Nur knapp drei Minuten zu Fuß und schon stehen die Gäste des Garni Wohlfühlhotels Forelle am Tuxbach. Dann heißt es: Trockenfliege servieren, Forellen fangen und das Gurgeln des Wasser genießen. Apropos Genuss, die Küche ist schon alleine eine Reise wert! Elmar war mit Frau und Hund vor Ort.

Rückblick: 2020 standen wir bereits am Tuxbach und staunten über die Wassermassen, die sich ihren Weg flussabwärts bahnten. An Angeln war erst mal nicht zu denken. Doch der Abend vor unserer Weitereise ließ ein „Antesten“ unterhalb der Gletscherbahn am Talende zu – mit Erfolg. Dieses Jahr starteten wir einen erneuten Versuch, den Forellen des Tuxbachs auf die Schuppen zu rücken. Anfang Juli ging es von Hamburg gen Süden – Fischen mit Blick auf den Hintertuxer Gletscher stand auf dem Programm.

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Hier sieht man gleich: Fliegenfischer sind am Ziel

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Zimmer mit Wohlfühlatmosphäre

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Der Tuxbach bei der Gletscherbahn

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Stramme Bachforelle auf Grashüpfer-Imitat

Ankunft mit Regen
„Also ich würde noch an den Bach gehen. Sobald die Wolken über den Berg kommen, wird es nass“, sagt Roland Kirchler, Koch und Betreiber der hübschen Unterkunft in Vorderlanersbach. Auch sein Frau Eva nickt. Ok, wenn die Einheimischen die Wetterlage so gut im Blick haben, kann man sich darauf verlassen. Und so ist es. Kaum am Wasser angekommen, öffnen sich die Himmelsschleusen. Es wird jedoch der einzige Regen bleiben. Ich fange gleich an der Waldhäuslbrücke hinterm Haus an und serviere meine Trockenfliege in ruhigen Randbereichen des flachen Tuxbaches. Trotz des Regens schaut eine Familie zu, wie ich die erste Bachforelle des Trips lande. Entlang des Tuxbachs verläuft ein Wanderweg. Trotzdem finden Fliegenfischer immer ein Plätzchen zum Werfen. „Nein, der darf wieder schwimmen. Für die Küche sollte er schon die 40 Zentimeter überschritten haben“, erkläre ich dem Nichtangler, während die Rotgetupfte flink davonschwimmt. Der nächste Fisch ist schon besser. Wunderschöne Punkte auf der Flanke und kräftig im Drill. Nach weiteren zwei Fischen wechseln wir vom Bach in die Gaststube. Hier schreiben die Wände Geschichte und die urige Atmosphäre steht für Gemütlichkeit. Eva präsentiert und das Menü und wir schwelgen im kulinarischen Himmel. Ein schöner Start!

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Start im Regen, aber der Wasserstand ist noch normal

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Lohn der Mühe. Elmar mit Getupfter

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Einer der Gasträume mit wunderschöner Holzvertäfelung

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Roland bekocht seine Gäste mit regionalen Zutaten


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In der Fliegenbindestube finden sich „Beweise“ der Ausnahmenfische des Tuxbaches

Klein Fliegen fangen
Zum Ende des Abends steht plötzlich Stammgast „Blacky“, andere nennen ihn Wolfram Schwarz, in der Tür. „Ach was, Ihr auch wieder hier?“ Nach einem kurzen Update beschließen wir, am nächsten Tag zusammen mit Roland ein paar spannende Stellen abzufahren.
An den nächsten beiden Morgen beginne ich den Tag mit ein paar Bachforellen „hinterm Haus“. Es ist wirklich toll, bereits vor dem Frühstück ein, zwei Stunden mit der Fliegenrute loszuziehen und fußläufig Topspots anwerfen zu können.
Nach einem stärkenden Frühstück mit allerlei Tiroler Köstlichkeiten und frischem Rührei starten wir zusammen unsere Männertour. Meiner Frau Simone wird natürlich nicht langweilig, denn auch Nichtangler kommen hier voll auf ihre Kosten: Wandern, Rad fahren, Besuch auf dem Gletscher, auch mit Skiern, und vieles mehr ist möglich. Und ein Wellness-Bereich gibt es in der „Forelle“ ebenfalls.
Während also Simone mit Hund Coffee wandernd im Wald unterwegs ist, landen wir Fliegenfischer in Madseit. Der Ort Richtung Hintertuxer Gletscher ist nur wenige Autominuten von der „Forelle“ entfernt. Wir parken, schlüpfen in die Wathosen und machen die Ruten #4 fertig. Watstiefel reichen übrigens auch und an manchen Stellen sogar Gummistiefel. „Mit den großen Grashüpfern hast Du gefangen?“, fragt Roland mich verwundert. „Ja“, antworte ich und gebe ihm meine Fliegenbox. „Nimm mal die hier. Die Red Tag mit ihrem roten Schwänzchen ist top!“ Alles klar, der Erfahrung einheimischer Fliegenfischer werde ich sicher nicht widersprechen. Roland erzählt mir noch, dass dies sein Lieblingsabschnitt ist. „Da fische ich, wenn die Gäste im Herbst abgereist sind. Dann wandere ich Richtung Klamm. Es ist einfach herrlich hier!“ Und wie Recht er hat. Wir werfen kleine Pools ab, servieren die Trockenfliegen in ruhigen Passagen und fangen Fische dicht am Ufer.

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Die Kurve beim Heli-Landeplatz lädt zum ausgiebigen Fischen ein

Schwarzer Schatten
„Blacky“ bekommt gleich zwei Fisch kurz hintereinander ans Band und pfeift fröhlich, während er sich Stück für Stück stromauf bewegt. Die Hektik des Alltags liegt weit hinter uns. Wir atmen den Duft frisch gemähter Wiesen und das Rauschen des Baches wirkt ungemein beruhigend. Dann erblicke ich einen schwarzen Schatten am gegenüberliegenden Ufer. „Ah, bewegt sich. Ist also kein Stein“, denke ich und platziere meine Red Tag kurz vor ihm. Zack! Der Biss kommt blitzschnell und kurz darauf entlasse ich einen Saibling wieder in den Tuxbach. „Wir haben einige Saiblinge hier. Aber vorherrschend ist sicher die Bachforelle. Regenbogenforelle tummeln sich ebenfalls im klaren Gewässer“, erzählt mir Roland. Es sind wirklich wunderschöne Fische und jeder bezaubert mit einer anderen Färbung. Wer nur auf Zentimeter und Kilos aus ist, sollte sich ein anderes Ziel suchen. Wer aber auf beschauliches Fischen am schmalen Bach mit abwechslungsreicher Struktur steht, für den ist das Revier im Tuxtal ideal. Die Fische bringen im Durchschnitt 30 bis 35 Zentimeter aufs Maßband. Ausreißer bis über zwei Kilo kommen immer wieder aus ihrem Versteck! Knackt eine Forelle die 40-Zentimeter-Marke, wäre sie eine gute Partnerin für ein gemeinsames Essen. Denn so einen Fisch bereitet Roland gerne nach Euren Wünsche zu oder überrascht Euch mit einem Gaumenschmaus der Extraklasse.
Ich lasse mir noch das Stück bis zur Klamm zeigen und freue mich, am nächsten Tag mit Simone und Coffee erneut hier zu sein. Dann packen wir zusammen und Roland gibt mir noch den Tipp auf den Weg: „Lege einen Stopp beim Heli-Platz ein. Die Kurve ist immer gut für einen Fisch …“

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Die Stimmung am Bach war super!

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Die Royal Coachman brachte Simone und mir einige Forellen ans Band

Nur Bestes auf dem Teller
Gesagt, getan. Ich parke an der ausgewiesenen Stelle und schwinge mich über den Schlagbaum. Roland versprach nicht zu viel. Die Kurve bietet verschiedene Stellen, an denen Fische stehen. Nach einem goldgelben Saibling nimmt eine Regenbogenforelle kurz vor einer Rausche die Trockenfliege. Mein 0,18er Vorfach wird ordentlich gefordert. Am Ende bleibe aber ich Sieger und sehe meinen Gegner schon auf dem Teller. Ok, es fehlen zwei oder drei Zentimeter. Satt werde ich trotzdem, denn ein Gang ist am Abend Zwiebelrostbraten. Dazu ein dunkles Hefeweizen und der Tag klingt super aus.
Die Ehefrau von Roland, Eva, ist die Organisatorin im Familienbetrieb. Sie hilft uns bei den Coronatests, informiert die Gäste über Freizeitmöglichkeiten und steht immer für ein Gespräch zwischen Vorspeise, Hauptgang und Dessert bereit. Wir erfahren, dass die „Forelle“ das einzige Hotel-Garni mit eigenem Restaurant im Tal ist. Die verarbeiteten Produkte stehen unter dem AMA-Gütesiegel. So genießt Ihr Gerichte, die überwiegend mit regionalen Zutaten zubereitet werden. Das Credo der Küche lautet: „Seinem Körper etwas Gutes tun und das Leben in vollen Zügen genießen – unter dieser Prämisse setzen immer mehr Gäste auf vollwertige, naturbelassene Ernährung. Denn höchste Geschmacks- und Genusserlebnisse brauchen keine geschmacksverstärkende Zusatzstoffe!“ Dem ist nichtss mehr hinzuzufügen.

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In der Rinne standen einige Fische

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Fischen mit dem Hintertuxer Gletscher im Rücken

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Eingang der Klamm bei Madseit. Wer möchte, kraxelt den Bach entlang


Bilderbuchtag
Der nächste Morgen begrüßt uns mit Sonnenschein und Wind. Eine angenehme Kombination, da die Temperatur Richtung 30 Grad schielt. Wieder geht es nach Madseit. Der Frauchen-Hund-Wohlfühl-Rucksack ist gepackt und ich schnappe mir noch Simones Klappstuhl. Er ist meine Versicherung für eine Verlängerung am Wasser, falls sie lieber den Blick in Berge schweifen lassen möchte. Aber erst einmal geht ihr Puls auf 180! „Ah, schon wieder einen Biss verhauen. Mache mir mal was dran, was die Fische und auch ich sehe“, grinst Simone und bekommt eine kleine Rehhaar-Caddis ans Vorfach. Ab jetzt läuft es! Mehrere Bachforellen drillt sie an der Neun-Fuß-Rute und findet mit jedem Meter neue fischverdächtige Stellen. Es ist für uns ein Tag wie aus dem Bilderbuch! Das Wetter passt, die Fische beißen und wir lassen während unserer Pausen die Seele beim Blick in die ländliche Landschaft baumeln. Coffee entwickelt sich immer mehr zum perfekten Angelbegleiter und sitzt ruhig im Schatten, wenn wir die nächste Forelle über den Kescher führen. Alle drei sind wir wunschlos glücklich!
Der Tuxbach präsentiert sich übrigens auch Fliegenfischern als tolles Gewässer, die nicht alle Wurffeinheiten oder Taktiken beherrschen. Wer ein wenig das Wasser lesen kann, wird hier fangen! Und Tipps von Stammgästen oder dem Betreiber-Ehepaar gibt’s natürlich mit auf den Weg.

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Die Bachforelle war Simone nicht entgangen und Elmar überzeugte sie zum Biss

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Saiblinge kommen neben Bach- und Regenbogenforellen vor


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Viele Wanderwege warten rund um die „Forelle“

Gemütlicher Abschluss
Apropos Weg. Unser führt uns bis zum Eingang der Klamm, wo wir die letzten zwei Stunden unseres Angeltages verbringen. Es ist einfach herrlich! Kurz vor Schluss informiert mich Simone: „Da, hinter dem Stein steht eine Forelle.“ Die Vorlage verwandle ich beim ersten Wurf und wir finden, das ist das perfekte Ende. Wir packen ein, ich trage Coffee durch den Tuxbach und am Rand der frisch gemähten Wiese laufen wir am Ufer zurück zum Auto. So machen wir auch dem Bauern Freude, der noch auf ein kurzes Schwätzchen zu uns kommt.
Den Abend lassen wir nach einem erneut wunderbaren Essen draußen auf der Terrasse ausklingen. Wir kommen mit holländischen Gästen ins Gespräch, finden heraus, dass der Münchener Familie im Geburtsort meiner Frau hat, lachen über die Witze von Gast Willy und tauschen Visitenkarten mit „Blacky“. Dann gesellen sich auch Eva, Roland und Tochter Alina zu uns. Fischen bei Freunden, schießt es mir durch den Kopf und wir sind uns einig: Das war nicht der letzte Besuch bei Familie Kirchler und ihrer „Forelle“.

Auf ANGLERBOARD TV findet Ihr auch noch einen Clip

Informationen

Anreise
Wir reisten mit dem Auto aus Deutschland über Bad Tölz und den Grenzübergang hinter dem Sylvenstein-Stausee nach Österreich ein. Dann weiter über den Achensee, Zell am Ziller und Mayrhofen ins Tuxtal. Österreichische Vignette nicht vergessen!

Saison
Anfang Juni bis Anfang Oktober

Revier
Das Revier beginnt bei der Brücke am Sägewerk und endet in Hintertux. Alle Nebenflüsse sind ebenfalls befischbar! Länge: rund acht Kilometer. Breite des Baches zwischen fünf und zehn Metern

Fischvorkommen
Bach- und Regenbogenforelle sowie Saiblinge

Bestimmungen
Nur Fliegenfischen, Catch & Release und widerhakenlose Muster erlaubt. Fischentnahme nach Absprache möglich. Erlaubniskarten sind in der Unterkunft erhältlich.

Unterkunft
Das Hotel und Gästehaus bieten über Wohlfühldoppel- und Familienzimmer, Juniorsuiten und Ferienwohnungen alles, was Euren Wünschen entspricht und obendrein, ist die Unterkunft das einzige Hotel-Garni in Tux mit Hotelrestaurant! Trockenraum vorhanden. Kontakt:
Forelle Hotel-Garni**** & Gästehaus***, Familie Kirchler, Österreich, 6293 Tux, Nr. 296, Tuxertal, Tirol. Tel. (+43) 52 87/872 14, E-Mail: info@forelle.at Internet: www.forelle.at

Preisbeispiel „Petri Heil Fliegenfischer Pauschale“ (Stand: Ende 2021)
7 Übernachtungen mit Frühstück im Doppelzimmer „Fliege“****
6 Tage Fischerkarte
1 Fischertreffen mit Jause
Preis pro Person: 460 Euro. Für die Begleitperson ohne Fischerkarte gibt es eine -Zehn-Prozent-Ermäßigung.

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Weitere Infos:
Abenteuer Fischwasser hält eine Auswahl der schönsten Angelrevier, Unterkünfte und Regionen in Österreich und Südtirol bereit, die ideale Ausgangsorte für Angler sind, jedoch auch Nichtanglern Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung bieten. Internet: www.fischwasser.com
 
Elmar Elfers

Hallo Elmar, wurde dein Bericht nicht schon mal hier im Forum vorgestellt?
Irgendwie kommt mir das alles sehr bekannt vor.
Außerdem gab es Auszüge davon in einem Angelmagazin...

Jedenfalls sehr schön dort und auch toller Bericht und tolle Bilder thumbsup
Ich habe bestimmt nach unserer Rückkehr bestimmt schon einen kleinen Beitrag hier veröffentlicht. Der Clip ist ja auch bereits ein paar Tage alt und im ANGLERBOARD TV-Forum vorgestellt.
Nein, keine Auszüge, der gesamte Artikel ist natürlich in FISCH & FLIEGE erschienen. Da aber - leider ;-) - nicht alle Boardies Fliegenfischer sind, beziehungsweise F&F-Leser, veröffentliche ich meine Artikel auch hier mit gewissem Abstand thumbsup
Ja, wir werden auf jeden Fall noch mal hinfahren:)
 
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