Wasserrahmenrichtlinie inkl. Beispiel - Livethread

Viele haben es sicher mit bekommen, einige bestimmt aber nicht. Unsere Bäche, Flüsse und Seen sollen in Zukunft wieder in einen "guten Zustand" versetzt werden. Die EU hat dazu die Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2000/60/EG) ins Leben gerufen. Was darunter zu verstehen ist und was das Ziel der Richtlinie sein soll, lest ihr am Besten selbst in der Kurzfassung auf Wikipedia nach. Alles in allem hören sich die Ziele aus Sicht der Angler vernünftig an, wir können also gespannt sein wie sie umgesetzt werden. Ich möchte euch anhand "meines" Bachs ein konkretes Beispiel mit Bilder liefern wie so eine Verbesserung der Qualität aussehen kann, wie sich diese Maßnahmen auswirken und welche Auswirkungen sie haben. Deshalb auch der Name "Livethread", denn - sofern Interesse besteht - werde ich den Thread immer weiter aktualisieren.

Gerne dürft ihr auch den Thread nutzen und gemäßigt über diese Richtlinie bzw. die Maßnahmen zu diskutieren. Allerdings möchte ich keine Anfeindungen oder Streitereien hier sehen, diese Beiträge werden von mir stumpf gelöscht und dementsprechende Maßnahmen dann ergriffen.

Im ersten Teil der Bilderreihe füge ich euch ein paar Bilder an wie der Bach zuvor ausgesehen hat, also den Ausgangszustand. Und nun wünsche ich euch viel Spaß :)

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Kommentare

Hallo,

An dem ein oder anderen Gewässer sieht man aber, dass da (nur) ein Wasserbauer oder Ingenieur am Werk war.
Schlimmer wäre es m.E. wenn es von Leuten genmacht wird, die in beiden Fachgebieten nicht so firm sind.

Beispiel: Hufeisenförmiger Altarm, Stillwasser, flussabwärts gelegenes Ende hat Verbindung zu Hauptfluss.

Hauptfluss gräbt sich immer tiefer ein, Altarm droht zu verlanden.

Maßnahme: Oberes Ende auch mit Hauptfluss verbunden, zwischen beiden Enden eine Sohlschwelle eingezogen und so den Altarm wieder in Fließgewässer verwandelt.

Effekt: Nach wenigen Hochwassern fast der gesamte Altarm mit Sand zugespült.

Sieht für mich als Laie jetzt nicht wie ne Meisterleistung aus.

Da erscheinen mir die Maßnahmen an Seeles Bach schon durchdachter.
 
Das Gute an diesen Maßnahmen ist auf jeden Fall, dass man mit weniger Aufwand als eine komplette Renaturierung trotzdem gute Ergebnisse erreichen kann. Mehr Platz braucht der Fluss übrigens dafür nicht unbedingt. Der Fluss ist im Vorher-Zustand sogar eher etwas zu breit und dem wird mit den Baumaßnahmen gezielt entgegen gewirkt.
 
Bei uns haben sie in einem Bereich den schnurgeraden Verlauf durch den Einbau einer Schleife unterbrochen.
Bei Hochwasser gibt es die Möglichkeit, dass der Bach noch in einer etwas oberhalb des Baches liegenden Absenkung unterhalb des umliegenden Bodenprofils die "Abkürzung" gerade rüber zu nehmen.
Dem Frieden traute man aber wohl nicht so recht, so dass man den Verlauf der Schleife in Plastiknetze bettete. Also, bloss nicht sich selbst überlassen!

Nun hat man immerhin ne Schleife in den ansonsten recht monotonen Verlauf eingebaut!

Ich bin nach Abschluß der Massnahme über die planierte innere Fläche der Schleife gelaufen, als dort noch keine Pflanzen waren. Da fand ich massenhaft alte Muschelschalen.....tja, die stammen wohl noch aus einer anderen unbegradigten Zeit, als der Bach tatsächlich noch Bach sein durfte.
Heute stehen da einige Büsche, Schilf und hohes Gras und der Bereich ist fest in der Hand der Wildschweine!
 
Die Maßnahmen tragen bereits ihre Früchte.
Am Wochenende war ich mit der Unterwasserkamera bewaffnet unterwegs und habe die Unterwasserwelt in Augenschein genommen. Die Stömung hat die Buhnen bereits anständig ausgespült und dahinter lagern sich schöne Kiesbänke an welche dem Fluss seinen mäandrierenden Charakter zurück geben. Teilweise waren mehrere Äschen und Forellen gleichzeitig an den renaturierten Stellen zu beobachten. Als besonderes Highlight konnte ich einen alten Veteran mit weit über 50cm an einer anderen Stelle beobachten.
Im Winter werden Brutboxen dabei helfen wieder eine ordentliche Alterspyramide in den Bach zu bekommen, denn die wirklich kleinen Fische fehlen natürlich momentan komplettm, desweiteren sollen sie auf das Gewässer geprägt werden und mit Glück in Zukunft auch selbst zum Laichen an den Ursprung ihres Lebens zurück zu kommen. Die Vorraussetzungen dafür werden in den kommenden Wochen geschaffen. Das wird leider eine richtig üble Arbeit, denn der Kies ist fest wie Beton und dieser muss hinter den Boxen aufgelockert werden, damit sich die kleinen Fische drin verstecken können. Gewässerbewirtschaftung ist also mehr als nur Angeln gehen, einen großen Teil der Zeit verbringt man ohne Angel am Gewässer, was aber nicht minder interessant ist.

Alles in Allem sehe ich ziemlich postiv in die Zukunft.
 
Die Stömung hat die Buhnen bereits anständig ausgespült und dahinter lagern sich schöne Kiesbänke an welche dem Fluss seinen mäandrierenden Charakter zurück geben. Teilweise waren mehrere Äschen und Forellen gleichzeitig an den renaturierten Stellen zu beobachten. Als besonderes Highlight konnte ich einen alten Veteran mit weit über 50cm an einer anderen Stelle beobachten.
Vielleicht kannst du dieses Jahr schon die ersten Laichgruben auf den frisch umgelagerten Kiesbänken entdecken. In der Regel werden die sofort angenommen und jetzt ist auch die richtige Jahreszeit dafür. thumbsup
 
Vielleicht kannst du dieses Jahr schon die ersten Laichgruben auf den frisch umgelagerten Kiesbänken entdecken. In der Regel werden die sofort angenommen und jetzt ist auch die richtige Jahreszeit dafür.
Dafür fehlen leider die Fische, denn meine Bachforellen sind leider die letzten Jahre alle schwarz geworden und ich habe nur noch Regebogen und Äschen drin. Die Äschen haben allerdings die Jahre zuvor auch schon immer gelaicht, nur kam der Laich auf Grund von extremen Wasserständen meistens nicht durch. Ich habe aber letztes Jahr Äschen mit etwa 10cm gefangen die defnitiv nicht vom Besatz stammen.
In der Regel wird die Äsche auch überhaupt nicht befischt und beißt allerdhöchstens mal als Beifang. Dieses Jahr hatte ich nur eine und die hatte sich einen Wobbler geschnappt :surprised
 
...Ich bin der Pächter. Aber in Endeffekt hat's mich ja nicht anzugehen. Mitspracherecht hab ich da eh keines, es geht ja um den Bach nicht um den Angler....
Wurde denn wenigstens der Verpächter/Fischereirechtsinhaber gefragt bzw. dazu gehört?

Ich frage, weil zu meiner Zeit im Allgäu, in der ich Fischereirechtsinhaber zweier Illerzufüsse war und ähnliches geplant wurde, das Landratsamt in Sonthofen dafür sorgte, daß vor Planungsbeginn entsprechende Gespräche mit dem damaligen Bürgermeister der Gemeinde geführt wurden. Ist allerdings gut 15 Jahre her.

Ansonsten hast Du es da ja richtig schön! thumbsup
 
Super interessanter Bericht. Sieht bis jetzt nach einer wirklich gelungenen Lebensraumverbesserung für die Lebewesen an und im Gewässer aus und das mit augenscheinlich eher geringem Materialaufwand. Habe da schon ganz andere, aufwändigere Aktionen gesehen, die noch nicht mal halb soviel Struktur geschaffen haben. Unser Verein hat einen ähnlichen Bach gepachtet, der auch die bekannten Probleme durch Begradigungen und intensiv genutzte Landwirtschaft drumherum hat. Laichplätze für Salmoniden sind meist in kurzer Zeit durch Sedimente bedeckt oder der Kies ist extrem fest "verbacken". Wir besetzen seit einigen Jahren Bachforellenbrut, welches sich in der Alterspyramide auch mittlerweile deutlich bemerkbar macht. Wir haben auch schon mit dem Gedanken gespielt, Brutboxen einzusetzen, was ja im Endeffekt dann aber nur Sinn macht, wenn dann auch mögliche funktionierende Laichplätze geschaffen werden. Deshalb berichte auf jeden Fall über dein Vorgehen mit den Brutboxen. Auch die Stellenwahl und die Vorbereitungen würden mich und sicherlich auch andere interessieren. Finde das sehr interessant und vielleicht finden sich dadurch auch einige Nachahmer.
 
Sieht bis jetzt nach einer wirklich gelungenen Lebensraumverbesserung für die Lebewesen an und im Gewässer aus und das mit augenscheinlich eher geringem Materialaufwand.
Dem kann ich mich anschließen.
Wenn man sich Eingangs des Threads, die Bilder dieser geraden und strukturlosen Strecke ansieht, eine ganz klare Verbesserung!

Auch die Stellenwahl und die Vorbereitungen würden mich und sicherlich auch andere interessieren
Erstaunlicherweise hat dieses Kunststück wohl irgend ein Mensch bei der Behörde (Wasserwirtsschaftsamt?) vollbracht!
Offensichtlich auch ohne vorherige großartige Planung, so ausm Handgelenk quasi.
Schön zu sehen, dass es wohl auch bei Behörden Menschen gibt, die wissen was sie tun und auch entsprechend handeln, ohne vorherige (teure) Gutachten und Planungsbüros.
(ist man ansonsten so gar nicht gewohnt!)

Jürgen
 
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