Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Andal

Teilzeitketzer
Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Wieso schmeckt dem einen etwas für sein Leben gut, was dem anderen die Haare aufstellt und den Hals zuschnürt?

Das ist doch für eine Art (hier Homo sapiens) völlig wiedersinnig. Jedes ihm zuträgliche Lebensmittel müsste doch sinnvollerweise allen Mitgliedern seiner Sippe gleich schmecken. Warum tut es das nicht?

Sind wir vom Überfluss schon so denaturiert, dass wir uns solche Luxusprobleme einfach leisten können?

Ich weiss es nicht, warum und wieso. Aber vielleicht ergeben sich ja aus den Antworten neue Ansätze!?
 

HAPE-1909

Member
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Puh das ist mal eine interessante Frage/Sache.

Eine wissenschaftlich fundierte Antwort hab ich aber nicht parat.
 

Andal

Teilzeitketzer
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Es reichen ja schon die Ansätze eigener Antworten!
 

Nordlichtangler

Well-Known Member
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Das ist doch für eine Art (hier Homo sapiens) völlig wiedersinnig. Jedes ihm zuträgliche Lebensmittel müsste doch sinnvollerweise allen Mitgliedern seiner Sippe gleich schmecken. Warum tut es das nicht?
Genetisch + epigenetisch + erlernt.
Permanent aufgenommen u. kontinuierlich hinterfragt seit dem ersten Lebenstag.

Das funktioniert alles viel schneller und enger verzahnt als die konventionell-altbackene Wissenschaft das lange sah.
Gutes Beispiel ist das mit der EU Dorschschutzregelung in Nordatlantik, die den Dorsch in gut 10 Jahren dort massiv verändert haben.
Eben genau so, wie dumme Tischsitzerpolitiker immer wieder voll daneben hauen ... :g

Vielfalt ist außerdem Evolutionsprogramm, es gibt mindestes 3 stark anders konstuierte humanoide Verdauungstypen und 4 Stoffwechsel-Bluttypen, d.h. längst nicht jeder funktioniert in der Basis schon gleich.

Auch gut zu sehen z.B. bei dem Sehen an sich und den Farbsehen, es gibt ausgeprägte Grünunterscheider (man nimmt an Pflanzenbewohner) und die dazu NICHT, genau ausgeprägte Weißunterscheider (man nimmt an Schneeleute) und die dazu NICHT, usw. usw.
 

rhinefisher

Teilthomasianer
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Hi!
Eigentlich finde ich bloß 2 der üblichen Lebensmittel ekelhaft: Dicke Bohnen, weil meine Mutter mir die als Kind reingezwungen hat bis ich erbrochen habe.
Und Whisky, weil ich mir den selbst reingezwungen habe bis ich mit dem erbrechen garnicht mehr aufhören konnte.. .
Ekel scheint also viel mit negativer Erfahrung zutun zu haben.
Petri
 

Nordlichtangler

Well-Known Member

Christian.Siegler

Administrator
Teammitglied
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Vielfalt ist außerdem Evolutionsprogramm, es gibt mindestes 3 stark anders konstuierte humanoide Verdauungstypen und 4 Stoffwechsel-Bluttypen, d.h. längst nicht jeder funktioniert in der Basis schon gleich.

Da ist was dran.
Wenn allen alles gleich gut, oder gleich schlecht schmecken würde, hätten wir wohl ein riesiges Versorgungsproblem. Eine Population mit breiter genetischer Vielfalt hat schon irgendwie auch Vorteile...
 
G

Gelöschte Mitglieder 136077

Guest
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Ich finde Fett in fester Form (Schwarte etc) total ekelig bzw. ist das für mich die Krönung an Ekel. Nicht unbedingt nur wegen dem Geschmack, sondern vor allem wegen der Konsistenz. Mit Whisky habe ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht, aber den mag ich trotzdem noch sehr gern.
 

Purist

Spinner alter Schule
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Wieso schmeckt dem einen etwas für sein Leben gut, was dem anderen die Haare aufstellt und den Hals zuschnürt?

Keine Ahnung wie es bei dir aussieht, aber je älter ich werde, je mehr ich die Finger von Industrienahrung lasse, desto besser schmecken mir Dinge, die ich früher nicht angerührt hätte.





Das ist doch für eine Art (hier Homo sapiens) völlig wiedersinnig. Jedes ihm zuträgliche Lebensmittel müsste doch sinnvollerweise allen Mitgliedern seiner Sippe gleich schmecken. Warum tut es das nicht?

Wiedersinnig ist da doch nichts, der Mensch ist und bleibt ein Tier. Wie entwickelt sich unser Geschmackssinn? Durch Erziehung (was bekam man als Kind serviert) und durch Erfahrung (was hat die eigene Mutter während der Schwangerschaft gegessen?), nur wenige Dinge (z.B. Ekel vor vergammelten Lebensmitteln, die auch krank machen) sind dabei wahrscheinlich auch genetisch vorgegeben.

Erfahrung schließt ein, dass unser Geschmackssinn darauf trainiert ist, dass wir natürlicher Weise (der Industriefraß mit künstlichen Aromen, Geschmacksverstärkern etc. stört diese Funktion) sogar wissen, was unser Körper an Nährstoffen braucht und daher bestimmte Dinge bevorzugen.


Wenn du dich auf der Welt umschaust, sind die heutigen Ernährungsgewohnheiten nicht mehr wie früher regional angepasst, aber genau das wäre natürlich das Optimum: Sich wieder regional zu ernähren, anstatt so zu tun, als müsse man überall die gleiche Pampe auf dem Teller haben.
 
Zuletzt bearbeitet:

Testudo

Schützer und Nutzer
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Vererbt? Ich bin neugierig und verfressen und esse Dinge, die weder Eltern noch Großeltern je mochten.

Vererbung kann ich mir weniger vorstellen. Tradiertes Verhalten schon eher, aber auch da gibt es Menschen, die sehr konservativ sind und andere sind progressiv und haben Spaß an Neuem und probieren viel aus.

Ich würde behaupten, das ich mich bisher vor nichts geekelt habe, aber es gibt ein paar Sachen, die ich nicht mag. So starke Einbrennen dieser herbe Geschmack ist nichts für mich.

Zuletzt habe ich mir eine Kalbsleber bestellt, obwohl ich eigentlich Leber nicht mag und fand es ganz ok. Würde ich nochmal essen, wird aber nicht mein Laibgericht.
 

daci7

Grobrhetoriker
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Ein gewisser Grundstock ist mit sicherheit genetisch vorbestimmt - allein die Wahrnehmung von Geschmäckern hängt ja größtenteils mit der Zusammesetzung deiner Chemorezeptoren zusammen. Und da ist natürlich eine Menge vererbt.
Geschmack ist aber natürlich unglaublich viel mehr als nur "Chemorezeption". Da spielen eine Menge andere Gehirnareale eine Rolle und unterschiedliche Emotionen werden vermischt.
Evolutionär hat das ganze natürlich auch seinen Sinn - erstens ist "Mensch nicht gleich Mensch", wie der Nordlichtangler ja bereits sagte, und zweitens ist "Nahrung nicht gleich Nahrung".
Menschen leben in so diversen Lebensräumen und so unterschiedlichen Bedingungen, dass es unglaublich wichtig ist, dass Nahrungspräferenzen aber auch Ekel/Abneigung früh beigebracht wird.
Am einen Ort ist es immens wichtig, dass junge Menschenaffen schnell lernen Pilz x nicht zu futtern, während es diesen an einem anderen Ort garnicht gibt. Dafür muss man sich hier halt für Pflanze Y in acht nehmen.
Natürlich ist das alles heutzutage duch die Globalisierung nicht mehr so nötig - das Programm wirste aber in den nächsten 1000 Jahren nicht rauskriegen ;) Und so kommen eben so komische "Fehlprägungen" zustande.
#h
 

Lajos1

Well-Known Member
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Hallo,


ein interessanter Thread. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir darüber noch gar keine großen Gedanken gemacht habe (bin immerhin schon 71).

Das liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich das, was bei uns in Europa gemeinhin gegessen wird, grundsätzlich auch für mich als essbar ansehe.
Sicher gibt es Sachen, welche ich sehr gerne, gerne, und auch weniger gerne esse oder auch nicht mag, was aber selten ist. Aber selbst bei Letzterem kann ich da nicht von Ekel oder Grauen sprechen bzw. würde davon Brechreiz bekommen. Ich war schon immer neugierig, so habe ich als Jugendlicher in den 1960ern auch schon mal Weinbergschnecken probiert und danach auch noch öfters. Die hätten meine Eltern nicht gegessen, weil es ihnen davor grauste. Aufgewachsen bin ich, wie damals meist üblich, mit deutscher Hausmannskost und der Vorgabe, dass was auf den Tisch kommt auch gegessen wird, sowie erst vom Tisch aufgestanden wird, wenn aufgegessen war. (Anm. ich halte meine Mutter für die damalige Zeit für eine gute Köchin)

Frösche und Surströmming habe ich allerdings noch nicht probiert, aber warum nicht, ein Urteil kann man erst nach einem Probeessen fällen.


Gruß


Lajos
 

Pinocio

Active Member
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Keine Ahnung wie es bei dir aussieht, aber je älter ich werde, je mehr ich die Finger von Industrienahrung lasse, desto besser schmecken mir Dinge, die ich früher nicht angerührt hätte.
Wiedersinnig ist da doch nichts, der Mensch ist und bleibt ein Tier. Wie entwickelt sich unser Geschmackssinn? Durch Erziehung (was bekam man als Kind serviert) und durch Erfahrung (was hat die eigene Mutter während der Schwangerschaft gegessen?), nur wenige Dinge (z.B. Ekel vor vergammelten Lebensmitteln, die auch krank machen) sind dabei wahrscheinlich auch genetisch vorgegeben.

Erfahrung schließt ein, dass unser Geschmackssinn darauf trainiert ist, dass wir natürlicher Weise (der Industriefraß mit künstlichen Aromen, Geschmacksverstärkern etc. stört diese Funktion) sogar wissen, was unser Körper an Nährstoffen braucht und daher bestimmte Dinge bevorzugen.


Wenn du dich auf der Welt umschaust, sind die heutigen Ernährungsgewohnheiten nicht mehr wie früher regional angepasst, aber genau das wäre natürlich das Optimum: Sich wieder regional zu ernähren, anstatt so zu tun, als müsse man überall die gleiche Pampe auf dem Teller haben.
Sehe ich auch so. Habe vor ca. 5 Jahren, all den Schrott weg gelassen, der sich Lebensmittel schimpft und kaufe nur noch auf dem Markt mein Essen (gibt nur wenig was ich im Supermarkt zukaufen muss).
Seither hat sich mein Geschmack sehr verändert. Ich mag sehr gerne bittere, herbe Sachen (Grünzeug, auch Wildkräuter wie Gundermann oder Milzkraut). Ich weiß nicht ob es Einbildung ist, aber ich hab sogar das Gefühl, dass die Präferenzen Jahreszeitlich variieren im Sommer eher süß und frisch, Winter esse ich extrem viel Fett und Fleisch. Wenn ich jetzt bei der Hitze saure Kutteln essen sollte, würde mir vielleicht sogar übel werden, im Winter liebe ich das Essen.
Lustigerweise habe ich seither keinen Appetit mehr auf Südfrüchte, da mach ich einen Bogen drum, kein Ekel, aber Abneigung.

Ansonsten habe ich kaum Hemmung Essen zu probieren, egal wo ich war zumindest probiert habe ich die landestypische Kost immer. Es gab wenig, was ich nicht mochte (Schafsleber fand ich ekelig, das schottische Schafszeug da, fand ich dagegen lecker). Und das denke ich habe ich geerbt, mein Vater kann auch fast alles essen und er kommt sehr gut mit länger nichts Essen klar, genau so geht es mir auch. Kann ohne Probleme einen Angeltag ohne Essen mitzunehmen aushalten, selbst wenn ich abends spät heimkomme, muss ich erst am nächsten Tag essen.

Um die Frage zu beantworten, glaube teils ist es Vererbung, teils Gewohnheit und eben, die von Purist erwähnte Degenerierung des Geschmacks durch Fertig- und Industrie"nahrung".
 

Zander Jonny

Thomasianer
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Ich finde Fett in fester Form (Schwarte etc) total ekelig bzw. ist das für mich die Krönung an Ekel. Nicht unbedingt nur wegen dem Geschmack, sondern vor allem wegen der Konsistenz. Mit Whisky habe ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht, aber den mag ich trotzdem noch sehr gern.
Mit dem fett das geht mir genauso, hauptsächlich die Konsistenz find ich einfach abartig ekelhaft #t
 

ANNIK4

New Member
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Mit dem Fett ist das bei mir auch so eine Sache. Da fange ich direkt an zu würgen, warum auch immer. Aber war auch im Kindesalter schon so. ich glaube das liegt einfach daran, das wir nicht kurz vorm Hungertot stehen oder generell hungern müssen. Die Länder der dritten Welt, denen ist der Fettrand total wumpe, hauptsache sie können sich irgendwie stärken.
 

Andal

Teilzeitketzer
AW: Woher kommt der Geschmack, der Ekel?

Ein richtiges fettes Schweinernes, kein Problem. Aber sobald am Rindfleisch auch nur ein Fetzerl Fett hergeht, ist der Hals mit einem Schlag zu.
 
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