E-Motor: Darauf kommt's an

Dieses Thema im Forum "Boote , Motoren und Zubehör" wurde erstellt von Georg Baumann, 7. August 2019.

By Georg Baumann on 7. August 2019 um 16:30 Uhr
  1. Georg Baumann

    Georg Baumann Administrator Mitarbeiter

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    Bei den Autos wird schon lange darüber diskutiert, aber auch im Bootssport ist Elektromobilität ein großes Thema. Viele Angelarten wie das pelagische Fischen, Backtrolling oder Vertikalen ist ohne E-Motor kaum möglich. Doch auch als „vollwertigen“ Hauptantrieb für größere Sportboote sieht man die leisen Motoren immer häufiger. Neue Technologien und Speichermedien machen es möglich. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie leiten keine Abgase ins Wasser, bringen innerhalb kürzester Zeit die volle Leistung (Drehmoment) und beim Fahren könnt Ihr Euch unterhalten, ohne zu brüllen. Für Verbrennungsmotoren gelten nicht nur auf dem Bodensee strenge Auflagen und Vorschriften – Tendenz steigend. Ein Elektromotor ist für viele die naheliegende, emissionsärmere Alternative. Doch nach wie vor stößt der Elektroantrieb auf viel Skepsis. Insbesondere die Diskussion um die Reichweite hält viele Bootseigner von einem Kauf ab. Sicherlich trägt auch der immer noch vergleichsweise hohe Preis der leistungsstarken Modelle dazu bei, dass nicht schon viel mehr E-Motoren auf unseren Gewässern zu sehen sind. Wir wollen die drängendsten Fragen beantworten.
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    Auch für Kajaks gibt's inzwischen den passenden Motor (Foto: Torqeedo)


    Leistung

    Ein PS ist ein PS, oder? Schön wär’s. Bezüglich der Leistungsangabe herrscht bei den E-Motoren ein ziemliches Durcheinander. Einige geben PS an, andere kW und um die Verwirrung komplett zu machen, findet sich bei kleineren Außenbordern meist die Angabe lbs. Hier ist es nicht leicht, die Übersicht zu behalten. Einerseits will man natürlich wissen, was der Motor wirklich leistet. Andererseits kann die Frage schnell auch rechtlich relevant werden. Dann nämlich, wenn es darum geht, ob Du das Boot ohne Führerschein fahren darfst. Denn selbstverständlich gilt auch bei E-Motoren die - von einigen örtlichen Ausnahmen abgesehen - überall geltende Regelung: Zum Fahren von Booten mit einer „Antriebsmaschine …, deren größte nicht überschreitbare Nutzleistung höchstens 11,03 Kilowatt“ beträgt, brauchen Sie einen Führerschein“. Aus dem Amtsdeutsch übersetzt heißt das: Motoren bis 15 PS darfst Du ohne Führerschein fahren, egal ob sie mit Benzin, Diesel oder Strom laufen. Allerdings gibt es unterschiedliche Verfahren, die Leistung zu messen.
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    Bis 15 PS braucht Ihr keinen Führerschein. Die Leistung wird auf unterschiedliche Arten gemessen

    Unterschieden wird zwischen folgenden drei Arten, die auf der Homepage des Herstellers Torqeedo beschrieben wird (Quelle: www.torqeedo.de):

    Eingangsleistung: Leistungsaufnahme eines Antriebes. Wird oft als Leistungsangabe für elektrische Antriebe verwendet (Strom x Spannung) und kann in Watt oder PS ausgedrückt werden.

    Wellenleistung: Leistungsangabe von Benzin-Außenbordern analog zum Auto (Drehmoment x Winkelgeschwindigkeit). Wird in PS oder kW ausgedrückt. Berücksichtigt Propellerverluste nicht, die zwischen 30 und 80 Prozent können.

    Vortriebsleistung: Leistungsangabe Großschifffahrt und Torqeedo (Schub x Geschwindigkeit). Wird in PS oder kW ausgedrückt. Berücksichtigt alle Verluste einschließlich der Propellerverluste und gibt damit die tatsächlich zur Verfügung gestellte Leistung eines Antriebs an.
    Normalerweise werden beim Angeln kleinere Außenborder eingesetzt, die meist neben einem Verbrenner benutzt werden. Dort wird die Leistung in der Regel nach der anglo-amerikanischen „Pound Force“ (lbs) angegeben. Sie beschreibt den Vorschub. Wenn Du aber ein größeres Boot besitzt solltest Du Dich beim Hersteller informieren, um welche Angabe es sich handelt.
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    Es gibt schon richtig leistungsstarke E-Motoren, die den Verbrenner ersetzen. (Foto: torqeedo)

    Es darf ein bisschen mehr sein
    Wie stark Dein Motor in der Praxis sein muss, hängt vom geplanten Einsatz, Bootsgewicht und der -größe ab. Willst Du mit Deinem Ruder- oder Schlauchboot nur einmal übern See zum Angelplatz, brauchst Du logischerweise weniger als wenn Du den ganzen Tag mit einem fetten Bassboat Backtrolling machen möchtest.

    Die Hersteller geben Empfehlungen ab, die sich in der Regel allerdings an den Minimalanforderungen orientieren. Wenn Du Dich danach richtest, kommst Du wahrscheinlich noch irgendwie vorwärts, kannst aber unter Umständen nicht mehr komfortabel manövrieren. Wir raten daher dazu, im Zweifelsfall zum stärkeren Motor zu greifen. Die preislichen Unterschiede sind nicht so groß. Aber es ist ärgerlich, wenn Du mit Deinem Boot bei etwas Wind und Welle nur noch mit Mühe zum gewünschten Platz kommst. Folgende Tabelle sind die Empfehlungen des Herstellers Rhino, die als grober Richtwert für kleinere Boot dienen. Aber wie gesagt: Wir empfehlen im Zweifelsfall mehr Leistung! Hohe Geschwindigkeiten erreichst Du mit den kleinen Antrieben natürlich nicht. Dafür gibt es die stärkeren Motoren, bei denen die Grenzen nach oben offen sind. So bietet etwa Torqeedo mit der DeepBlue Serie Außenborder an, die einem Vorschub eines 80 PS starken Verbrenners entsprechen sollen.



    Max. Bootsgewicht Min. Schubkraft


    500 Kilo 18 lbs

    1.100 Kilo 34 lbs

    1.750 Kilo 54 lbs

    2.100 Kilo 65-110 lbs


    Batterien und Reichweite

    Das Nadelöhr bei den Elektroantrieben war immer die Batterietechnologie und die daraus resultierende geringere Reichweite. Zumindest im unteren Leistungssegment werden hier die größten Fehler gemacht. Eine Starterbatterie vom Auto ist nicht geeignet! Die ist nämlich nur für kurze Stromabgabe ausgelegt. Du brauchst aber Arbeitsbatterien, die für den dauerhaften Betrieb ausgelegt sind. Folgende Varianten sind auf dem Markt:

    AGM-Batterien: Das sind weiterentwickelte Blei-Säure-Batterien mit einem guten Wirkungsgrad von rund 500 bis 700 Ladezyklen. Gerade für Einsteiger und Gelegenheitsfahrer eine sehr gute Entscheidung, da das Preis-Leistungs-Verhältnis passt. Wer häufiger unterwegs ist, sollte über „Deep Cycle“-Batterien nachdenken. Sie erreichen bis zu 950 Ladezyklen.

    Lithium-Batterien: Sie sind der neueste Stand der Technik und werden unter anderem in E-Bikes und Elektroautos eingesetzt. Der Riesenvorteil: Sie sind viel leichter als Säurebatterien. Zum Vergleich: Eine 80 Ah AGM-Batterie wiegt rund 25 Kilo. Eine vergleichbare Lithium-Batterie dagegen weniger als 15 Kilo. Dieser Fortschritt macht es möglich, dass Du auch mit größeren Booten und Motoren heute recht gute Reichweiten erreichst. Hier werden entsprechend größere Batterieblöcke verbaut, die aber auch meist unter 40 Kilo wiegen. Der Nachteil: Sie sind noch vergleichsweise teuer. So empfiehlt Torqeedo für seinen Cruise 10.0 T, der einem Vorschub eines 20 PS Verbrenners entspricht, gleich zwei Batterien, die jeweils 5.000 Euro kosten.
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    Klein und leicht: Lithium-Batterien sind das Maß der Dinge

    Bei kleineren Motoren hilft ein bisschen Kopfrechnen, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Jeder Motor hat bei einer bestimmten Schaltstufe eine gewisse Stromabnahme. Die findest Du auf dem Datenblatt des E-Motors. Sie wird in Ampere angegeben. Jetzt einfach die Amperestunden (Ah) der Batterie durch die Ampere-Aufnahme teilen und Du hast die ungefähre Laufzeit der Batterie. Nimmt Dein Motor 30 Ampere, kannst Du mit einer 100-Ah-Batterie abzüglich einer gewissen Toleranz rund 2,5 Stunden fahren. Wir raten zu einem Sicherheitspuffer von etwa 20 Prozent, da die Leistung der Säurebatterien mit der Zeit nachlässt.
    Bei den kleineren Batterien kannst Du die Leistung relativ einfach verdoppeln. Einfach parallel schalten! Dazu verbindest Du Plus- mit Pluspol und Minus- mit Minuspol. Im Zweifelsfall aber bitte vorher den Hersteller fragen, ob dadurch nicht die Garantie erlischt! Bei den großen, teuren Batterien raten wir von Experimenten ab.
     

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