Ostseedorsch: Fischer zahlen für verfehlte Landwirtschaftspolitik

Dieses Thema im Forum "Angeln in Politik und Verbänden" wurde erstellt von Anglerboard Redaktion, 23. August 2019.

By Anglerboard Redaktion on 23. August 2019 um 12:46 Uhr
  1. Anglerboard Redaktion

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    Newsmeldung:

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    Der WWF hat auf seiner Homepage eine Newsmeldung veröffentlicht, in der er die Landwirtschaft für das Sterben der Ostseedorsche herausarbeitet. So heißt es in der Meldung , dass aktuell dreimal mehr Dorsche durch den schlechten Zustand der Ostsee sterben (ausgelöst durch Überdüngung und den damit einhergehenden Sauerstoffmangel) als durch die Fischerei genutzt werden.
    Weiter heißt es, dass nun die Fischerei für die verfehlte Landwirtschaftspolitik die Zeche zahle. Hintergrund ist der Anfang August 2019 von der EU-Kommission auf den Weg gebrachte Fangstopp für den östlichen Dorsch (wir berichteten). Laut Aussage des WWF ist demzufolge die Hälfte der gesamten Fischerei auf den östlichen Dorsch davon betroffen.
    Am Ende steht die Frage im Raum, wie wirksam solche Maßnahmen bezüglich des schlechten Zustandes des Ökosystems Ostsee wirklich sind!

    Die komplette Meldung und weitere Infos findet Ihr hier:
    https://blog.wwf.de/wie-guelle-die-...WrgbeNKIVKTx0wouuvKzGzztHffdu3dpBEC9NNCyJhMY4

    Quelle:
    https://blog.wwf.de/wie-guelle-die-...WrgbeNKIVKTx0wouuvKzGzztHffdu3dpBEC9NNCyJhMY4
     
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Kommentare

Dieses Thema im Forum "Angeln in Politik und Verbänden" wurde erstellt von Anglerboard Redaktion, 23. August 2019.

    1. Nidderauer
      Nidderauer
      Das grundsätzliche Problem ist, dass nicht mehr die richtigen Algen in ausreichendem Maße vorhanden sind. Und das sind die überwiegend grünen Schwebealgen, auch als Phytoplankton bekannt. Weil diese Algen grün sind, verstoffwechseln sie CO2, indem sie den enthaltenen Kohlenstoff C in Pflanzenmasse umsetzen, während der Sauerstoff freigesetzt wird. Und dieser Sauerstoff ist überlebenswichtig für jedes Biotop!

      Und genau hier muss man die tatsächliche Ursache suchen. Wenn trotz ausreichend Nährstoffen kein Sauerstoff im Gewässer ist, dann muss man einfach mal auf Unkrautvernichter, wie z.B. Glyphosat testen. Diese führen schon in geringen Mengen dazu, dass überhaupt keine grünen Schwebealgen mehr wachsen, bzw. nach der Entwicklung sofort absterben und am Gewässergrund für Unmengen sauerstoffzehrenden Faulschlamm sorgen. Liegt diese giftige Masse erstmal auf dem Gewässergrund, wird eine Bildung von Grünalgen im Gewässer massiv behindert, Todeszonen weiten sich massiv aus, Blaualgen (Cyanobakterien) breiten sich aus, Zooplankton findet nicht ausreichend Nahrung, Fische keine Fischnährtiere, Gifte im Gewässer werden nicht abgebaut und konzentrieren sich, die Verdauungsapparate der Fische sind geschädigt, Endo-Parasiten vermehren sich massiv,.......

      Im Grunde genommen spitzt sich die Situation seit etwa 10 Jahren massiv zu. Damals kam man auf die Idee, die Getreideernte mittels Glyphosat zum Abreifen zu bringen, damit die Ernte planbar und nicht mehr witterungsabhängig ist. Das ist vor allem für die großen Agrarkonzerne (sehr große Flächen mit einem Minimum an Manpower zu bewirtschaften) überlebenswichtig. Dazu wird das Getreide weniger pilzanfällig bei der Lagerung.

      Dieses "Management" bringt immer mehr Gewässer an ihre Grenzen, vor allem wenn größere Einleitungen menschlicher Zivilisation vorhanden sind. Offenbar wird selbst der Verzehr von glyphosathaltigen Nahrungsmitteln mittlerweile zum Problem, denn Kläranlagenausläufe, die vor einigen Jahren noch ein Garant für gute Fangerfolge waren, sind vielerorts mittlerweile Zonen, die von den Fischen gemieden werden.

      Und an diesem verheerenden Zustand sind auch nahezu sämtliche Angler mitbeteiligt. Nämlich alle die, die sich nicht mit ökologich verträglichen hergestellten Lebensmitteln versorgen. Mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die Landwirte zeigen ist trotzdem nicht in Ordnung. Die Landwirte produzieren nur das, was nachgefragt wird, ein wenig eigenverantwortliches Handeln schadet daher nicht.

      Das wirklich Schlimme an der ganzen Situation ist allerdings, dass die wenigsten Angler die Zusammenhänge der Lebenskreisläufe auch nur annähernd verstanden haben.

      Grüße Sven
    2. knutwuchtig
      knutwuchtig
      woher soll angler das auch wissen ?

      selbst hier bekommt man keine wissenschaftlich untermauerten fakten !
      zumindest nicht ,wenn keine allgemeine schlagzeile dahinter steckt oder vom werbetreibenden lanciert wird .

      sobald kritische berichte auftauchen ,bei denen etwas intellekt gefordet wird oder einen minimal horizont der über bildzeitung hinaus geht , reitet man die schützer schiene

      deutsche angler/in will einfach nur foto!
      ob mit 10 cm barsch oder 3 m wels, ist egal.
      hauptsache 5 min fame !

      früher war angeln naturerlebnis und gentlemens sport -heute medienwirksames micro event !
      Zuletzt bearbeitet: 26. August 2019
      Nidderauer und Testudo gefällt das.
    3. Mike-
      Mike-

      Woher hast du die Infos? Wenn dem so wäre hätten die Fischer keine Probleme, der Barschbestand geht auch zurück. Ich habe erst vor ein paar Wochen eine riesige Tabelle angeschaut (über 100 Seiten), 2015 oder 2016 hat man das letzte mal den Fischbestand gezählt und alles notiert (im Ober wie auch im Untersee an unzähligen Stellen).


      Edit: Okay so was habe ich auch schon gelesen & das sich die Sprungschicht im Herbst und Frühjahr nicht mehr richtig vermischt, der Sauerstoffgehalt wird auch im tiefen Wasser immer niedriger. Ich suche schon die ganze Zeit aus welchen Artikeln ich das herhabe, aber ich finde ihn nicht.
      Kürzlich habe ich einen riesigen Artikel gefunden, samt allen Fischzählungen und den dazugehörigen Tabellen, die letzte war 2015 oder 2016, der Barschbestand geht auch zurück.
      Zuletzt bearbeitet: 27. August 2019
    4. Mike-
      Mike-
      Hier ist der besagte Artikel. Man findet einiges zum Bodensee Sauerstoffgehalt, Phospatgehalt, Fischbestand usw,... Die letzte Messung war laut dem Papier 2014, nicht wie ich oben sagte 2015-2016. Hier findet man auch die Tabellen zur Fischzählung und eine Bodenseekarte, an welchen Stellen die Fische gezählt wurden. Ich habe bisher nur einen Teil der Tabellen zum Fischbestand und ihrer Zählung angeschaut. Was man öfters liest das sich die Seeforelle wieder ausbreitet, auch in kleinsten Bächen sieht man sie zur Laichzeit hoch wandern. Ich höre jetzt auf, zu viel OT, hier gehts ja um die Ostsee. http://www.ibkf.org/wp-content/uploads/2018/03/ProjetLac_Bodensee_2014_fin_web.pdf

      Zuletzt bearbeitet: 27. August 2019
    5. knutwuchtig
      knutwuchtig
      wenn die tendenzen richtung samoniden gehen ist doch alles gut !
      es kann doch bei der bestandspflege von autochthonen nicht darum gehen , was am meisten geld bringt !
      genau das ist ja der zankkapfel zwischen erhalten , bewahren ,schützen und marktwirtschaft
      Testudo gefällt das.
    6. torstenhtr
      torstenhtr
      Natürlich wurden die Düngerichtlinien verschärft, das ist ja ein Grund, neben verbesserten Kläranlagen, warum sich die Nährstoffeinträge in den meisten Oberflächengewässern reduziert haben. Der Bodensee ist sicher ein sehr gutes Beispiel. Nur ist eine solche "Verbesserung" nicht zwangsläufig immer im Sinn von Fischern/Anglern. Ich denke dahin geht der Trend, klare aber nährstoffärmere Gewässer, z.T. anglerisch unattraktiver (weil sich der Kormoran die Restbestände holt).

      @sven
      Glyphosat: hat weniger mit dem Pressebericht des WWF zu tun, ein schwieriges Thema, selbst in der Wissenschaft hoch umstritten. Die Aussage über Algen habe ich geprüft [1]:

      "Bei den Gewässerorganismen sind im Hinblick auf den Wirkstoff die Algen die empfindlichste
      Gruppe (Skeletonema costatum 7 d, stat, EC 50 0,64 mg/l). Fische und Daphnien reagieren weniger
      empfindlich mit NOEC-Werten von 25,7 bis 30 mg/l. Der Metabolit AMPA zeigt eine weit geringere
      Toxizität für Wasserorganismen."

      D.h. eine Wirksamkeit auf Algen ist definitiv gegeben, nur was nicht zusammenpasst ist die Konzentration - beispw. listet [2] 2,5 Mikrogramm/Liter - das wäre weit ab einer signifikanten Wirkung auf Algen. Kannst du eine peer-reviewte Studie angeben, die deine Ausführungen bestätigt?

      --

      [1] Zulassungsbericht Glyphosat, https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/...e/006149-00-01.pdf?__blob=publicationFile&v=2
      [2] Bericht zur chemischen Situation der Fließgewässerund Seen in Schleswig-Holstein, https://www.umweltdaten.landsh.de/nuis/wafis/fliess/chem_Situation.pdf

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