangen.

Die Nitratkonzentration im Grundwasser ist praktisch irrelevant für Angler. Dieser Indikator ist nicht für die Abschätzung der aktuellen Lage geeignet, da es eine starke Zeitverzögerung gibt, ehe entsprechendes belastetes Wasser die Grundwasserspeicher erreicht (z.T. mehrere Jahrzehnte).
Die Analyse der Oberflächengewässer scheint mir hier wesentlich sinnvoller zu sein; hier gibt es einen rückläufigen Trend, siehe oben.

Lokal / regional gibt es sicherlich Probleme, wo man gegensteuern muss.

Mit der Massentierhaltung hat das Thema auch nur indirekt zu tun; ob ich Tiere auf engem Raum oder verstreuter halte hat auf die Nährstoffabgabe erst einmal keinen Einfluss. Entscheident ist der Einsatz von Dünger in der Pflanzenzucht; wenn mehr gedüngt wird als die Pflanzen aufnehmen, gelangt der Überschuss in Gewässer. Hier kann auch gegengesteuert werden, indem weniger Mineralstoffdünger eingesetzt wird, oder Gülle besser verteilt wird.

Die Aussage über 10000fache Belastung bezieht sich vermutl. auf Havarien von Biogasanlagen oder ähnliche Unfälle; ein völlig anderes Thema.

--

[1] https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Binnengewaesser/nitratbericht_2016_bf.pdf
 

Brillendorsch

Teilzeitangler
Ach Torsten,
Dass die durchschnittliche Belastung mit Nährstoffen in Oberflächengewässern rückläufig ist, wird doch gar nicht bestritten.
Die Betonung liegt eben auf "durchschnittlich".
Wohin sollen die enormen Mengen an Gülle, die nur in relativ begrenzter Zeit ausgebracht werden dürfen denn besser verteilt werden?
Das Problem ist ja, wie bereits gesagt, dass in relativ kurzer Zeit sehr viel Gülle auf relativ kleiner Fläche ausgebracht werden muss.
Ein darauffolgender ordentlicher Regen und der Bach ist hin, auch wenn er im Jahresmittel ordentliche Werte aufweist.

Im Übrigen tragen Biogasanlagen auch ohne Haverie erheblich zu den enorm gestiegenen Güllemengen bei.
Etwa 1/3 der zur Verfügung stehenden Anbaufläche wird für Energiepflanzen wie Mais und Raps genutzt.
Dadurch sind die Bauern gezwungen ihr Rindvieh im Stall zu halten, weil so der Ertrag der Weiden um etwa 1/3 höher ist.
Dass bedeutet natürlich auch wesentlich mehr Gülle.
 

Brillendorsch

Teilzeitangler
Es ist die Politik und ideologisch verkorkste Umwelverbände, die dafür verantwortlich sind, nicht die Landwirtschaft.
Es ist die Politik , die gegensteuern könnte, wenn sie denn wollte.
Statt dessen werden Sündenböcke gesucht und in Form von allen Naturnutzern auch gefunden.
 

torstenhtr

Active Member
Wegen der Zeitverzögerung ohnehin nicht viel machbar. Der Trend ist nicht klar absehbar; jedoch dürfte die Wahrscheinlichkeit des Rückgang der Konzentration an Nitraten in den Grundwasserspeichern hoch sein, da bereits rückläufig in Oberflächengewässern. Für mich persönlich nicht relevant; ich schätze das eher als Hysterie ein - da aus entsprechenden Studien klar erkennbares Risiko ablesbar ist (sowie Trinkwasser ungleich Grundwasser).

Landwirte verklappen nicht planlos Gülle, es gibt Düngeverordnungen etc. Vielleicht sollte man auch einmal die Stellungnahme der Landwirte lesen - um sich breiter zu informieren [1], [2]. Übrigens laut diesen Quellen weniger Gülle, da Tierbestände sinken.

Biogas sehe ich als eine Fehlentwicklung an (wenn dediziert Pflanzen dafür angebaut werden) .. Konsequenz grüner Politik [3] ..

--

[1] https://www.bauernverband.de/keine-panikmache-in-sachen-trinkwasser
[2] https://www.bauernverband.de/gewaesserschutz-und-duengung
[3] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/irrweg-biosprit-gruenen-tragen-verantwortung-fuer-debakel-a-851607.html
 

Deep Down

Well-Known Member
Es ist die Politik und ideologisch verkorkste Umwelverbände, die dafür verantwortlich sind, nicht die Landwirtschaft.
Es ist die Politik , die gegensteuern könnte, wenn sie denn wollte.
Statt dessen werden Sündenböcke gesucht und in Form von allen Naturnutzern auch gefunden.
Hmmm, man könnte aber auch eher die Aufassung vertreten, dass die von einer starken Landwirtschaftslobby in Kooperation mit einer passenden politischen Coleur zu einer industriellen Landwirtschaft mit entsprechenden Fehlentwicklungen geführt hat. Diese schädlichen Entwicklungen müssen nun mühsam gegen diese Widerstände der Lobby und der Politik korrigiert werden. Nun zu sagen, dass die Politik allein daran schuld sei, ist dann doch deutlich zu einfach.
Es ist im übrigen das Verhalten des Menschen auf den die Politik nur im Nachgang reagieren kann und versucht lenkend einzuwirken.
 
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Grünknochen

Natur schützender Angler
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/landwirtschaft-lobbyismus-verflechtung-1.4424548
https://lobbypedia.de/wiki/Deutscher_Bauernverband

In Summe: Es bedarf schon eines gewissen Humors, von ideologisch verkorksten Umweltverbänden zu reden, die der (konventionellen) Landwirtschaft jenseits aller sachlichen Berechtigung das Garaus bereiten wollen.
Ich halte es eher für eine taktische Meisterleistung, sich von der eigenen Gestaltungsmacht ablenkend in eine Opferrolle zu begeben, die insbesondere in der öffentlichen Kommunikation komplett davon ablenkt, wer die Fäden zieht und wer nicht.
 
Zuletzt bearbeitet:
G

Gelöschte Mitglieder 208211

Guest
Da hat wohl jemand seine Hausaufgaben gemacht und andere nicht.
Nun werfen die Lobbyismus- Versager anderen Lobbyismus vor?

Andererseits werfen wir unserem DAFV vor keine Lobby zu haben.

Es ist natürlich ein Problem wenn Politiker ihre Objektivität verlieren, der Lobbyismus zu stark wird.

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/lobbyismus-in-deutschland-geld-macht-macht-a-1170410.html
 

Brillendorsch

Teilzeitangler
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/landwirtschaft-lobbyismus-verflechtung-1.4424548
https://lobbypedia.de/wiki/Deutscher_Bauernverband

In Summe: Es bedarf schon eines gewissen Humors, von ideologisch verkorksten Umweltverbänden zu reden, die der (konventionellen) Landwirtschaft jenseits aller sachlichen Berechtigung das Garaus bereiten wollen.
Ich halte es eher für eine taktische Meisterleistung, sich von der eigenen Gestaltungsmacht ablenkend in eine Opferrolle zu begeben, die insbesondere in der öffentlichen Kommunikation komplett davon ablenkt, wer die Fäden zieht und wer nicht.
gut, dass ich noch über einen gewissen Humor verfüge.
Ich schrieb nirgendwo, dass die Umweltverbände der konventionellen Landwirtschaft den Garaus bereiten wollen.
Und ideologisch verkorkst sind die schon, sie waren es ja, die umbedingt Biogas fördern wollten
sie waren es, die es von Anfang an nicht wahr haben wollten, dass so eine Anlage nicht allein mit Speiseresten
betrieben werden kann. Diese Anlagen tragen aber zu einen erheblichen Teil zum Gülleproblem bei. (wie oben beschrieben)

Dass die Agrarindustrie kein Engelchenverein ist, da sind wir uns sicher einig. Deren Lobyisten
arbeiten sehr gut, allerdings nur für höchstens 10% der Betriebe (Industriebetriebe halt).
Die Anderen (kleinen bis mittleren Betriebe) müssen sich in den von Loby und Politik gesetzten Rahmen bewegen.
 

Naturliebhaber

Well-Known Member
Und ideologisch verkorkst sind die schon, sie waren es ja, die umbedingt Biogas fördern wollten
sie waren es, die es von Anfang an nicht wahr haben wollten, dass so eine Anlage nicht allein mit Speiseresten
betrieben werden kann. Diese Anlagen tragen aber zu einen erheblichen Teil zum Gülleproblem bei. (wie oben beschrieben)
Nicht nur die Umweltverbände pushen Biomasse als einen der Heilsbringer zur Energieerzeugung in der Zukunft. Wer mag, sollte sich mal folgendes Strategiepapier durchlesen, das durch renommierte Institute wie Fraunhofer erstellt wurde: https://www.erneuerbare-energien.de/EE/Redaktion/DE/Downloads/Studien/leitstudie-2010.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Der Begriff Biomasse findet sich darin stolze 243 Mal, mit Statements wie diesen:
"Strom aus Pumpspeichern und Biomasseanlagen bzw. flexiblen BHWK mit Wärmespeichern kann in begrenztem Umfang die Versorgungslücken von Wind- und Solarstrom schließen."
"U.a. gilt es, regelbare EE wie Biomasse vorrangig zum Lastausgleich einzusetzen."
"Die stromoptimierte wärmegeführte Biomasse bietet einen saisonalen Ausgleich zur Geothermie."

Und so weiter. Die ideologisch verblendeten "Vordenker" der Erneuerbaren Energieerzeugung interessieren sich offensichtlich wenig für Auslaugung von Böden und Gewässerschutz. Meine Meinung: Fachidioten und Dummköpfe mit Doktor-Titel.

Man kann bzgl. der Energieversorgungsstrategie der Zukunft übrigens auch ganz anders den Vogel abschießen. Herr Euler, seines Zeichens ehemaliger Referatsleiter Energie in Schleswig-Holstein (also durchaus jemand mit Entscheidungskraft), schlägt folgendes vor: https://www.erneuerbare-energien.de/EE/Redaktion/DE/Downloads/Studien/leitstudie-2010.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Zitat: "Energiewende-Problemlösungsoption: Island und insbesondere Grönland."

Einfach Kapitel 3 durchlesen und staunen. Meines Wissens nach nimmt Herr Euler keine Drogen. Ich hätte das nüchtern nicht hinbekommen. Respekt!
 

torstenhtr

Active Member
In der Tat, selten so gelacht. Dem Bauernverband Lobbyismus vorzuwerfen und dann mangelnden Lobbyismus der Angelverbände zu beklagen.

Lobbypedia ist keine neutrale Quelle, Zitat von Wikipedia:
[..] Kritik Der Lobbypedia wird Einseitigkeit vorgeworfen. So werden in der Lobbypedia insbesondere Personen und Organisationen aufgeführt, die als neokonservativ oder „neoliberal“ angesehen werden, solche, die der eigenen Weltanschauung nahe stehen, fehlen dagegen, so z. B. Attac, die Deutsche Umwelthilfe oder Campact. [..]" (Lobbypedia wird von LobbyControl e.V. betrieben)

Es ist grundsätzlich schwierig neutrale Informationen aus dem Netz zu erhalten, deswegen nutze ich immer mehrere Quellen und prüfe Argumente beider Seiten.
Ob der Bauernverband wirklich so mächtig ist, würde ich bezweifeln, die stehen immer mehr unter Beschuss - Umweltverbände haben mehr Mitglieder, der Einfluss wird immer größer und die besetzen mittlerweile auch kritische Posten.

Anbei Gegenüberstellung der Argumente des Bauerverbands und der spendensammelnden Schützerindustrie.

--

[1] https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/landwirtschaft/26199.html
[2] https://www.bauernverband.de/wasserqualitaet-und-duengung

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/landwirtschaft-lobbyismus-verflechtung-1.4424548
https://lobbypedia.de/wiki/Deutscher_Bauernverband

In Summe: Es bedarf schon eines gewissen Humors, von ideologisch verkorksten Umweltverbänden zu reden, die der (konventionellen) Landwirtschaft jenseits aller sachlichen Berechtigung das Garaus bereiten wollen.
Ich halte es eher für eine taktische Meisterleistung, sich von der eigenen Gestaltungsmacht ablenkend in eine Opferrolle zu begeben, die insbesondere in der öffentlichen Kommunikation komplett davon ablenkt, wer die Fäden zieht und wer nicht.
 

Testudo

Schützer und Nutzer
Hast du eigentlich begriffen, das es nicht allein um Düngung geht, sondern um Verknappung von Gülle, weit über den möglichen Bedarf der Pflanzen hinaus geht? Nur weil der Bauer Geld dafür erhält?

Und das Bauern nicht so eine gute Lobby haben ist einer der schlechtesten Witze schlechthin, die hatten schon ein Ministerium, da hat noch keiner an den Töpfer gedacht. Überhaupt kam man in Deutschland überhaupt erst auf die Idee ein Umweltministerium einzurichten, nachdem in Tschernobyl das große Leuchten stattgefunden hat und in Deutschland die Pilze zu knattern lernten
 

torstenhtr

Active Member
Lesen lernen: ich schrieb "so mächtig" und das hat (zumindestens für mich) eine andere Semantik, d.h. ob aktuell tatsächlich die Einflussnahme im Vergleich zu anderen Organisationen noch so groß oder eher rückläufig ist (und nicht vor 40 Jahren). Ohne Zweifel haben die eine sehr gute Lobby (das würde man sich für einen Anglerverband wünschen).
 

Testudo

Schützer und Nutzer
Ja die Lobbyisten der Landwirtschaft sind natürlich auch die richtigen Ansprechpartner für Wasserchemie, Artenvielfalt, und die Zusammenhänge die aus den Arbeitsweisen, den Einsatz von Stoffen und deren Langzeitwirkung auf Körper und Lebensgemeinschaften.

Die Lobbyisten die in Zusammenhang mit der Landwirtschaft zu nennen wären sind entweder im Einsatz um die Erträge der Großbetriebe möglichst hoch zu halten, oder um möglichst viele Subventionen zu sichern, die anderen aus dem Dunstkreis, sind damit befasst Produkte der aus der Agrochemie, Saatmittel die wiederum neben guten Erträgen eine große Toleranz gegenüber die Chemie aufweisen im Paket zu verschachtern.

Ja da gibt es wohl eine andere Semantik aber aus Sicht der Nachhaltigkeit keine 2 vernünftige Sichtweisen.
 
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