Was geht an der ODER????

Debilofant

Well-Known Member
Den Vormittag des fünften Tages wollte ich im Anschluss an den stimmungstechnisch diesmal nicht ganz so spannenden, dafür aber mit einem bereits Überstunden schiebenden Biber garnierten Sonnenaufgang noch einmal dazu nutzen, vielleicht doch eines der Blaukehlchen zu einem Fototermin zu überreden, was jedoch - wie schon geschrieben - nicht gelang. Dafür gab's reichlich anders klingende Beschallung von links und rechts, also sowohl landseitig aus den Oderwiesen als auch wasserseitig aus dem Schilfdschungel. Die Oderwiesen und die landeinwärts angrenzenden Feldwegstrukturen mit den regelmäßig als Singwarte genutzten Stromleitungen sind mit eines der letzten großflächig intakten Brutreviere für die noch in erfreulicher Anzahl vertretenen und lautstark ihre Reviergesänge regelrecht herausschmetternden Grauammern, die andernorts bzw. etwa in der Region Hannover leider schon seit mehreren Jahren als Brutvogel ausgestorben sind und am ehesten noch im Nordosten der Republik ihr Auskommen finden.

Kollege, Sie haben die Nachtschicht jetzt aber schon deutlich überzogen!


Kräftig am Schmettern - Grauammer auf ihrer in diesem Fall natürlichen Singwarte


nochmal ein "Rohrspatz" alias Schilfrohrsänger in diesmal etwas besserem Licht

Für den dritten Anlauf in Sachen Döbel/Großplötz hatte ich mir nach den ungewohnt vielen Nachwuchsfischen der ersten beiden Ansitze vorgenommen so zu tun, als wäre schon Sommer, sprich diesmal nicht die tieferen Bereiche von der Buhne stromab, sondern stromauf zu fischen, wofür ich mir wiederum eine andere Ecke dann ausgesucht habe. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich mang den halbstarken Döbeln auch ein paar bessere tummeln, hielt ich jedenfalls für ziemlich gering, Hackordnung und so. Nach dem Vorfüttern mit 'ner halben Dose Mais tat sich dann leider fast 2 Stunden lang rein gar nichts an den 3 Maiskörnern und so langsam keimten auch schon die ersten Zweifel auf, ob das Wasser für diese "Sommervariante" nicht doch noch zu kalt war (Außentemperatur nur so um die 10 ° C, nachts ging es meist noch runter auf bis zu 2 ° C und der Wind kam an diesem Tag wieder mehr als ätzend kalt stramm volle Banane aus Nord/Nordost, und zwar dermaßen, dass es ohne den zeitweise einigen Wolken weichenden Sonnenschein sogar mit 3 (!) Jacken grenzwertig kalt war), bzw. hegte ich bereits erste Gedanken in Richtung Abbruch bzw. Platzwechsel. Etwas später kam er aber doch noch, der erhoffte und an diesem Spot dann für diesen Tag auch einzige Biss von einem Döbel in der erhofften bzw. aus der Vergangenheit gewohnten Standard-Konfektionsgröße. Bei dieser Gelegenheit kam dann auch die Kescherneuanschaffung mit Kopfgröße 50 cm x 40 cm zur Einsatzpremiere, die sich beim Hantieren bis zum Hakenlösen als zumindest nützlich erwies, wenngleich man so ein Teil für die Landung selbst an feinem Gerät wie in diesem Fall 0,17er Hauptschnur und 0,16er Vorfach an einer 3,00 m Browning Sphere Bomb (die leichtere Normalversion mit für diesen Tag gewählter Glasspitze) mit Shimano Super GT 2500 nicht wirklich braucht.

Auf Maden und Futterkorb hat es zum Abend hin stromabwärts dann wieder rege gebissen, allerdings wiederum nur Plötzen in der schon erwähnten Größe von +/- 20 cm und ein paar Güstern. Letzteres bereitete mir so langsam Kopfzerbrechen, denn normalerweise hätte da schon längst auch mal eine deutlich größere Plötze mit dabei sein müssen, grummel, hm. Aber immerhin, auf Mais kam jedenfalls der erste gute Fisch ohne dass die kleineren Artgenossen am Start gewesen wären, was ein gutes Zeichen war.

Eingesackt - der erste gute Fisch!


50er Frühjahrsdöbel am neuen "Spaß-Gerät"


Auch ein schöner Rücken kann entzücken

Fortsetzung folgt dann voraussichtlich morgen.
 
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Debilofant

Well-Known Member
Ist leider etwas spät geworden, aber die Forsetzung folgt jetzt jedenfalls wie versprochen.

Nach der obligatorischen Fotosession vom Sonnenaufgang habe ich mir den Wetterbericht für den Nachmittag etwas genauer angeschaut und meine Platzwahl für den nächsten Angelversuch in erster Linie an der Windvorhersage ausgerichtet, denn es war im Verlauf des Tages wieder/noch immer Nordwind bzw. diesmal aus Nord/Nordwest angesagt, sogar ein wenig stärker als tags zuvor. Also musste ein Plätzchen her mit möglichst etwas Windschutz, weshalb ich dann an einem Flussabschnitt mit Fließrichtung in annähernd 90 ° zur vorhergesagten Windrichtung gelandet bin, den ich vorher auch noch nie beangelt hatte. Der bis an die Buhnenkessel heranreichende Hochwasserdeich und ein paar landeinwärts zusätzlich vorhandene Wäldchen ließen dann ein Fischen im akzeptablen Windschutz und reichlich Sonnenschein zu.

Auf der Anfahrt über ein paar verschlängelte Feldwege sehe ich den zweiten Wiedehopf der noch jungen bzw. zu dieser Zeit erst anrollenden Saison aus dem Staub des Weges auffliegen und anschließend in einem Baum am Wegesrand posieren (den ersten Wiedehopf hatte ich beim Anmarsch durch die Oderwiesen bei meinem Spinnangelausflug zu Gesicht bekommen, aber leider ich zu erwähnen vergessen). Da ich das Teleobjektiv neben dem Angelgerödel nicht auch noch mitzuschleppen schaffe und dieses dann während der Angelausflüge grundsätzlich in den heimischen 4 Wänden bleibt, gibt es leider keine Fotos von den beiden Exemplaren, neben denen zu dieser Zeit noch einige Artgenossen mehr pö a pö wieder eintrudeln bzw. ihnen noch folgen müssten, denn der Bestand hat sich die letzten 10 Jahre überraschend gut entwickelt.

Auf der auserkorenen Buhne angekommen ging es dann auf der mit Maden und Futterkorb bestückten Feederrute auch recht fix ganz gut los, Durchschnittsgüster als Auftaktfisch und kurz danach - endlich - ein Oderplötz in der angepeilten Größe. Danach bzw. nach dieser ersten halben Stunde hätte ich dann eigentlich auch schon wieder heim fahren können, denn es biss aus sich mir nicht erschließenden Gründen für den Rest des Tages über mehrere Stunden hinweg einfach überhaupt nichts mehr, weder auf Maden an der Feederrute noch auf Mais an der "Spaß-Rute", nicht unterhalb und auch nicht oberhalb der Buhne bzw. der letztendlich beiden Buhnen, denn ich hatte noch einen Platzwechsel versucht und eine weitere Buhne ohne wiederkehrenden Erfolg befischt.

Bleibt als Trostpflaster für diesen nicht gerade berauschenden Tag, dass die Stellenwahl ohnehin nur eine Verlegenheitslösung zur Windminimierung war und immerhin ein makelloses 30er Rotauge dabei herumkam.

Sunrise


Zielfisch der diesmal ungerupften Sorte...


...ein makelloser 30er Oderplötz

Fortsetzung folgt...
 

Debilofant

Well-Known Member
Danke Zokker und auch allen anderen!

Tag 6 sollte mir noch einmal einen klassischen Tagesanbruch am Oderhauptstrom bescheren, also nochmal Frühnebel bzw. eine ca. 15-30 m hohe Nebelwand direkt über dem Hauptstrom und diesmal dann dahinter/darüber auch Sonne satt. Von den alten Schwarzpappeln, die einen bei Nieschen vor inzwischen vielen Jahren als markant urige Baumgruppe wie aus dem Bilderbuch als sozusagen Empfangskomitee herzlich Willkommen hießen, ist anno 2022 nicht mehr viel übrig. Der Zahn der Zeit bzw. vielmehr die Zähne der seit inzwischen über 30 Jahren ihr Unwesen treibenden und vor keinem noch so dicken Baumstamm zurückschreckenden Biber haben im Zusammenwirken mit so manchem Sturm von ehemals 5 Hauptstämmen mit majestätischem Erscheinungsbild nur noch eine Baumruine und zwei halbe Baumleichen übrig gelassen, die in absehbarer Zeit dann sogar völlig aus dem sich auch oberhalb der Wasserlinie ständig verändernden Landschaftsbild verschwinden dürften.

Shape of Despair - Schwarzpappelreste bei Nieschen

Obwohl die Szenerie vom Hauptdeich aus auf den ersten Blick ein wenig unwirtlich gruselig bzw. nicht unbedingt einladend ausschaut, lohnt sich manchmal sogar ein direktes Eintauchen in diese Nebelwelt, also bin ich alsbald schnurstracks einfach in die Soße hinein bis direkt ans Wasser gefahren. Dort angekommen ging gerade die Sonne auf, deren Licht durch den Nebel schön gedämpft und durch die Kopfweide noch einmal ein wenig gefiltert dezent orangefarben herüberglimmte, was summa summarum ganz ohne Einsatz von Fotofiltern eine traumhafte Lichtstimmung ergab.

Sonnenaufgang aufgenommen mit Strauch- und...


...Nebelfilter

Nur gute 8 Minuten nach dem ersten Bild mit der Kopfweide habe ich ungefähr dieselbe Perspektive noch einmal auf den Sensor gebannt mit diesmal aber schon sichtbar veränderter bzw. deutlich kühlerer Farbtemperatur des Lichts der empor kletternden Sonne.

Shine On You Crazy Diamond

Zum Vergleich bin ich gute 10 Minuten später noch einmal zum Ausgangspunkt zurück, von wo aus es noch immer eher unwirtlich aussah und man nicht so ohne weiteres erwarten würde, dass man vom Wasser aus überhaupt etwas außer dickstem Nebel sehen würde.

Treten Sie näher und tauchen Sie ein...


...in eine andere Welt

Noch einmal zurück direkt am Wasser vollzog sich auch schon die Nebelauflösung, bei der durch den weißen Vorhangschleier dann in schönem Kontrast auch der blaue Himmel mehr und mehr hinduchschimmerte.

The White Room

Auf dem letzten Landschaftsbild leuchtet dann links bereits das goldgelbe Schilf in der Morgensonne, während die Flussmitte noch im Schatten der aus dieser Perspektive schmuztiggrau wirkenden Nebelwalze lag.

Dicht beieinander: Licht und Schatten

Am Wegesrand entwickelte sich dann nach vollständiger Nebelauflösung ein kurzer Flirt mit "Daisy" in den Oderwiesen, die sich mit knallrotem Lippenstift und blauschwarz geschminkten Augenpartien bis auf wenige Meter näherte und für ein kurzes Portrait-Shooting ganz ohne Gage in die Rolle eines Top-Models schlüpfte. Als ich Daisy dann nach einem letzten mir schmachtend zugeworfenen Blick
a109.gif
nach ihrer Telefonnummer fragte
a044.gif
, machte sie plötzlich einen auf unnahbare Diva, trollte sich zurück in die Oderwiesen und zog es offenbar vor, dort lieber Jagd auf echte Kröten zu machen anstatt sich noch länger mit so einem Möchte-Gern-Frosch-König abzugeben.
g032.gif


Mit der augenzwinkernden Beschreibung zur Entstehung der nicht alltäglichen Portraitaufnahmen, die mit Ausnahme einer Nachschärfung der jeweils fürs Web verkleinerten Bilder keine Bildbearbeitung enthalten und auch nicht zugeschnitten sind, also den originalen Abbildungsmaßstab und die dafür verantwortliche Aufnahme"distanz" dokumentieren, wollte ich nur deutlich machen, dass diese Bilder unter realen Wildlife-Bedingungen in den Oderwiesen entstanden sind und nicht etwa aus dem Streichelzoo mit handzahmen Bewohnern stammen.

Portrait-Shooting mit Daisy...


...und dann dieser schmachtend zugeworfene Blick, haaach...


Zum Abschluss der Morgenrunde habe ich dann noch einen Schellentenerpel und ein weiteres Braunkehlchen aus zumindest noch halbwegs akzeptabler Distanz vor die Linse bekommen, wobei diese Bilder aber schon recht stark zugeschnitten sind.

Schellentenerpel


Braunkehlchen

Den fürs Angeln reservierten Nachmittag hielt sich das herrliche Kaiserwetter, sodass ich ohne Bedenken wegen zu starken Windes auf die Buhne zurückgekommen bin, von der aus ich zwei Tage zuvor den ersten guten Döbel verbuchen konnte. Auf die wieder an der Feederrute mit Futterkorb angebotenen Maden beisst es stromab jedoch nicht annähernd so gut wie noch vor zwei Tagen, und es bleibt nur hin und wieder eine der halbstarken Plötzen von um die 20 cm hängen und hier und da auch mal 'ne Güster, von denen eine dann immerhin schon recht handlich bzw. moppelig war.

Original-Speckgütser...


...von immerhin ü30 auf Maden an 08/15 Feederkorbmontage

Diesmal meine ich jedoch eine plausible Erklärung für das stromab deutlich schlechtere Beißverhalten erkannt zu haben, denn die Stromkante verlief durch den fehlenden Wind ca. 15-20 Meter weiter draußen deutlich näher an der Fahrrinne, wohingegen es die Strömungskante vor zwei Tagen durch den starken Nordostwind noch schön auf die Sandbank im Buhnenfeld gedrückt hat und ich somit noch an der abfallenden Sandkante fischen konnte.

Oberhalb der Buhne brachten 3 Maiskörner an der Spaß-Rute alsbald den zweiten guten Döbel an den Haken, der mit ebenfalls 50cm einen Tick kompakter noch als der erste Fisch von vor zwei Tagen war.

zweiter Döbel in guter Größe...


...von wiederum gut 50cm

Während ich bei dem schönen Wetter unter deutlich angenehm spürbaren Frühlingstemperaturen von ca. 17-19 °C die Friedfischruten bediene, raubt es in der Rückströmung des Buhnenkessels am Eingang zu einer etwas längeren Altwasserschlenke im 15-20 Minuten-Takt ununterbrochen über mehrere Stunden hinweg ziemlich lautstark/gewichtig, weshalb ich mir für den kommenden Tag dann doch noch einmal die Mitnahme der Spinnrute, besser gesagt der Welsspinnrute vornehmen wollte. Es schossen regelrechte Schwärme handlanger bis handlicher Fische davon, was mich entweder auf einen Wels oder aber ziemlich stattlichen Hecht spekulieren ließ. Zugleich dämmerte mir ein wenig, dass sich dort leichte Beute in Gestalt akut laichbereiter, aber beißfauler Friedfische wie etwa (Groß)Plötzen schon als leichte Räuberbeute versammelt haben könnte, was mir fortan zumindest eine mögliche Erklärung zu meiner bis dato mageren Ausbeute an großen Plötzen zu sein schien...

Und so ganz nebenher pfiff und tröötete es an diesem Flussabschnitt durch den fehlenden Wind gut und weit hörbar noch einmal deutlich anders als in den schon beschriebenen Ecken mit viel Schilf. Der Limikolenzug war in vollem Gange und ständig machten sich die zu dieser Zeit recht zahlreich anwesenden Bruchwasserläufer, vereinzelt Austernfischer, Flussregenpfeifer und Grünschenkel, etc. mit ihrem "Tülülütt" bemerkbar.

Fortsetzung folgt...
 
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Debilofant

Well-Known Member
Da das Wetter frühmorgens am 7. Tag nicht mitspielt, drehe ich erst am späten Nachmittag/frühen Abend bei zumindest ausreichend Licht eine kleine Runde mit dem Teleobjektiv bei dafür dann aber anderweitig grenzwertig miesen Bedingungen, denn je größer die Brennweite und die Motiventfernung, desto störender wirkt sich bereits leichtes Luftflimmern auf die Treffgenauigkeit des AF und die Abbildungsqualität aus, und solches Luftflimmern war halt um diese Tageszeit (wie zu befürchten stand) noch immer vorhanden. Unter diesen Umständen habe ich mich dann mit den nächstbest auf die Schnelle verfügbaren Motiven bzw. halt nur einem Erpel eines der inzwischen zahlreich praktisch durchgehend entlang der Oder anzutreffenden Nilganspärchen und einem Exemplar der fast nur östlich der Elbe verbreiteten Nebelkrähen begnügt. Nilgänse gab es früher überhaupt nicht an der Oder, aber seit ein paar Jahren hat sich diese aggressiv invasive Art in kürzester Zeit ratz fatz auch entlang der Oderufer so richtig breit gemacht, was wegen der damit einhergehenden Verdrängungstendenzen grundsätzlich nichts Gutes bedeuten dürfte.

Go East: Nilgans und Nebelkrähe...



...in den Oderwiesen...



...bzw. auf der Kuhweide


Der Angelansitz gerät durch die verschobene Fotorunde dann auch kürzer als ursprünglich geplant bzw. stehe ich mit meinem Angelzeug erst kurz vor 18:00 Uhr auf der Buhne. Die Welsspinne hatte ich nicht vergessen, aber wie das immer so ist, war von dem gestrigen Raubspektakel trotz ähnlicher Witterungsbedingungen nichts mehr zu sehen und zu hören und auch sonst keine Fischaktivität am Eingang zu der Altwasserschlenke auszumachen. Da habe ich die Spinnrute dann erst gar nicht ausgepackt bzw. mich dann lieber auf die Friedfischangelei konzentriert.

Im Gegensatz zum Vortag, der mir auf Mais im Wesentlichen wieder "nur" den Döbelbiss beschert hatte, hagelte es auf Mais recht schnell reihenweise ruppig kurze Fehlbisse, die mich Mini-Döbel oder gar Mini-Alande befürchten ließen. Dieses Beißverhalten war mir so jedenfalls noch einigermaßen vage aus der Vergangenheit in nicht allzu guter Erinnerung geblieben. Dabei hatte ich den Haken in der Hoffnung auf eben auch größere Plötzen grundsätzlich schon deutlich kleiner gewählt als es für die Döbelangelei üblich gewesen wäre, aber selbst an dem kleinen Haken hingen die Nervensägen nicht. Als Abhilfe, um vielleicht doch noch einen von den Plagegeistern zu enttarnen, habe ich dann das Vorfach kurzerhand um ca. 20 cm gekürzt, und siehe da, es blieb zumindest ein Exemplar dann doch mal hängen...

Fehlbissgarant: Mini-Aland

Damit waren die Aussichten, auch an diesem Tag noch einen guten Döbel von dieser Buhne aus fangen zu können, recht trübe. Kurz vor Toreschluss fange ich aber dennoch einen besseren Fisch, allerdings keinen Döbel, sondern wieder einen für diese Jahreszeit zumindest in der Stromoder eingentlich noch nicht eingeplanten Blei von wieder gut 50cm mit diesmal schon in voller Pracht blühendem Laichausschlag.

50er "Pickeljoe" als Beifang

Apropos Laichausschlag - den hatten grundsätzlich auch schon einige der in den Tagen zuvor gefangenen 20er Plötzen, was mir für die Oder auch eher frühzeitig vorkam.

Für diesen Tag ging es dann also gänzlich ohne (guten) Döbel und leider auch wieder ohne Großplötz nach Hause. Für den anstehenden letzten Tag wollte ich es aber noch einmal wissen und habe einen weiteren Besuch derselben Buhne eingeplant, bei dem ich aber die Welsspinnrute, die ich letztlich nur als Ballast hin und her transportiert habe, besser gleich wieder zu Hause lassen werde, denn es war wohl kein gutes Omen.

Fortsetzung folgt...
 

Debilofant

Well-Known Member
@ Andy:
Freut mich sehr, dass es Dir als "Döbeldompteur vom kleinen Flüsschen" angler2 so gut gefällt, wobei sich die zum Fisch führende Taktik im Vergleich zur Oder vermutlich schon etwas unterscheiden dürfte. Mehr Berichte dieser Art würde ich ja gerne beisteuern, aber woher die Zeit und Möglichkeiten hernehmen, wenn ich doch auf dem Trockenen sitze und es nur alle Jubeljahre mal hinbekomme, während der ohnehin selten gewordenen Besuche der 370 km entfernten Heimat auch noch ausreichend Zeit für die Angelei abzuzwacken. Wenn ich es in diesem Jahr noch einmal mit Angelkram an die Oder schaffen sollte und es nicht allzu katastrophal läuft, werde ich hoffentlich mal wieder ein wenig Stoff beisammen haben, der sich mit ein paar Bildern garniert zu ein wenig Lektüre verwursten lässt. Ist aber leider noch reichlich ungewiss.

Schlussspurt, letzter Tag:

Bei der letzten Fotosession lasse ich den Sonnenaufgang links liegen, denn es war weder eine Wolke am Himmel noch hatte sich Nebel gebildet. Ohne die vorgenannten Zutaten gerät halt selbst ein Sonnenaufgang vergleichsweise fade langweilig, weshalb ich das erste und für das Teleobjektiv zugleich lohnendste Licht des Tages in Tierfotos zu investieren versucht habe. Als potentielles Motiv schlich an diesem Morgen sogar auch wieder mal ein Schwarzstorch umher, der jedoch im Vergleich zur Weißstorchverwandschaft um ein Vielfaches scheuer noch ist und dementsprechend eine sehr, sehr großzügig bemessene Fluchtdistanz pflegt, die brauchbare Fotos aus auch nur halbwegs aussichtsreicher Entfernung doch recht schwer macht. Der erste Versuch scheiterte zwar nicht von vornherein an der Entfernung, aber das Viech stand ausgerechnet hinter einem nicht gerade fotogenen Elektrozaun voll im Gegenlicht, was im Endresultat Fotos von nicht wirklich prickelnder Qualität ergab, die zu zeigen ich selbstkritischerweise nicht für lohneswert halte und daher darauf verzichte. Einen zweiten Anlauf habe ich nach einem kleinen Standortwechsel des Schwarzstorchs zwar noch unternehmen können, aber genau in dem Moment, in dem ich das diesmal aus der richtigen Lichtrichtung schön angeleuchtete Motiv anfokussieren wollte, hat eine letzte, leider etwas ungeschmeidige Armbewegung im Inneren des Autos auf ca. 100 m Entfernung gereicht, den Kandidaten zum Abflug zu animieren - dumm gelaufen...

In der kurzen noch verbleibenden Restzeit ging es dann an anderer Stelle zu Fuß durch die Oderwiesen und es boten sich noch einmal eine Grauammer auf diesmal Augenhöhe in sattem Morgenlicht und ein am Hauptstrom umherstreifender Storch an, der womöglich gar (auch :whistling) auf der Suche nach Daisy war.

Grauammer in etwas schickerem, wenngleich der Äste wegen auch nicht perfektem Ambiente


Hat jemand Daisy gesehen? Wo treibt die sich eigentlich schon wieder rum?!!

Zum Abschluss der Angelwoche sollte es noch einmal auf die gleiche Buhne gehen mit leicht modifizierter Ausrüstung, sprich es kam eine weitere Neuanschaffung der Kategorie Ultraleicht bzw. Superlight in Gestalt einer Preston Innovations Supera 11 ft SL auf den Prüfstand, denn es war die vorerst letzte Gelegenheit. Es dauerte nach der zwecks Anfüttern obligatorisch versenkten halben Büchse Mais wieder eine Weile bis auf die standardmäßig von mir gefischten 3 Maiskörner der erste Biss kam, der an diesem Tag wieder von einem guten Döbel von diesmal nicht ganz 50cm bzw. einem dafür im vorderen Körperdrittel ziemlich bulligen und dort auch überdurchschnittlich breit gebauten 49er stammte.

Noch einmal ein guter Döbel von diesmal "nur" 49cm und ein paar Zerquetschten

Von den kleinen Plagegeistern, die mich tags zuvor noch genervt und die Abstinenz größerer Döbel signalisiert haben, fehlte heute wieder bzw. bislang jede Spur. So kam der nächste Biss erst nach einer guten Stunde. Das war dann zwar kein Döbel, aber trotzdem ein zumindest für Oderverhältnisse gar nicht mal so kleiner bzw. schlechter und zum Glück deutlich größerer Aland als das Mini-Exemplar vom Vortag.

überraschender, aber diesmal durchaus willkommener Beifang...


...in Gestalt eines 40er Alands

Alande fängt man in der Oder zwar immer wieder mal, aber so richtig präsent sind sie meiner Erfahrung nach bzw. auf den von mir in der Vergangenheit regelmäßig befischten Flussabschnitten nicht, weshalb ihr Fang immer ein wenig die Ausnahme darstellt, erst recht im Frühjahr, denn alle von mir bis dahin mit feiner Grundangelei bzw. an den Feederruten gefangenen Oder-Alande kamen erst im Spätsommer/Frühherbst.

Eineinhalb Stunden vor Sonnenuntergang wechsle ich noch einmal die Buhne, fange aber auf der neuen Buhne lediglich noch ein paar Güstern und, wie sollte es anno April bzw. inzwischen 1. Mai 2022 auch anders laufen, wieder ein paar 20er Plötzen bzw. zum "krönenden" Abschluss auf Maden hinter dem Futterkorb einen kompromisslos beißenden "Groß-Ukel" an der leichten Feederrute.

Das war es dann also schon mit meinem Flashback- und Tennisarm-Reha-Angeln. Es war trotz des gemeinhin nicht als fangfördernd im Ruf stehenden Nordwinds eine sehr schöne Woche mit nicht überragenden, aber doch ganz ordentlichen Fängen und vorzeigbaren Einzelfischen in guten Größen. Ein richtiges Schlachtschiff war nicht dabei, aber das war auch nicht zu erwarten bzw. wäre eine solche Erwartungshaltung schon reichlich vermessen gewesen. Einzig bei den großen Plötzen bin ich haarscharf an einer gehörigen Blamage vorbeigeschrammt, denn ohne den Ehrentreffer hätte es da ganz duster ausgesehen.

Woran lag's bzw. wo hat es bei der Großplötzangelei gehakt?

Meiner Einschätzung nach war ich diesmal in Sachen Großplötz wohl schon 1-2 Wochen zu spät bzw. die Plötzen mit ihrem Laichgeschäft wohl 1-2 Wochen zu früh dran. Ging zeitlich aber nicht anders, denn die arbeitstechnische Terminlage ließ leider keinen anderen Urlaubszeitraum zu.

Ein anderer, mir eher weniger wahrscheinlich erscheinender, aber auch nicht ganz auszuschließender Erklärungsansatz könnte ein inzwischen deutlich erhöhter Fraßdruck durch den wohl seit vielen Jahren schon (wieder) zunehmenden Welsbestand sein, dem inzwischen gefühlt 75 % aller zur Oder aufbrechenden bzw. dort anzutreffenden Angler mit Booten und reichlich handfestem Equipment mit mehr als beachtlichen Erfolgen nachstellen. Inzwischen treten sich die Welsangler teilweise schon gegenseitig auf die Füße, denn wenn jeder 3 Buhnenfelder abspannen würde, wie man es doch öfter sieht, wird es selbst an einem großen Fluss schnell ziemlich eng. Das ist dann auch der Hintergrund, weshalb das inzwischen auch auf der Angelkarte als nicht erlaubt vermerkt ist, aber so richtig interessieren tut es offenbar keinen bzw. nicht allzu viele.

Ein letzter, auch nicht ganz auszuschließender Erklärungsansatz: Ich hab's nicht mehr drauf und es bei dem fehlenden Hochwasser einfach mit der Platzwahl grandios verkackt. :blush Eventuell hätte ein Versuch im Bereich der Altwasser mehr Aufschluss gebracht, aber das wäre wohl noch einmal besonders zeitaufwändig geworden, da Altwasser nicht gleich Altwasser ist bzw. diese Bereiche (auch) bis zu ca. 75 % ihrer Fläche nicht sonderlich fischreich sein können und Trupps laichbereiter Fische dann auch dort erstmal gefunden sein wollen. In Sachen Köderwahl bin ich ehrlich, ich mache da keine großen Faxen und keine Wissenschaft draus, denn Mais und Maden haben mit 08/15-Montagen bislang immer (recht universell) funktioniert, bzw. sind die Platzwahl und die richtige Zeit (zur richtigen Zeit am richtigen Ort) da m.E. um ein Vielfaches entscheidender.

Hat mir was gefehlt? Ursprünglich wollte ich auch noch mit der Matchrute abseits des Hauptstroms in einem der Oderlöcher noch einen Versuch auf Schleie wagen, aber dazu hat dann schlicht die Zeit nicht gelangt. Vielleicht klappt das ja ein anderes Mal.

So, dit war't denn mal wieda!
 
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Professor Tinca

1. Ükel Champion
Teammitglied
Große Klasse!ab122

Die Friedfischangelei kann sehr anspruchsvoll, spannend und unterhaltsam sein.


Wenn ich es in diesem Jahr noch einmal mit Angelkram an die Oder schaffen sollte und es nicht allzu katastrophal läuft, werde ich hoffentlich mal wieder ein wenig Stoff beisammen haben, der sich mit ein paar Bildern garniert zu ein wenig Lektüre verwursten lässt. Ist aber leider noch reichlich ungewiss.


Ich hoffe sehr dass es klappt und freue ich schon auf die Bilder.:love
 

Debilofant

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@ Werner:
Debakel beschreibt das, was sich da wohl schon Ende Juli zunächst am Oberlauf im Fluss und auch auf Behördenebene abgespielt hat, leider nicht mehr ausreichend. Es ist mit Ausnahme der oberhalb von wohl Opole gelegenen Flussabschnitte für den gesamten Strom der totale SuperGAU (mir kam sofort die Sandoz-Katastrophe vom Rhein in den Sinn) und was das Verhalten der polnischen Behörden anbelangt, die bis heute niemanden in Deutschland informiert haben sollen, schon jetzt ein Skandal!! Anstatt das internationale Warnsystem zu befolgen, steht der Verdacht des Vertuschungsversuchs im Raum, denn in den letzten Tagen gab es einen 20-30cm Pegelanstieg, mit dem man wohl das Zeug schneller die Oder hinunterspülen oder ein wenig verdünnen wollte.

https://pegelportal.brandenburg.de/messstelle.php?fgid=5&pkz=6030300&thema=ws_graph

Es walzt sich nahezu unverdünnt (!) eine Giftwolke stromabwärts, was nichts mit Niedrigwassserstand oder gar Sauerstoffmangel zu tun hat, weshalb die verheerenden Wirkungen des hochgiftigen und vermutlich zu hunderten/tausenden Litern eingeleiteten Lösungsmittels Mesitylen (1,3,5-Trimethylbenzol) auf jedem Stromkilometer 1:1 aufs Neue eintreten, denn dieses Zeug ist nicht wasserlöslich, kann sich also nicht verdünnen. Dieses Alptraumszenario hat sich nun schon auf 400km der Oder abgespielt und wird auch noch den Nationalpark bei Schwedt erwischen.

Zur Veranschaulichung ein paar erste Bildeindrücke:

So sieht es heute inzwischen etwas südlich von Frankfurt (Oder) in etwa Bereich der Autobahnbrücke aus, wo die Wolke wohl vor ein paar Tagen schon durchmarschiert ist, Fischarten querbeet einschließlich ausgesprochener Grundbewohner wie Barbe, Gründling, Quappe, etc. und auch massenhaft Jungfisch:

Gestern von der Oderbrücke Küstrin-Kietz als die Dreckbrühe mit sichtbar öligem Schmierfilm auf der Wasseroberfläche dort wohl gerade eintraf und zu wirken begann:

Genschmar Panzerstraße von heute Morgen noch zu Beginn des Desasters:

Weiteres Bildmaterial aus Polen:

In der MOZ läuft gerade so eine Art (noch unverschlüsselter) News-Ticker:

Ein paar aufschlussreiche Infos finden sich auch hier:

U.a. wurde betont, dass die gemessenen Sauerstoffwerte allesamt deutlich ÜBER den üblichen Werten lagen. In Polen hat man bereits zig Tonnen Fischkadaver entsorgt, was hierzulande bislang nicht geschieht. Wenn dann erst mal tausende Fischkadaver bei diesen Temperaturen vor sich hin rotten, könnte dann aber doch noch ein "Nachschlag" in Gestalt von Sauerstoffmangel für die paar überlebenden Fische folgen aufgrund der ganzen Verwesungssoße.

Was nach oder neben dem Fischsterben noch blüht (über die Nahrungskette, etwa Seeadler, etc.), ist wohl noch nicht absehbar (In manchen aktuellen Kommentaren ist jedenfalls auch schon von abtreibenden Biber-Kadavern die Rede)

Ein punktuell bzw. regional begrenztes Fischsterben aufgrund von Sauerstoffmangel wäre sicherlich schon traurig und ärgerlich genug, aber was sich da gerade im Fischbestand auf nahezu ganzer Flusslänge und darüber hinaus abspielt, übersteigt diese Dimension um ein Vielfaches.

Meinen in zwei Wochen eingentlich geplanten Kurzurlaub an der Oder kann ich nach dem auch noch nicht ausgestandenen Zutrittshindernis Schweinepest jedenfalls knicken und das womöglich für die nächsten zig Jahre. :cry
 
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Debilofant

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Inzwischen wird auch hochoffiziell auf den Internetseiten der betroffenen Landkreise und sogar vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe für alle bis derzeit einschließlich auch schon Uckermark betroffenen Landkreise entlang des deutschen Oderufers vor dem Wasser der Oder gewarnt einschließlich aller damit direkt in Verbindung stehenden Gewässer (also etwa in MOL die Alte Oder sowie nahezu alle Gräben im Oderbruch). Irgendwo stand, dass man im Oderbruch einige Pumpwerke inzwischen abgestellt habe, aber ob das generell und ggf. überhaupt noch rechtzeitig geschehen ist bzw. sein soll, weiß wohl keiner so genau.




Und wie zuvor als zumindest Gerücht schon angedeutet, verrecken auch Biber und andere Tiere, wie inzwischen auch per Foto dokumentiert:
 
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Debilofant

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@ hanzz: Richtig, wurde aber auch in den offiziellen Warnungen bzw. im Laufe des Tages von der Presse jeweils mehrfach ausdrücklich mit erwähnt, dass man Hunde derzeit nicht ins Wasser der Oder lassen sollte. Es war übrigens ausgerechnet eine Internetseite, die vor vergifteten Hundeködern warnt, die mit als erste im Internet Alarm geschlagen hat:



Aktuelle Bilder auch von Kuhbrücke bzw. direkt vor der Haustüre von Oderfischer Schneider Junior nebst Statement seinerseits und eines Berufskollegens sowie nunmehr auch in der ÖRR-Berichterstattung eine Bestätigung der unverantwortlichen Verhaltensweise der Polen - NULL Info, aber Vertuschungsversuch...
h040.gif
:

 

Debilofant

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So, die Giftbrühe schwappt wie befürchtet ungebremst den kompletten Oderstrom hinab, aktuell wird auch bei Schwedt nebst Nationalpark massives Fischsterben gemeldet bzw. gibt es wohl sogar auch schon erste Meldungen aus Stettin.


Neben dem hochgiftigen und wasserunlöslichen Mesitylen wurden inzwischen leider auch massiv erhöhte Quecksilberwerte bestätigt.


Quecksilber ist eines der Gifte, das zu Ostzeiten zusammen mit anderen Belastungen die Elbe über weite Strecken zu einem mausetoten Gewässer gemacht hat, und auch nach zig Jahren/Jahrzehnten nicht abbaubar ist bzw. sich im Flussgrund, vor allem dem reichlichst vorhandenen Odersand, einlagert und damit selbst nach zig Jahren und eventueller Erholung eines etwaig noch regenerationsfähigen Restfischbestandes letztlich auch wieder in den Fischen (und in der weiteren Nahrungskette) landet und sich mit zunehmendem Alter im Fleisch anreichert. Das bedeutet wohl leider, dass man Oderfisch, sofern es in unabsehbarer Zeit wieder eine Erholung des Fischbestandes geben sollte, für die nächsten Jahre nicht mehr essen können wird.


Vulgo, die Oder dürfte allein infolge der Quecksilberkontamination für die kommenden Jahre auf nahezu kompletter Stromlänge über mehr als (!) 600km (!) verseucht sein...

In Sachen Behördenversagen haben sich inzwischen auch die deutschen Behörden nicht mit Ruhm bekleckert, es passiert einfach nichts bzw. dauert alles viel zu lange. FFO und der Landkreis MOL haben seit heute die Schnauze voll und werden ab morgen selbst Hand anlegen und wenigstens mit dem Einsammeln der Fischkadavermassen beginnen.


Zu den seit Dienstag untersuchten Wasserproben gibt es bis heute keine offziellen Ergebnisse, ohne Laborergebnisse passiert außer Warnungen auf deutscher Seite NICHTS mit dem Resultat, dass egal was jetzt noch festgestellt oder auf dieser Basis dann veranlasst wird, es bereits zu spät ist, denn die Jauche zieht bereits durch den Unterlauf und ist somit ungehindert durchgeflossen.

Im Übrigen habe ich heute mal ausgiebig polnische Onlinezeitungen mit Google-Übersetzer durchstöbert und da tun sich (politische) Abgründe auf (erst 2015 wurde etwa einer der größten Nebenflüsse der Oder, die Warthe bei Poznan vergiftet, ohne zählbare juristische Konsequenzen). Die Tatsachen, dass es keine Infos der polnischen Behörden gab und stattdessen höchstwahrscheinlich eine Staustufe im Oberlauf zwecks Vertuschungsversuchs geöffnet wurde, lassen für mich nur den Rückschluss zu, dass da Leute mit hoher krimineller Energie bis in die offenbar korrumpierten Behördenstrukturen zugange waren/sind. Es gibt bereits konkrete Verdachtsmomente gegen einen Industriebetrieb aus dem polnischen Olawa, der sich jedoch damit verteidigt, dass seine Abwassereinleitungen offiziell von den polnischen Umweltbehörden genehmigt worden seien, was natürlich nicht sein kann, weil es offiziell nicht sein darf. In dieses Bild passt dann auch, dass erst heute sogar der polnische Ministerpräsident sich nach zwei Wochen des Vertuschens genötigt sah, auf Facebook den "brutalstmöglichen Aufklärer" zu mimen, wofür er auch von den polnischen Kommentatoren Feuer bekommt:


Das ganze hat also auch eine nicht zu knappe (Außen)Politische Dimension, aber genauso wie die deutschen Behörden bislang kaum etwas auf die Reihe bekommen haben, wird es auch in der deutschen Außenpolitik keine angemessene Reaktion geben, jedenfalls nicht von dem aktuellen Personalsupergau im Außenministerium.

Zurück zum Fluss - es gab bereits hier und da vage Andeutungen, dass die verheerende Giftbrühe letztlich alles einschließlich Kleinstlebewesen platt gemacht hat und die Oder defacto klinisch tot sei. Ob hier und da etwas überlebt hat, werden wohl erst die kommenden Tage/Wochen zeigen, aber allein die Massen toter Fische, die auf letztlich über 600km überall an beiden Flussufern angeschwemmt wurden und kieloben noch im Hauptstrom treiben, ist schon ennorm, wobei m.E. bei weitem nicht alle Kadaver auch auftreiben, was in einigen Videos auch zu sehen ist, dass gerade größere Fische entlang der Buhnen im/unter Wasser lagen. Es ist etwa kaum ein Wels von weit über 1,50m auf den ganzen Videos zu sehen, obwohl es zahlreich Fische von 2m und auch noch weit darüber gab. Mir fehlt da ehrlich gesagt der Glaube, dass ein Wels von 70-100kg noch zur Oberfläche aufsteigt, wenn man sich allein das Gewicht des Schädels vor Augen hält. Ergo, es dürfte auch noch unter Wasser gruselig aussehen, ohne dass man das in vollem Ausmaß zu Gesicht bekommt.

Wenn man mich fragt, war es das wohl - vorbehaltlich eines Wunders - mit der Oder auf Jahre/Jahrzehnte.

RIP Odra!
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